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Spielwaren

Teeparty mit Papa

Väter entscheiden immer öfter, was der Nachwuchs bekommt. Die Hersteller passen deshalb ihr Angebot an.

03.02.2018
  • SIMONE DÜRMUTH

Ulm. Vater und Tochter sitzen auf dem Boden, zwischen ihnen eine umgedrehte Kiste, die als Kaffeetisch dient. Gedeckt ist er mit kleinem Plastikgeschirr, zu essen gibt es Plastikobst, am Rand sitzt eine Barbiepuppe. Diese kleine „Teeparty“ wurde unter dem Stichwort #DadsWhoPlayBarbie (Väter, die mit Barbies spielen) veröffentlicht. Wer danach sucht, findet noch viel mehr Fotos und Videos von Vätern, die mit ihren Töchtern Barbie spielen.

Ins Leben gerufen wurde die Aktion vom US-Hersteller Mattel. Sie trifft den Nerv der Zeit: Väter bringen sich mehr ein in die Erziehung, nehmen Elternzeit – auch wenn es oft nur zwei Monate sind. Diese Väter reden auch mehr beim Spielzeugkauf mit. Das hätten interne Studien der Spielwarenhersteller belegt, vermeldet die Spielwarenmesse Nürnberg.

Dazu kommt: Die Umsätze der Spielwarenindustrie stagnieren nach vielen Jahren des Wachstums. „Bis 2009 hatten wir eher magere Jahre, seitdem ist das Volumen stetig gestiegen“, berichtet Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie (DVSI). Im Jahr 2017 gab es jedoch eine Seitwärtsbewegung, die Schätzungen für 2018 sind nur vorsichtig optimistisch. Zeit, sich nach neuen Zielgruppen umzusehen.

Der Plüschartikelhersteller Sigikid aus dem bayerischen Mistelbach zum Beispiel adressiert eine komplette Produktlinie für Säuglinge und Kleinkinder an die Väter. Unter dem Namen „Papa & Me“ gibt es zum Beispiel plüschige Roboter zum Kuscheln und sogar eine Spieluhr in Bohrmaschinen-Optik. Rosa und Glitzer findet man hier ebensowenig wie Schäfchen und Prinzessinen. Männer würden sich heute selbst aktiv in die Erziehung einbringen. „Was liegt daher näher, als ein Programm zu gestalten, das sich mit Produkten speziell an den Mann wendet und ihm auch den Kauf von Spielsachen für sein Baby erleichtert“, begründet der Hersteller seine Entscheidung zur neuen Produktlinie.

Es gibt natürlich auch Klassiker unter den Vater-Spielzeugen. Die Carrera-Bahn ist so einer. Zwar findet man auch Produktlinien, die sich vor allem für Kinder eignen wie zum Beispiel „Carrera First“. Die Neuentwicklung, ein Auto, das mit einer Kamera ausgestattet ist, ist zwar offiziell ab zwölf Jahren geeignet. Darauf angesprochen windet sich der Carrera-Sprecher am Messestand ein wenig und gibt zu, dass man durchaus auch die Väter im Blick habe.

Das gleiche Bild zeigt sich am Fischer-Technik-Stand. „Klar ist das auch was für die Väter“, gibt Gernot Bauer unumwunden zu. Er selbst beobachte das auch bei sich und seinen Kindern.

Vielleicht ist auch das ein Grund, warum die Bolliden und Bausätze nicht ganz günstig sind. Dass das an den Vätern liegt, glaubt Brobeil indes nicht: „Egal ob Vater oder Mutter, Eltern sind generell bereit, für schöne Spielsachen, die innovativ sind, mehr auszugeben.“

Eltern kaufen Spielzeug nicht nur für den Nachwuchs. Laut einer Studie der NPD-Group stiegen die Spielwarenkäufe von Erwachsenen für den Eigenbedarf in den vergangenen fünf jahren um zwei Drittel. Allein für das Jahr 2016 verzeichneten die Marktforscher einen Anstieg um 21 Prozent. Diese Entwicklung hat in der Branche einen eigenen Namen bekommen. Die Spielkinder unter den Erwachsenen werden als „Kidults“ bezeichnet, eine Mischung aus „Kids“ (Kinder) und „Adults“ (Erwachsene). In Südkorea hat dieser Markt bereits so viel Potenzial, dass jährlich eine eigene Messe, die Kidult & Hobby Expo, stattfindet.

Etwa für die Hälfte aller Spielwarenkäufe von Erwachsenen weltweit sind die Millenials verantwortlich, die etwa 18 bis 35 Jahre alt sind, gefolgt von den 35- bis 54-Jährigen mit etwa einem Drittel der Käufe. Die über 55-Jährigen steuern nur 18 Prozent bei.

Einige Hersteller haben das Potenzial dieser Zielgruppen inzwischen für sich entdeckt. So hat der dänische Klötzchenhersteller Lego mit „Lego for Men“ die Männer ins Visier genommen: Lego Technik, Lego Architecture, Lego Star Wars spielen dabei eine übergeordnete Rolle. Ob ein Schaufelradbagger mit 3900 Teilen mit Power Functions Motor, die Nachbildung des Buckinhgham Palace aus 780 Teilen oder der Bausatz eines X-Wing-Fighters, um Science-Fiction-Szenen nachzuspielen: Gemeinsam ist den Produkten eine gewisse Komplexität und damit auch ein gewisser Preis. Von Vorteil ist dabei sicherlich, dass Erwachsenen ein größeres Taschengeld zur Verfügung steht.

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03.02.2018, 06:00 Uhr
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