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Syrische Gotteskrieger geben sich im Kampf um Aleppo moderaten Anstrich
Syrische Rebellen besichtigen die Überreste eines abgeschossenen Hubschraubers. Foto: afp
Elitetruppe der Rebellen

Syrische Gotteskrieger geben sich im Kampf um Aleppo moderaten Anstrich

Neuer Name und der Bruch mit dem afghanischen Gotteskriegern: Al-Nusra, Elitetruppe der syrischen Aufständischen, geben sich gemäßigter.

03.08.2016
  • MARTIN GEHLEN

Aleppo. Sie kämpfen derzeit an vorderster Front, um den eingekesselten Osten Aleppos wieder aus dem Griff der Assad-Armee zu befreien. Seit dem Wochenende liefern sich die Dschihadisten von Jabhat al-Nusra Seite an Seite mit Rebellen von Ahrar al-Sham und der Freien Syrischen Armee am südlichen Stadtrand die schwersten Gefechte seit Jahren mit den Belagerern des Regimes. Die Al-Nusra-Einheiten, die sich bisher zu Al-Kaida zählten, gelten als die Elitetruppen der Aufständischen. Ende Juli jedoch sagten sie sich offiziell von ihrem obersten Befehlshaber Ayman al-Zawahiri in Afghanistan los und benannten sich um in Jabhat Fateh al-Sham. Mit diesem symbolischen Schachzug wollen die syrischen Gotteskrieger mehr moderate Rebellen anlocken und sich selbst besser aus der Schusslinie der russischen und amerikanischen Kampfjets bringen. Denn wie der „Islamische Staat“ ist auch Jabhat al-Nusra von dem im Februar international vereinbarten Waffenstillstandsabkommen ausgeschlossen. Und so verhandeln Moskau und Washington derzeit darüber, ihre Luftangriffe auf beide Terrororganisationen zu intensivieren und künftig von Amman aus zu koordinieren.

Die Umetikettierung jedoch ist vor allem taktischer Natur, zumal Al-Nusra-Chef Abu Muhammad al-Jolani damit keinerlei ideologische Konzessionen verband. Seine auf 7000 bis 8000 Mann geschätzten Kämpfer sind ultrakonservative und harte Islamisten, die in Kampfkraft und Fanatismus ihren Dschihad-Rivalen vom „Islamischen Staat“ wenig nachstehen. Sie verstehen sich als Mitglieder der globalen Salafisten-Bewegung. Die Zahl der Ausländer bei Al-Nusra jedoch ist deutlich geringer als beim IS-Terrorkonkurrenten. Mehr als 70 Prozent sind Syrer, die Organisation gibt sich bewusst den Anstrich einer nationalen Rebellenbewegung.

Ihr Kommandeur Abu Muhammad al-Jolani, der an der Spitze eines zwölfköpfigen Führungsrates steht, wuchs in Damaskus auf. Der Vater arbeitete in der saudischen Ölindustrie, die Mutter als Lehrerin. Radikalisiert wurde der 35-Jährige 2003 durch die US-Invasion im Irak, dort als Mitglied von Al-Kaida im Irak verhaftet und nach Syrien ausgeliefert. Von 2005 an war er im berüchtigten Sednaya-Gefängnis nahe Damaskus eingesperrt. Nach dem Arabischen Frühling kam er mit hunderten anderer Dschihadisten durch eine Amnestie frei, mit der das Regime die Kämpfe zwischen moderaten und radikalen Rebellen anheizen wollte. 2012 gründete al-Jolani die Al-Nusra-Front, 2013 kam es zum Bruch mit dem „Islamischen Staat“.

Wie der IS wollen auch die Al-Nusra-Dschihadisten ein Islamisches Emirat im Post-Assad-Syrien errichten – allerdings als Fernziel. Vor Ort propagieren sie ihre Scharia-Pläne dosiert. Anfangs hielten die Kommandeure sogar ihre Bindung zu Al-Kaida unter der Decke. Nach dem Bruch mit dem Bin-Laden-Terrornetz will Al-Nusra jetzt noch enger mit Bewaffneten international akzeptierter Gruppen kooperieren. „Wir hoffen, ein gemeinsames Kommando gründen zu können, welches die Massen der Menschen in Syrien vereint, ihr Land befreit und ihrem Glauben den Sieg schenkt“, deklamierte Al-Jolani in seinem kurzen Trennungsvideo. Ihre stärkste Präsenz hat Al-Nusra in der nordwestlichen Provinz Idlib sowie im Süden der Provinz Aleppo. Im Gegensatz zum „Islamischen Staat“ gehen ihre Dschihadisten viele örtliche Bündnisse ein und werden wegen ihrer Disziplin und Kampfkraft von moderateren Rebellenbrigaden als Verbündete sehr geschätzt.

Die Finanzierung von Al-Nusra ist undurchsichtig. Anders als beim IS hängen die Extremisten primär von äußeren Geldgebern ab, weil sie in ihren Gebieten kaum Steuern oder Wegezölle erheben. Seit vielen Jahren existieren lukrative Verbindungen zum türkischen Geheimdienst, aber auch zu privaten Spendern in Golfstaaten wie Kuwait und Katar. Eine weitere Einkommensquelle sind Entführungen. In der Regel zahlt Katar die millionenschweren Lösegelder, eine Praxis, die westliche Ermittler als verdeckte Finanzhilfe für die Dschihadisten verdächtigen. Katar sei teilweise dafür verantwortlich, urteilte darum auch ein ungenannter nahöstlicher Diplomat im „Daily Telegraph“, „dass Jahbat al-Nusra Geld und Waffen hat sowie alles, was sie braucht“.

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03.08.2016, 06:00 Uhr
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