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Suche nach Normalität
Gestern war der siebte Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden. 350 Menschen gedachten der Opfer, darunter Angehörige der Getöteten. Foto: Hans Georg Frank
Gedenkfeier in Winnenden am Jahrestag des Amoklaufs

Suche nach Normalität

Winnenden gedachte am siebten Jahrestag des Amoklaufs nicht allein der 15 Opfer. Die Feier möchte der Oberbürgermeister auch als Mahnung verstanden wissen, wie zerbrechlich die Zivilisation sei.

12.03.2016
  • HANS GEORG FRANK

Winnenden. "Manche Wegstrecke zur Normalität ist noch immer nicht zu Ende", sagte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth (CDU) gestern am siebten Jahrestag des Amoklaufs in Winnenden. Das "verhängnisvolle Geschehen" habe nicht nur furchtbares Leid gebracht, das friedliche Zusammenleben sei "einfach weg" gewesen. "Angst und Entsetzen, Schock und Trauer blieben von diesem Tag", erinnerte der OB bei der Gedenkfeier am Mahnmal unweit des Tatorts.

Am 11. März 2009 hatte ein 17-Jähriger mit der Waffe seines Vaters in der früher auch von ihm besuchten Albertville-Realschule wahllos acht Mädchen, einen Buben und drei Lehrerinnen erschossen. Auf der Flucht tötete der Jugendliche drei Männer, die ihm zufällig in die Quere kamen, ehe er sich in Wendlingen (Kreis Esslingen) selber umbrachte.

Seither, so Holzwarth, müsse "von einem auf den anderen Moment mit tödlicher Gefahr durch einen anderen Menschen" gerechnet werden - "die so genannte Normalität war plötzlich zerstört". Beim Blick zurück werde deutlich, "wie zerbrechlich Zivilisation ist".

Die Kirchenglocken der Stadt im Rems-Murr-Kreis läuteten ab 9.33 Uhr für etwas mehr als fünf Minuten. So lange hatte der Amoklauf gedauert. Jana Heller und David Butsch vom Jugendgemeinderat verlasen die Namen der Opfer, an die auch weiße Rosen erinnern sollten. Der Täter wurde nicht erwähnt.

Rund 350 Personen waren zu der Feier gekommen. Dabei gedachten sie auch der Opfer von Kriegen und Terror wie in Syrien, "die, wenn sie können, nun als Flüchtlinge unterwegs sind", wie Holzwarth sagte. Der Oberbürgermeister sieht seine Stadt "nicht allein mit unserer Not", denn der 11. März sei auch der Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima. Holzwarth forderte die Zuhörer vor einem gemeinsamen Gebet auf, "Leid zu lindern und für eine bessere Zukunft einzutreten".

Winnenden sei nicht nur ein Synonym für den Anschlag, sondern zeige auch, wie man mit einem solchen Unglück fertig werde, erklärte Gisela Mayer vom Aktionsbündnis, das sich für Gewaltprävention einsetzt, in der Lokalzeitung. Mayer, Mutter einer erschossenen Lehrerin, lobte besonders, dass die Katastrophe von 2009 nicht verdrängt, sondern in die Geschichte der Stadt und ihrer Identität integriert werde.

In Winnenden herrsche Konsens über die organisierte Form der Erinnerung an den Amoklauf, sagte Hartmut Holzwarth der SÜDWEST PRESSE. Die Gedenkfeier sei keine Pflichtübung, sie werde auch dann abgehalten, "wenn nur noch zehn Leute kommen, weil dieses Angebot für sie wichtig ist".

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12.03.2016, 08:30 Uhr
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