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Taubenblaue Grüße aus dem Käsedorf

Wer durch Frankreich gondelt, kann zum Beispiel im Burgund abseits der Autobahnen oder Nationalstraßen nicht nur viel über mittelalterliche Architektur und Plastik, Wein und Küche, lernen, sondern auch was fürs Leben daheim. So auch in Epoisses, dem Dorf aus dem der gleichnamige Käse stammt. Ein Rotschimmelkäse, dessen deftiges Aroma nicht zuletzt vom Marc de Bourgogne stammt, dem hochprozentigen Schnaps, mit dem die Käselaibe während der Reifung eingerieben werden.

24.07.2009

Aber in Epoisses ist nicht alles Käse. Es gibt dort auch ein Schloss. Und neben dem Schloss steht ein Taubenturm. Was nicht so ungewöhnlich ist. Denn früher standen in Frankreich Taubentürme auf jedem größeren Anwesen. Wobei es nicht so sehr um die kulinarischen oder postalischen Möglichkeiten von Tauben ging. Wichtig an den Tieren war vielmehr, was hinten rauskam: Der Kot wurde als wertvoller Dünger geschätzt und mit Vorliebe im Küchen- und Kräutergarten eingesetzt.

Der Taubenturm in Epoisses, gebaut im 15. Jahrhundert, ist aber trotzdem ziemlich einzigartig, weil schlichtweg riesig: 3000 Tauben fanden hier Platz. Was davon zeugt, dass die Herren von Epoisses nicht zu den Ärmsten gehörten. Denn Tauben kacken nicht nur, sie fressen auch Saatkörner. Weshalb selbst Adelige nur so viel Tauben beherbergen durften, wie sie Land besaßen: Pro halber Hektar war ein Nest erlaubt. So waren Taubentürme auch Statussymbole.

Im Turm von Epoisses gurrt heute keine Taube mehr. Dafür ist dort in einer kleinen Ausstellung unter anderem ein lustiger Zeitvertreib dargestellt: Eier Rollen neben dem Taubenturm.

Offenbar nahm man den Tauben aus Gründen der Geburtenkontrolle also schon vor hunderten von Jahren die Eier weg. So wie es in Tübingen seit mehr als zehn Jahren praktiziert wird. Nur dass in Tübingen niemand mit den Eiern aus den Taubentürmen spielt. Was schade ist. Denn die Platanenallee oder der Alte Botanische Garten würden sich ja als Eier-Rollbahn ganz gut eignen. Vermutlich würde der spielerische Umgang auch die Identifikation mit dem Taubenprojekt stärken. Und die Tübinger Boule-Variante ließe sich sicher auch touristisch vermarkten.

Noch mehr zu bedauern aber ist der Tübinger Umgang mit der Taubenkacke. Zwölf Kilogramm Nasskot pro Taube müssen jährlich entsorgt werden, so die Auskunft der Stadt. Das macht bei insgesamt 530 Tauben, die das betreute Wohnen unterm Stiftskirchendach, auf der Platanenallee und im Alten Botanischen Garten in Anspruch nehmen, immerhin 6360 Kilo natürlichen Dünger. Statt den auf die Müllhalde zu kippen, könnte man ihn doch für den städtischen Blumenschmuck nutzen. Sozusagen als taubenblauen Beitrag für Tübingens Klimakampagne. Und schon würden die Taubentürme auch hier zum Statussymbol. Nicht für Landbesitz aber für den Umweltschutz.

Uschi Hahn

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24.07.2009, 12:00 Uhr
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