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Stuttgart

Südwesten entlässt in den Sommerferien am meisten Lehrer

Baden-Württemberg schickt im Vergleich der Bundesländer die meisten Lehrer während der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit.

09.07.2018

Von dpa/lsw

Die Tür zum Lehrerzimmer und ein Hinweis zur Mülltrennung mit Stopp-Schild. Foto: Jens Kalaene/Archiv dpa/lsw

Stuttgart. Im Sommer 2017 verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit rund 4900 Arbeitslosmeldungen von Lehrern. Davon entfielen 1680 auf Baden-Württemberg, 860 auf Bayern und 470 auf Niedersachsen. Die anderen Bundesländer liegen darunter. Das geht aus einem Bericht der Arbeitsagentur hervor. Nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Ländern sind vor allem Vertretungslehrer im Angestelltenverhältnis betroffen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte, diese Praxis zu beenden. Befristet beschäftigte Lehrer müssten über die Sommerferien bezahlt werden. «Das hatten in der Vergangenheit in den Wahlkämpfen Grüne, CDU, SPD und FDP versprochen, aber bisher nie eingelöst«, sagte die baden-württembergische GEW-Vorsitzende Doro Moritz. GEW-Bundeschefin Marlis Tepe sagte, die wirkliche Zahl der betroffenen Lehrer dürfte höher liegen als die Statistik. Nicht alle meldeten sich arbeitslos. Auch die «Bild»-Zeitung, die «Heilbronner Stimme» und der «Mannheimer Morgen» berichteten am Montag über das Thema.

Ein Sprecher des Kultusministeriums entgegnete, es handele sich um Vertretungslehrer, die bei längeren Krankheiten oder Ausfällen durch Mutterschutz und Elternzeit einsprängen. «Befristete Verträge können nur bis zum Ende des jeweils laufenden Schuljahres geschlossen werden, da sie an den konkreten Vertretungsbedarf geknüpft sind.» Eine Durchbezahlung der Vertretungslehrer über die Sommerferien würde Baden-Württemberg nach seinen Worten 12,5 Millionen Euro kosten.

Derzeit hätten rund 3300 Lehrer im Südwesten einen befristeten Arbeitsvertrag, der spätestens mit dem Beginn der Sommerferien ende. «Darunter sind auch rund 700 pensionierte Lehrkräfte, die an den Schulen noch aushelfen und eine Pension beziehen.» Von den 3300 befristet beschäftigten Lehrern könne rund 2000 keine unbefristete Anstellung angeboten werden, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllten. «Sie haben keine grundständige Lehramtsausbildung absolviert oder die Ausbildung noch nicht abgeschlossen.»

Unter den übrigen befristet beschäftigten Lehrern seien auch solche, die sich bewusst für diese Situation entschieden hätten. «Das heißt, sie haben sich auf besetzbare, unbefristete Stellen bewusst nicht beworben oder ein solches Angebot ausgeschlagen, weil diese ihrem Ortswunsch nicht entsprachen.» Stattdessen hätten sie lieber eine befristete Vertretungsstelle an ihrem Wunschort angetreten.

Der Sprecher betonte, dass die befristete Beschäftigung im Südwesten die große Ausnahme sei. In dem Bundesland gebe es mehr als 110 000 Lehrer an den öffentlichen Schulen. 90 Prozent seien verbeamtet. Sieben Prozent hätten unbefristete Verträge als Angestellte. Drei Prozent aller Lehrer im Südwesten würden befristet beschäftigt.

Nach GEW-Angaben werden auch noch die 5000 bis 6000 Referendare am ersten Sommerferientag entlassen. «Insgesamt kommt so eine Größenordnung von 9000 Lehrkräften in Baden-Württemberg, die mit Beginn der Sommerferien arbeitslos werden, zusammen», sagte ein Sprecher. Die meisten befristeten und dann entlassenen Lehrer erhielten zum neuen Schuljahr wieder ein Einstellungsangebot.

Der SPD-Bildungsexperte im Landtag, Stefan Fulst-Blei, meinte, im Gegensatz zur grün-roten Regierungszeit seien die Landeskassen nun prall gefüllt, so dass die schlechte Tradition der Entlassung über die Sommerferien jetzt beendet werden könne. Derselben Meinung ist SPD-Generalsekretärin Luisa Boos: «Unsere Lehrkräfte verdienen nicht nur Planungs-, sondern auch finanzielle Sicherheit - auch über die Sommerferien.» Die SPD hatte von 2011 bis 2016 das Kultusressort inne. FDP-Bildungsexperte Timm Kern sagte, die möglicherweise drohende Saison-Arbeitslosigkeit von Lehrern und Kettenverträge seien alles andere als gute Werbemittel für den Lehrerberuf.

Die Tür zum Lehrerzimmer und ein Hinweis zur Mülltrennung mit Stopp-Schild. Foto: Jens Kalaene/Archiv dpa/lsw

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Erstellt:
9. Juli 2018, 10:28 Uhr
Aktualisiert:
9. Juli 2018, 14:40 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2018, 14:40 Uhr

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