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Getötete Eisverkäuferin

Tat vor 28 Jahren: Anklage plädiert auf Mord

Eine 25-Jährige stirbt einen grausamen Tod - nach Jahrzehnten stellt sich der Täter. Vor Gericht stellt sich die Frage: War es Mord oder Totschlag?

16.10.2015
  • SWP

Karlsruhe Im Prozess um den Tod einer italienischen Eisverkäuferin vor fast 30 Jahren hat die Anklage eine Verurteilung wegen Mordes gefordert. Das Landgericht Karlsruhe verkündet heute sein Urteil. Der zur Tatzeit 20-jährige Mann hatte die 25-jährige Antonella B. im Juni 1987 im Karlsruher Hardtwald getötet. Die Staatsanwaltschaft sprach gestern von einer "extremen Schwere der Schuld", plädierte aber auf eine sechsjährige Haft nach Jugendstrafrecht. Der Angeklagte war zur Tatzeit 20 Jahre alt. Die Familie des Opfers will den Täter mindestens sechs Jahre hinter Gitter sehen. Aus Sicht der Verteidigung muss der Mann freigesprochen werden.

Der in der Schweiz lebende Täter blieb über drei Jahrzehnte unentdeckt - bis er sich im Februar den Basler Behörden mit den Worten stellte: "Ich habe sie mit meinen Händen erwürgt und ihr einen Holzpflock in den Mund geschoben."

Die Anklage, die erst davon ausgegangen war, dass die Frau bei den Misshandlungen noch lebte, zeigte sich nach Gutachteraussagen im Prozess überzeugt: "Sie musste wohl nicht sehr lange leiden." Die sexuelle Motivation der Tat stehe aber fest. Der Angeklagte hatte laut Staatsanwalt eine "extrem schwere Jugend erlebt" und war sexuell gestört. Er habe große Schuld auf sich geladen und müsse wegen Mordes verurteilt werden.

"Aber er ist nicht das Monster, das man hätte vermuten können", erklärte hingegen sein Verteidiger. Er sah keine Mordabsichten. Da Totschlag - im Gegensatz zu Mord - nach 20 Jahren verjährt, plädierte er auf Freispruch. Der Haftbefehl müsse aufgehoben, der Mann für die Untersuchungshaft entschädigt werden. Der minderbegabte Angeklagte ohne Schulabschluss habe die Tat über Jahre verdrängt. "Zehn Jahre hat es geklappt, dann konnte er es nicht mehr aushalten." Nur durch das Geständnis sei das Verbrechen aufgeklärt worden.

Der Angeklagte, der Augenkontakt mit den Angehörigen des Opfers mied, entschuldigte sich: "Es tut mit leid, was ich getan habe. Es tut mir auch leid für die Familie." Was diese durchgemacht hat, deutete ihr Anwalt an: Antonella war gerade mal sechs Wochen von zu Hause weg, als das Verbrechen geschah. Neben dem Leid gab es auch Verdächtigungen und Selbstvorwürfe. Die Reue nehmen die Angehörigen dem Täter nicht ab. dpa

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16.10.2015, 12:00 Uhr
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