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Oxfam-Skandal

Sumpf aus Sex und Korruption

Die Hilfsorganisation kommt nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt wurde auch noch ihr Präsident in Guatemala verhaftet.

15.02.2018
  • André Bochow & Michael Gabel

Berlin. Für Oxfam kommt es in diesen Tagen knüppeldick. Nun wurde auch noch der Aufsichtsratsvorsitzende der Hilfsorganisation verhaftet. Allerdings hat sich Juan Alberto Fuentes Knight nicht wie andere Oxfam-Mitarbeiter sexueller Vergehen schuldig gemacht, sondern er wird verdächtigt, als Finanzminister Guatemalas korrupt gewesen zu sein. Als Aufsichtsratschef von Oxfam International trat er zurück.

Die Fälle von sexueller Ausbeutung durch Mitarbeiter in Haiti 2011 und im Tschad 2006 sind für das Ansehen der Hilfsorganisation aber noch verheerender. „In allen Ländern, in denen sich die Organisation betätigt, droht ein massiver Reputationsverlust“, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, Burkhard Wilke, der SÜDWEST PRESSE. Der Chef des Instituts, das das DZI-Spendensiegel vergibt, glaubt, dass sich Oxfam wohl erst in einigen Jahren vom Skandal erholen wird.

Oxfam räumt ein, dass sechs Mitarbeiter in Haiti Dienste von Prostituierten in Anspruch nahmen. Es seien aber keine Spenden dafür ausgegeben worden. Minderjährig sollen die Frauen auch nicht gewesen sein. Vier Mitarbeiter wurden gefeuert, zwei gingen von allein.

„Massives Fehlverhalten“

So gesehen ist das, was 2006 im Tschad geschah, schlimmer. „Oxfam-Mitarbeiter haben auch dort sexuelle Dienstleistungen von Einheimischen in Anspruch genommen“, teilt Oxfam. „In leitender Verantwortung war zu der Zeit jener Landesdirektor, der später wegen des massiven Fehlverhaltens von Oxfam-Mitarbeitern in Haiti Oxfam verlassen hat. Es gab 2006 interne Meldungen über diese Vorfälle, es ist jedoch nicht angemessen darauf reagiert worden.“ Die Ex-Mitarbeiterin Helen Evans sagt, dass sexuelle Handlungen als Gegenleistung für Notleidende erpresst worden seien.

Das DZI hält seine positive Auskunft von Oxfam Deutschland noch aufrecht. „Wir überprüfen das aber“, sagt Geschäftsführer Wilke. Die Spenderberater von Phineo hatten Oxfam ebenfalls ein gutes Zeugnis ausgestellt. Man überlegt, die Transparenzkriterien zu erweitern, sagte der Leiter der Phineo-Forschungsabteilung, Philipp Hoelscher, der SÜDWEST PRESSE.

Oxfam ist nicht die einzige gemeinnützige Organisation, die in die Negativschlagzeilen geriet. Vor zehn Jahren wurden bei Unicef Deutschland undurchsichtige Beraterverträge moniert. 2014 verzockte ein Greenpeace-Mitarbeiter mehr als drei Millionen Euro bei Termingeschäften. Gestern teilte auch die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ mit, im vergangenen Jahr habe es bei ihr 24 bestätigte Fälle sexueller Belästigung oder sexuellen Missbrauchs gegeben. Deshalb wurden 19 Mitarbeiter entlassen.

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15.02.2018, 06:00 Uhr
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