Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Tenor Peter Schreier (80) fordert vom Sänger-Nachwuchs mehr Haltung
Fordert von Sängern Leidenschaft: Peter Schreier. Foto: dpa
"Die heutigen Kruzianer singen zu brav"

Tenor Peter Schreier (80) fordert vom Sänger-Nachwuchs mehr Haltung

Er begann seine Karriere beim Dresdner Kreuzchor: Tenor-Legende Peter Schreier (80) fordert vom sängerischen Nachwuchs Leidenschaft.

10.12.2015
  • DPA

Schwelgen Sie beim "Weihnachtsoratorium" noch in Erinnerungen an ihre Zeit im Dresdner Kreuzchor?

PETER SCHREIER: Die Kinder- und Jugendzeit ist doch die, die man am nachhaltigsten aufnimmt. Mir geht es auch heut noch so: Die Kreuzchorzeit ist für mich, als ob sie erst gestern gewesen wäre. Die Art und Weise des gemeinsamen Musizierens, die Disziplin, das Hören auf die Nebenstimmen, auf seine Mitsänger. All das sind Dinge, die ich im Kreuzchor kennengelernt habe.

Beim Hören von Bachs Oratorien gewinnt man manchmal den Eindruck, die christliche Botschaft durch Musik vermittelt zu bekommen. Sind Ihnen solche Aspekte wichtig?

SCHREIER: Ich komme ja aus einem Kantorenhaus; wenn man in diesem Umfeld großgeworden ist, sieht man Bach natürlich auch von der Glaubensseite. Bach selbst hat mit diesem christlichen Glauben, der in ihm so verwurzelt war, diese Musik schreiben können. Und wenn man mich fragt, ob ich an Gott glaube, sag ich ja. Bach ist mein Gott.

Sie sind für eine leidenschaftliche Interpretation der Evangelisten-Partie auch im Weihnachtsoratorium. Warum?

SCHREIER: Der Evangelist ist doch jemand, der beteiligt ist, der Partei ergreift! Über dieses Thema habe ich übrigens im Clinch gelegen mit John Eliot Gardiner, der nach einer Matthäus-Passion einmal zu mir sagte, ihm fehle da die Distanz. Ich finde, schon allein durch die Art und Weise, wie Bach die Rezitative geschrieben hat, das fordert zu einer Deutung doch geradezu heraus! Da kann man nicht sachlich bleiben. Nein, im Weihnachtsoratorium und vor allem in der Matthäus-Passion ist ein Evangelist gefragt, der Stellung nimmt.

Sie haben in den 80er Jahren mit der Staatskapelle Dresden das Weihnachtsoratorium eingespielt und als Dirigent auch gesungen. Eine Aufnahme, die in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich ist, oder?

SCHREIER: Das ist, glaube ich, überhaupt einmalig, und übrigens gar nicht so sehr auf meinem Mist gewachsen: Ich sollte das Werk eigentlich nur dirigieren. Bei den Proben meinte die Aufnahmeleitung dann: Herr Schreier, Sie bereiten ja alles vor, indem sie es vorsingen. Wäre es nicht eigentlich gut, Sie würden auch den Evangelisten singen? So ist das zustande gekommen! Dann habe ich das in der ganzen Welt so gemacht: in Australien, in Neuseeland, auch in Amerika.

Ist das nicht von der Kondition her schwierig?

SCHREIER: Ach, die Doppelbelastung ist gar nicht so groß. Man denkt die Musik ja gewissermaßen voraus; die Konzentration ist erhöht, und das macht es einem auch leichter, die Tempovorstellungen auf Chor und Orchester zu übertragen. Es war ganz klar: Wenn ich als Evangelist ein Tempo vorgegeben habe, hat das Orchester es ganz mühelos aufgenommen.

Gibt es heute interessante junge Solisten, die Sie aufhorchen lassen?

SCHREIER: Ehrlich gesagt: zu wenig. Ich habe immer noch das Gefühl, dass die Sänger nur Stimme zeigen wollen. Ich merke aber bei den jungen Leuten, dass sie keinen Mut haben, sich freizumachen und eine eigene sängerische Persönlichkeit zu zeigen. Klar, es gibt auch ein paar gute Kruzianer, die jetzt nachrücken. Aber alle singen zu brav, gehen zu wenig aus sich heraus!

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.12.2015, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular