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Kommentar

Teilen fällt schwer. Teilen tut gut.

„Was soll ich nur tun?“ fragte sich der wohlhabende Unternehmer. „Die Geschäfte laufen gut, sehr gut sogar, wir exportieren in alle Welt. Das will ich tun: Wir werden erweitern, die Gewinne in noch größere Produktionseinheiten investieren, Umsatz und Nachsteuerergebnis werden spürbar wachsen."

06.10.2015

Noch in derselben Nacht starb der Mann. Am Sonntag, beim Erntedankfest in der Immenhäuser Kirche, ging es um den „reichen Kornbauern“, den wohlhabenden Unternehmer zur Zeit des Neuen Testaments. Die Botschaft des Gleichnisses nach Lukas: Besitz bietet keine Sicherheit. Teilen befriedigt das soziale Wesen Mensch oft viel mehr, als das Horten und Anhäufen. Der Appell zum Teilen und zu praktizierter Nächstenliebe ist 2000 Jahre alt. Und sehr aktuell.

1,5 Millionen Flüchtlinge sollen Deutschland in diesem Jahr erreichen, warnte gestern die „Bild“ in großen Lettern. Politiker sagen, die „Grenzen der Belastbarkeit“ seien bald erreicht. Wann geht uns das Geld aus? Der Wohnraum? Die Jobs? Können wirklich Millionen integriert werden? Das sind wichtige Fragen – hinter denen noch eine andere Frage steht: Wo sind die Grenzen unserer Bereitschaft, mit den „Verdammten dieser Erde“ (so der 1961 gestorbene französische Schriftsteller Frantz Fanon), unseren aus deren Sicht schier unermesslichen Reichtum zu teilen?

Dabei geht es nicht nur um die vor Kriegen aus dem Irak, aus Syrien oder Afghanistan Flüchtenden. „Wir leben in einer absurden Weltordnung“, schreibt der Schweizer Schriftsteller Jean Ziegler in seinem neuen Buch „Ändere die Welt“. Er prangert darin nicht zum ersten Mal „das tägliche Massaker des Hungers“ an, dem jedes Jahr viele Millionen Menschen zum Opfer fallen.

Was „wir“ damit zu tun haben? Nur drei Beispiele: Mit Freihandelsabkommen öffnet die EU afrikanische Märkte für europäische Importe – und zerstört die dortige Wirtschaft. Europäische Fischereiflotten gehen vor Afrikas Küsten auf Beutezug und verdrängen heimische Fischer. Transnationale Konzerne mit ihrem unersättlichen Hunger nach Land und Rohstoffen arbeiten eng mit den superreichen Eliten von Ländern zusammen, in denen die Masse der Bevölkerung keine Perspektive auf Besserung ihrer elenden Situation hat. Die direkte Ausbeutung durch Kolonialherren wurde ersetzt durch neue Formen der Beherrschung. Auch deshalb verlassen viele Menschen ihre Heimat.

Derweil werden die Reichen immer reicher – weltweit. Und dass auf Tübingens Wohnungsmarkt die Mieten explodieren, dass hier wie bundesweit viel zu wenig Sozialwohnungen gebaut wurden und werden, dafür können die Flüchtlinge nichts.

Stimmt schon: Integration ist nicht immer einfach. Und mancherorts sind Helfer schlicht überfordert. Doch sage niemand, es ist kein Geld da. In der Wirtschaftskrise 2008 waren über Nacht Milliarden zur Hand. Sie wurden nur nicht mit Arbeitslosen oder Flüchtlingen geteilt – sondern mit Banken. Volker Rekittke

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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