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Landgericht: 46-Jähriger muss nach Brandstiftung in psychiatrischer Klinik bleiben

Täter rief selbst die Feuerwehr

Das Landgericht verurteilte gestern einen 46-Jährigen zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe wegen schwerer Brandstiftung. Der Mann hatte im Februar in einem Mehrfamilienhaus in der Weststadt ein Feuer gelegt.

22.07.2009
  • DOROTHEE HERMANN

<strong>Tübingen.</strong> Der 46-Jährige leidet an einer schweren Persönlichkeitsstörung und ist deshalb vermindert schuldfähig. Am 12. Februar legte er in einem Tübinger Mehrfamilienhaus ein Feuer. Er rief selbst die Feuerwehr, bevor er einen Kleiderhaufen in seinem Zimmer ansteckte, den er mit Brennspiritus übergossen hatte. Den Brandbeschleuniger hatte der Angeklagte schon Wochen zuvor besorgt. Das Zimmer brannte vollständig aus. Das Feuer griff aber nicht auf das Gebäude über. Es entstand ein Sachschaden von rund 20 000 Euro.

Seit der Tat ist der Mann in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Das Gericht ordnete an, dass er dort vorerst bleiben muss. Denn: Der Angeklagte könne in einer von ihm als ausweglos empfundenen Situation erneut andere oder sich selbst in Gefahr bringen, sagte der Vorsitzende Richter. In einer Therapie solle er lernen, anstelle seiner „passiven Erwartungshaltung“ wieder eigene Lebensperspektiven zu entwickeln.

Das Gericht bestätigte die Strafforderung der Staatsanwaltschaft. Diese sah in der Brandstiftung des chronisch psychisch kranken und depressiven Angeklagten einen Appell, „ihn aus dieser Wohnung herauszuholen, ihn anders zu betreuen“, so die Staatsanwältin. Angesichts der genauen Vorplanungen handle es sich allerdings nicht um einen minderschweren Fall.

„Die Tat war ein echter Hilferuf“, sagte auch die Verteidigerin. Sie forderte eine einjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung für den nicht vorbestraften Mann. „Er hat alles getan, um den Schaden zu begrenzen.“

Den 46-Jährigen quälten seit etwa zwei Jahren extreme Ängste. Trotz seiner Ausbildungen als Automechaniker und als Arbeitserzieher hatte er zuletzt nur zwei schlecht bezahlte Jobs in sozialen Einrichtungen. Seit Mai 2008 war er arbeitsunfähig. Er wusste nicht mehr, wovon er leben sollte und „wollte sein Leben irgendwie erneuern“, sagte der Angeklagte. Das Feuer sei ein Symbol dafür gewesen. Seit eineinhalb Jahren war er in psychiatrischer Behandlung, teilweise stationär, zeitweise in der Tagesklinik. In der psychiatrischen Klinik fühle er sich derzeit „wieder in einer Warteschleife“.

Seine schwere Persönlichkeitsstörung beeinträchtige die berufliche Leistungsfähigkeit des Angeklagten wie sein Vermögen, sein Leben zu ordnen, sagte der psychiatrische Gutachter. Der Mann habe sein bisheriges Leben im Feuer vernichten wollen. Zugleich habe er Vorkehrungen getroffen, um ein Ausbreiten des Feuers zu verhindern. „Wenn er entlassen wird, steht er mit noch weniger da als vorher“: ohne Bleibe, ohne Einkommen, ohne soziale Kontakte.

Info

Vorsitzender Richter: Ralf Peters; Beisitzer: Jürgen Walker; Schöffen: Matthias Göbel und Rudi-Jakob Hurlebaus. Staatsanwältin: Andrea Keller. Verteidigerin: Marie-Louise Dumoulin. Gutachter: Dr. Heiner Missenhardt.

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22.07.2009, 12:00 Uhr
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