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Kopfstimmen fürs Herz

Take That begeistern 7000 Fans in der Schleyerhalle mit kunterbunter Show

Wenn eine Boygroup Songs aus drei Jahrzehnten singt - ist sie wohl keine Boygroup mehr. Bei Take That ist das egal, selbst wenn sie nur noch zu dritt sind. Großes Entertainment, sympathisch und kunterbunt.

13.10.2015
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Stuttgart Es war der 13. Februar 1996, als die Welt unterging. Zumindest für junge Menschen vorwiegend weiblichen Geschlechts. BBC änderte aus Trauer sein Programm, Teenager schlossen sich weltweit heulend in ihre Zimmer ein, Sorgentelefone wurden eingerichtet, und in Wien sprang ein 15-jähriges Mädchen aus dem Fenster. Denn an diesem Tag hatte die Band Take That ihre Auflösung bekanntgegeben. Robbie Williams hatte schon im Sommer zuvor seinen Ausstieg verkündet, und das war nun ganz offiziell das Ende der Welt.

Fast 20 Jahre ist das her. Man vermag sich die Euphorie, die Hysterie um diese sogenannte Boygroup Mitte der 90er gar nicht mehr vorzustellen. Das heißt - man kann es genau bis zu dem Moment nicht, als Take That an diesem Abend im Herbst 2015 die Bühne der Stuttgarter Schleyerhalle betreten. Hormongeschwängert ohrenbetäubender Jubel empfängt die Drei.

Die Drei? Vor nunmehr zehn Jahren hatten Take That sich wiedervereint, zwischenzeitlich war sogar Robbie Williams wieder an Bord. Aber da der Superstar derzeit bei Take That "pausiert" und im vergangenen Jahr auch noch Jason Orange ausgestiegen ist, sind sie nun als Trio live auf Europatour.

Wie sieht eine Boygroup ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung aus? Aus Boys wurden Idole, aus Idolen wurden Männer. Und da sind sie: Gary Barlow (44) in Petrolblau, Howard Donald (47) in Grasgrün, Mark Owen (43) in Schimmerviolett. Sind das etwa angegraute Schläfen und weiße Barthaare? Ach, sieht doch gut aus zu den freudvoll farbsatten Kostümen und der kunterbunt kaleidoskopartigen Show. Die Herren machen nicht würdelos auf berufsjugendlich, sind körperlich aber prima in Schuss, das beweisen Donald und Owen schon choreografisch. Und Barlows Stimme? Noch immer einnehmend schön.

Mit "Schaffe, schaffe, Häusle bauen" schmeißen sie sich albernd an die 7000 Fans ran, aber das müssten sie gar nicht. "Let's Make Some Noise", rufen sie, und das müssten sie auch nicht. Der Funke springt sofort über, und das nicht wegen der heißen Pyrotechnik.

Zündend ist der Mix aus neueren und älteren Songs, darunter etliche Hits, davon haben Take That wahrlich genug. "Patience" wird ein erster absoluter Höhepunkt: Kopfstimmen, die ins Herz treffen. Was vermag dieser Gary Barlow nur für Wohlfühl-Ohrwürmer zu schreiben. Süffiger, oft gar sahniger Pop. Die Band spielt auf den Punkt, leider ist der Sound etwas übersteuert.

Von Emotionen durchtränkt, müssen erstmal die Kostüme gewechselt werden. Was danach für "The Garden" an Plastik-Flora und -Fauna auf die Bühne gezaubert wird, das ist grandios. Es geht nichts über Kitsch? Doch: Über-Kitsch.

Es ist eine Inszenierung zwischen Glamourparty, Disney, Zirkus und Liberace, die den Zuschauer wohlig wehrlos macht. Licht, Video, Feuer, Konfetti, Tänzer, Artisten - das alles auf einer Rundwegbühne, über die sogar geradelt wird. Die treuesten der treuen Fans stehen inmitten dieses Rundwegs, rund 100 Anhängerinnen hatten zwei Tage lang vor der Schleyerhalle campiert, um sich die allerbesten Plätze zu Füßen ihrer Heroen zu sichern.

Mal glitzern die Drei, mal leuchten sie in weißer Theatralik, mal gefallen sie in schwarzer Eleganz. Die größte ästhetische Leistung von Take That 2015 ist aber, dass der Auftritt nie bemüht, nie vorgestrig, nie sentimental wirkt. "Could It Be Magic"? Ein bisschen schon.

"The Flood" kommt, aber die Dämme sind längst gebrochen, Take That werden die knapp zwei Stunden durchgehend auf einer Welle der Begeisterung getragen. Bei "Relight My Fire" kocht alles über, und für den Jubel zu "Back for Good", den Nummer-Eins-Hit in 47 Ländern, finden sich keine passenden Adjektive im Wörterbuch.

Man könnte die Augen schließen und sich vormachen, es sei 1995. Aber lieber hält man die Augen offen und sieht staunend: Es ist 2015, und es ist in bester Ordnung so.

Mitte 30 ist die Österreicherin heute, die im Februar 1996 als Teenager aus dem Fenster sprang - sie hat den Sturz überlebt. Man kann ihr nur wünschen, dass sie vor ein paar Tagen beim Take-That-Konzert in Wien war und gesehen hat, dass alles gut ist.

Take That begeistern 7000 Fans in der Schleyerhalle mit kunterbunter Show
Aller guten Dinge sind bei Take That derzeit drei (v.l): Mark Owen, Gary Barlow und Howard Donald. Foto: dpa

Take That begeistern 7000 Fans in der Schleyerhalle mit kunterbunter Show
Robbie Williams ist derzeit auf Solo-Tour. Foto: dpa

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13.10.2015, 12:00 Uhr
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