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Superbus gegen Verkehrskollaps
Fahrender Tunnel“ oder „Bus auf Stelzen“ wie auch immer das Gefährt genannt wird, es soll dem Stauproblem in China entgegenwirken. Foto: Imago
Chinesen schicken ein Riesengefährt auf Stelzen durch die Großstadt – Ob das Projekt realisiert wird, ist fraglich

Superbus gegen Verkehrskollaps

Ein kurioser Plan: Mit einem Großbus auf Stelzen wollen Ingenieure das Stauproblem und die Luftverschmutzung in chinesischen Großstädten angehen.

13.08.2016
  • FELIX LEE

Qinhuangdao. Mancher Autofahrer dürfte sich wohl erschrecken, wenn sich plötzlich über ihm der Himmel verdunkelt – und sein Gefährt und die benachbarten Autos von einem Riesenfahrzeug verschlungen werden. Sobald dieser fahrende Tunnel überholt hat, ist der Spuk zwar vorbei. Doch bis dahin könnte es bereits zu einem Auffahrunfall gekommen sein. Das hält Song Youzhou, dem Chefingenieur dieses Superbusses nicht davon ab, an der Entwicklung des Monstergefährts festzuhalten.

Transit Elevated Bus, kurz TEB, heißt das seltsame Gefährt. In einigen chinesischen Medien wird er als „fahrender Tunnel“ bezeichnet, in anderen als „Bus auf Stelzen“. Bei diesem Superbus handelt es sich um ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug, das mit seinen acht Metern Breite zwei Fahrbahnen überragt und von Autos unten durchfahren werden kann. Die Räder berühren auf speziell am Straßenrand verlegten Schienen den Boden.

Der Clou dahinter: Damit das Gefährt nicht wie andere Autos und Busse auf den in chinesischen Großstädten notorisch verstopften Straßen stecken bleibt, wird es nach oben verlagert und soll so über die Staus hinweggleiten. Mitte der Woche präsentierte Song in der nordostchinesischen Stadt Qinhuangdao den ersten Prototypen. Dieser fiel zwar deutlich kleiner aus als angekündigt; in Serie soll dieser Hightech-Bus über 1200 Fahrgäste transportieren können und etwa Tempo 65 erreichen.

Doch auch die „Miniatur-Ausgabe“, wie Song ihn bei der Präsentation selbst bezeichnete, kann sich sehen lassen. 22 Meter lang ist der Bus, bis zu 300 Menschen passen in den Passagierraum. Bis zu vier dieser hochschwebenden Superbusse können hintereinander gekoppelt werden. Die von der Firma veranschlagten Kosten pro Fahrzeug liegen bei etwa 30 Mio. Yuan, das entspricht 4 Mio. EUR . „Das System entlastet den Verkehr wie eine U-Bahn“, sagt Projektleiter Bai Zhiming, sei pro Streckenmeter aber sehr viel günstiger, weil es nicht unterirdisch verlegt werden müsse.

So verrückt dieser gleitende Monsterbus klingt – neue Ideen sind im Stau-geplagten China derzeit hoch angesagt. Das Verkehrsaufkommen in den meisten chinesischen Großstädten hat dramatische Ausmaße angenommen. Allein in der 20-Millionen-Hauptstadt Peking hat sich die Zahl der Autos in den vergangenen acht Jahren auf rund 6 Mio. Fahrzeugen mehr als verdreifacht. Chinas Führung hat angekündigt, das Chaos in den Großstädten in Griff bekommen zu wollen und will den Individualverkehr innerhalb der nächsten vier Jahre um 30 Prozent senken. Der elektrisch betriebene Superbus soll Teil der Strategie sein. TEB-Projektleiter Bai Zhiming zufolge könnte der Hightech-Bus 40 reguläre Busse ersetzen und den Schadstoffausstoß um rund 2500 Tonnen Kohlendioxid im Jahr reduzieren.

Die Idee eines solchen Gefährts ist keineswegs neu. Einen ähnlichen Entwurf hatten US-amerikanische Ingenieure bereits 1969 entwickelt. Sie wollten damals die Strecke zwischen Boston und Washington verbinden. Er wurde aber nie realisiert. Zu aufwendig, zu teuer und zu gefährlich für den Autoverkehr, hieß es. Die Befürchtung damals: Wenn ein Autofahrer unter einem Superbus reflexartig nach oben schaut und damit den Verkehr vorn nicht mehr im Blick hat, erhöhe das die Unfallgefahr. Zudem hätten nicht nur Tunnels, Brücken und Unterführungen umgebaut werden müssen, sondern auch die Straßen.

Diese Probleme scheinen die chinesischen Entwickler auch 48 Jahre später nicht gelöst zu haben. Die bei der Vorstellung des Prototypen angefertigte Teststrecke war nur rund 300 Meter lang. Vorgesehen war eine Teststrecke von mindestens einem Kilometer. „Die Idee ist zwar gut, aber die realen Probleme sind einfach zu groß“, urteilt Chen Xiaohong, Experte für Verkehrsentwicklung an der Shanghaier Tongji Universität.

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13.08.2016, 06:00 Uhr
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