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Suche nach geeignetem Standort für Atommüll auch in Baden-Württemberg
Der Salzstock Gorleben ist seit Jahrzehnten als mögliches Atommüll-Endlager in der Diskussion. Doch die Suche beginnt neu, auch in Baden-Württemberg. Foto: Foto. dpa
Endlager: Alles wird geprüft

Suche nach geeignetem Standort für Atommüll auch in Baden-Württemberg

Der Fahrplan für ein Atommüll-Endlager steht. Der passende Standort ist noch lange nicht gefunden. Der Widerstand dürfte überall riesig sein.

06.08.2016
  • SUSANNE KUPKE, DPA

Karlsruhe. Salz, Ton oder Granit – in welchen Gesteinsschichten bleibt hochradioaktiver Atommüll eine Million Jahre am sichersten verschlossen? Die Endlager-Kommission hat sich bewusst nicht festgelegt. Geprüft wird überall. Auch in Baden-Württemberg gibt es Gegenden mit dem gefragten Untergrund: Granit im Schwarzwald und Odenwald, Salzvorkommen bei Heilbronn sowie Ton auf der Schwäbischen Alb um Ulm und in Oberschwaben. Macht das den Südwesten schon Endlager-tauglich?

Nach dem Jahrzehnte währenden Kampf um das ursprünglich von der Atomindustrie geplante Endlager im Salzstock Gorleben sind alle Seiten vorsichtig geworden. „Das Ergebnis ist offen“, betont der Endlager-Experte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Armin Grunwald. Der Physiker war Mitglied der 33-köpfigen Endlager-Kommission, die die Weichen für die Lösung des Konflikts stellen sollte. Für Baden-Württemberg hatten Geologen in der Vergangenheit vor allem Tongesteine im Blick. Voraussetzung für den neuen Anlauf der nationalen Endlager-Suche war aber die „weiße Landkarte“, heißt es im Umweltministerium in Stuttgart. Bei Fragen nach möglichen Standorten im Südwesten hält man sich deshalb bedeckt. Doch ganz so „weiß“ ist die Landkarte für die Suche nicht. Es gibt Ausschlusskriterien.

Dazu zählt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover erdbebengefährdete Gebiete wie den Oberrheingraben, die Schwäbische Alb oder die Niederrheinische Bucht. Zudem scheiden Regionen mit starken vertikalen Erdhebungen aus, wie sie in den Alpen vorkommen. Ein „K.-o.-Kriterium“ ist auch Vulkanismus, wie er in der Eifel vor mehreren zehntausend Jahren vorkam.

Ob Bohrloch oder Bergwerk – die strahlende Hinterlassenschaft des Atomzeitalters soll jedenfalls tief lagern. „Alles muss angeschaut werden“, sagt Volkmar Bräuer, Leiter der BGR-Abteilung Unterirdischer Speicher und Wirtschaftsraum. Dass sowohl Bayern als auch Sachsen gegen den fast 700-seitigen Bericht der Endlager-Kommission gleich Vorbehalte angemeldet haben, erbost das grün geführte Umweltministerium in Stuttgart und wundert Grunwald: „Die Endlagerung ist eine nationale Aufgabe.“

Im Herbst, schätzt Grunwald, werden der Bundestag – und später der Bundesrat – die Suchkriterien und das Verfahren gesetzlich festlegen. Dann sollen ganz schnell mögliche Standorte erkundet werden. Wo in der Vergangenheit intensiv nach Bodenschätzen gesucht wurde, ist der Untergrund relativ gut bekannt: in Ost- und Norddeutschland, dem Alpenvorland oder dem Oberrheingraben etwa. Anders ist es in Mittelgebirgsregionen. „Man weiß nicht überall, wie die Welt unter uns aussieht“, sagt Grunwald.

„Schwere Fehler“ wie bei der Erkundung des Salzstocks in Gorleben sollen sich nicht wiederholen: „Die Leute wurden nicht mitgenommen“, kritisiert Grunwald. Im neuen Verfahren sollen Regionalkonferenzen Mitspracherechte sichern. Anwohnern, Gemeinden und Umweltverbänden werden in verschiedenen Phasen der Standortauswahl Klagemöglichkeiten eingeräumt.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erwartet, dass das nationale Endlager 2050 in Betrieb genommen werden kann. „Das ist sehr optimistisch gedacht. Da darf nichts schiefgehen“, meint dagegen Grunwald in Hinblick auf mögliche Anwohnerklagen oder Erkundungen, die ins Leere laufen.

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06.08.2016, 04:22 Uhr
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