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Ruhe kehrt nur selten ein

Tag des Notrufs 112: Leitstelle koordiniert 130 000 Einsätze pro Jahr

Nur jeder Fünfte weiß, wie er im Ausland Hilfe holen kann. Ein Manko, das sich mit dem heutigen Tag des europäischen Notrufs 112 ändern soll. Die Leitstelle Stuttgart koordiniert 130 000 Einsätze pro Jahr.

11.02.2013

Von SEBASTIAN STEEGMÜLLER

Stuttgart "Über die 112 sind sowohl Feuerwehr und als auch Rettungsdienste europaweit erreichbar", sagt Thomas Thiele von der Integrierten Leitstelle Stuttgart (ILS). Egal ob Hochwasser, Sturm oder Schneefall - bei einer bevorstehenden, so genannten Großschadenslage können in der ILS bis zu 17 Plätze besetzt werden. Erst wenn 18 Anrufer gleichzeitig durchkommen wollen, sind die Leitungen besetzt. "Die absolute Ausnahme", sagt ILS-Chef Thiele. "Das kommt einmal in fünf Jahren vor, so dass es tolerierbar ist."

Ruhe kehrt in der Leitstelle nur selten ein. "Bei uns gehen mehrere hundert Notrufe am Tag ein, das bedeutet rund 130 000 Einsätze pro Jahr." Da bei Unfällen oft mehrere Personen zum Handy greifen, wurden im vergangenen Jahr 700 000 Gespräche geführt. Dennoch sei das Ziel der Leitstelle, spätestens nach dem dritten Klingeln ranzugehen. Anschließend wird nach einem strukturierten Fragenschema die Sachlage eingeschätzt und die erforderlichen Hilfskräfte alarmiert. "Während Polizei, Feuerwehr oder der Notarzt ausrücken, kann der Mitarbeiter bei Bedarf auch telefonisch Erste-Hilfe-Anweisungen geben." Selbst Reanimationstipps müssen die Disponenten geben. Einmal im Monat wird einem Anrufer erklärt, wie er eine Person wiederbelebt. Wie schnell Hilfe vor Ort ist, hängt oft nicht von der Leitstelle ab. "Manchmal ist ein Telefonat bereits nach wenigen Sekunden erledigt, andere Anrufer sind jedoch psychisch so angespannt, dass sie sich sammeln müssen und etwas mehr Zeit brauchen", erklärt Thiele. Bei einem Brand dauert ein Gespräch im Durchschnitt unter eineinhalb Minuten.

"Für solche Telefonate werden unsere Mitarbeiter, die alle ausgebildete Rettungssanitäter sind, speziell geschult." Dabei werde anhand einer festgeschriebenen Liste ein Punkt nach dem anderen abgehakt. Höflich, aber bestimmt, laute die Devise, um möglichst schnell an die gewünschten Informationen zu kommen. Dabei steht nur eines schon zu Beginn des Gespräches fest: der Schluss. Mit "Hilfe kommt" verabschiedet sich das Personal in der Leitstelle. "Das ist kurz und prägnant und bleibt dem besorgten Anrufer im Gedächtnis." Bei großen Tragödien biete man aber auch Hilfestellung, bis die Einsatzkräfte am Unfallort eintreffen. "Wir lassen niemanden alleine, wenn Bedarf signalisiert wird." Damit die Wartezeit möglichst kurz ist, greift in der Leitstelle eine Vielzahl von technischen Hilfsmitteln. "Wir sind mit der Verkehrsleitzentrale vernetzt und über Staus ständig informiert. Binnen Sekunden schlägt der PC unseren Disponenten vor, von welchem Standort und über welche Route ein Unfallort angefahren wird." Dabei werden auch große Veranstaltungen wie das Volksfest berücksichtigt.

Sobald die Feuerwehr ausrücken muss, wird es für die Mitarbeiter der Leitstelle besonders komplex: "Bei jedem Einsatz gilt es abzuwägen, ob die Rettungskräfte Spezialfahrzeuge benötigen. Könnten Gefahrenstoffe wie Chemikalien im Spiel sein? Wird die Wasserrettung benötigt?" Die meisten solcher Recherchen laufen übers Internet. Sollten die Rechner der ILS abstürzen, hängen aber weder die Anrufer noch die Rettungskräfte in der Luft. Regelmäßig werde der Notbetrieb trainiert. "Dieses Szenario ist jedoch unwahrscheinlich, unser System mehrfach redundant. Im Ernstfall greifen zuerst Batterien und dann ein Diesel-Aggregat."

Rund 130 000 Einsätze koordinieren die Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle Stuttgart in der Mercedesstraße pro Jahr. Alle Disponenten sind mindestens ausgebildete Rettungssanitäter. Fotos: Sebastian Steegmüller

In diesem roten Würfel werden die Einsätze der Feuerwehr und des Rettungsdienstes koordiniert.

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Erstellt:
11. Februar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Februar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2013, 12:00 Uhr

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