Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Natürlich statt rein

Südwest-Brauer diskutieren darüber, wie Bier künftig gebraut werden soll

Reichen vier Zutaten für ein gutes Bier aus? Brauer aus dem Land diskutieren über die Zukunft des Reinheitsgebots. Einig sind sie darüber, was sie nicht wollen: Bier aus dem Chemiebaukasten.

09.10.2015
  • MIRIAM KAMMERER

Stuttgart Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus - so verhält es sich auch in diesem Fall. Nächstes Jahr steht ein Jubiläum an: 500. Jahre Reinheitsgebot. Weil ein Gebot sich naturgemäß nicht selber feiern kann, wird es gefeiert: und zwar unter anderem vom Deutschen Brauerbund und seinen Ablegern in den Ländern.

Der Baden-Württembergische Brauerbund belässt es im 499. Jahr des Reinheitsgebots aber nicht beim Feiern. Auf dem Brauertag steht das Gebot zur Debatte. Die Fragen: Braucht es eine Erneuerung? Kaufen Ausländer deutsches Bier wegen seiner Reinheit? Spielt das Gebot für den deutschen Biertrinker eine Rolle?

Diese Fragen bewegen die Brauer im Land. 82 Anmeldungen hat Axel Grehl, verantwortlich für die Pressearbeit beim Baden-Württembergischen Brauerbund, registriert. Ein Drittel der Brauereien im Land ist somit vertreten, so viele wie noch nie in der jungen Geschichte des Brauertags.

Auf dem Podium diskutieren zwei Nordlichter über Sinn und Unsinn des Reinheitsgebots. Hans Georg Eils, Präsident des Deutschen Brauerbunds und Geschäftsführer Technik und Logistik bei Karlsberg verteidigt das Reinheitsgebot. Es sei klar, und einfach zu verstehen. Hopfen, Malz, Wasser und Hefe sind die Bestandteile des Bieres und so soll es bleiben. Oliver Wesseloh, Weltmeister der Biersommeliere und Inhaber der Kehrwieder Kreativbrauerei in Hamburg hält dagegen: "Es schafft weder Transparenz noch Klarheit." Damit meint der studierte Brauer, dass neben Hopfen auch Hopfenextrakt verwendet werden darf. Dass trotz Gebots dem Bier Farbe beigemischt werden dürfe. Das Reinheitsgebot als solches gebe es nicht, sagt Wesseloh. Wenn man es wirklich streng nimmt, dürfte es noch nicht einmal Weizenbier geben.

Wesseloh fordert anstelle des Reinheitsgebots ein Natürlichkeitsgebot. Der Begriff ist für ihn ein Arbeitstitel. Wie er diesen Begriff mit Leben beziehungsweise Hopfensaft füllen will, davon hat er schon konkrete Vorstellungen: "Wir müssen zum reinen Produkt zurück." Kräuter und Früchte wie Himbeeren oder Kirschen sollen erlaubt werden. Alles natürlich, keine Extrakte. Vor allem die jüngeren Brauer im Publikum klatschen immer wieder. Schließlich gibt es auch im Land viele Brauereien, die mit dem Traditionsgetränk experimentieren. Auch heute schon gibt es Biere mit Kräutern oder Früchten, auf denen klebt aber das Etikett: besondere Biere. Brauereien müssen die Erlaubnis zu solchen Bieren im jeweiligen Bundesland beantragen.

Eils findet genau diese Sonderregelung gut und ausreichend. Trotz aller Differenzen: Einig sind sich beide darüber, dass keine Chemie ins Brauwesen Einzug halten soll.

Als Verkaufsschlager taugt das Reinheitsgebot nicht, sagt Rodger Wegner, Geschäftsführer des Verbands der Ausfuhrbrauereien. Dafür werde es zu wenig beworben. Marktforscher Uwe Lebok sagt und verweist auf eine Studie. Danach ist jüngeren Biertrinker das Reinheitsgebot egal. Er schlägt vor, weg von der Geschmacksgleichheit hin zu einer Reinheit in der Herstellung zu gehen. Damit liegt er voll auf Wesselohs Linie. Herkunft und gute Herstellung seien der jungen Generation nämlich schon wichtig. Ein Reinheitsgebot 2.0 könnte in seinen Augen ohne künstliche Zusätze, ohne Verschmutzungen und mit ausschließlich natürlichen Zutaten daher kommen.

Obwohl viele Brauer Wesselohs Ideen durchaus folgen, ist nicht zu erwarten, dass Brauer aus dem Land das Reinheitsgebot kippen wollen. Viele können mit der aktuellen Situation gut leben und so steht erst mal fest: Bier bleibt Bier.

Südwest-Brauer diskutieren darüber, wie Bier künftig gebraut werden soll
Pils ist das Lieblingsbier der Deutschen. Foto: dpa

Südwest-Brauer diskutieren darüber, wie Bier künftig gebraut werden soll

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

09.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular