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Stuttgarter Unternehmer für zukunftsweisende Technologien ausgezeichnet
Himmelsdrachen und Wolkenwürmer: Tao-Firmengründer Bernd Kröplin ist stolz auf seine Innovationen. Foto: Ferdinando Iannone
Drachen in der Stratosphäre

Stuttgarter Unternehmer für zukunftsweisende Technologien ausgezeichnet

Seit 2001 entwickelt und baut die Tao Group in Stuttgart Luft- und Raumfahrtkonstruktionen. Jetzt wurde sie für ihre Innovationen ausgezeichnet.

23.08.2016
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. Fliegende Sendemasten, die in die Stratosphäre aufsteigen und dort ihre Dienste verrichten, energiespeichernde Membrane, Zink-Luft-Batterien und aufblasbare Hallen – die Vielseitigkeit der Stuttgarter Trans Atmospheric Group (Tao) und ihre Innovationsfreudigkeit scheinen keine Grenzen zu kennen. 30 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Disziplinen und Nationen entwickeln Technologien von Übermorgen und haben mit ihren futuristischen Projekten häufig eine weltweite Alleinstellung. Das hat auch die „Gesellschaft Top 100“ erkannt, die den Tao-Chef und -Gründer Thomas Kröplin jüngst mit dem Innovationspreis 2016 auszeichnete. Unterstützt von dem renommierten Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar prämiert die Initiative Innovationsmanagement und -erfolg mittelständischer Unternehmen.

„Aufregende Sachen haben wir unendlich viele, die Ideen kommen einfach so vorbei. Oft sind wir damit unserer Zeit um mindestens zehn Jahre voraus“, sagt Bernd Kröplin stolz. Der schwäbische Daniel Düsentrieb stammt zwar ursprünglich aus Schleswig-Holstein, war aber lange Jahre Professor an der TU Stuttgart. „Wir entwickeln Dinge, die es noch nicht gegeben hat, vieles davon für die Stratosphäre, das einzige noch unentdeckte Land unserer Zeit“, erklärt er.

Die Stratosphäre ist die zweite Schicht der Erdatmosphäre. Diese Lufthülle, die die Erde in 15 bis 30 Kilometer Höhe umgibt, ist die Flugbahn für die fliegenden Tao-Höhenplattformen und deshalb so interessant, weil dort nahezu keine bis sehr niedrige Windgeschwindigkeiten herrschen. Zudem ist die Luftdichte gering, so dass wenig Antrieb gebraucht wird, dieser jedoch auch bei minus 60 Grad funktionieren muss. „Unsere Flugobjekte sind in Leichtbauweise hergestellt nach dem Prinzip eines sich durch den Wind schlängelnden chinesischen Drachens“, erklärt Kröplin. Vorläufer der Drachen ist Lotte, das erste solarangetriebene Luftschiff der Welt. Sie hat 1996 als erste das „Fliegen mit Licht“ geschafft und ist mittlerweile im Zeppelinmuseum in Friedrichshafen zu besichtigen.

Die hochfliegenden Himmelsdrachen, die am Firmensitz in Vaihingen entwickelt und in zwei großen Hallen gebaut werden, sind mehrgliedrige Flugkörper mit Helium- Füllung, die autonom fliegen, steuer- und lenkbar sind und wie ein fliegender Sendemast eingesetzt werden können. „Wenn beispielsweise Antennen und Masten in einem Gebiet nach einer Überschwemmung zerstört sind, kann der Skydragon die Infrastruktur für die Datenübertragung einer ganzen Stadt ersetzen. Auch Wetterbeobachtungen, Unwetterwarnungen oder die Messung von Giftstoffen sind denkbare Einsätze. Und der Drache ist einfach zu verpacken und in zwei bis drei Stunden startklar“, erläutert Kröplin die Vorzüge seiner Entwicklung.

Weitere Vorteile der hochfliegenden Technik sind eine hohe Sendeeffizienz mit weniger elektromagnetischer Strahlung als bei den heutigen terrestrischen Übertragungen. Obendrein entsteht kein Weltraumschrott, da die Flugobjekte nach erfüllter Mission wieder zurückgeholt werden.

100 Meter lang und elf Meter dick ist der Monsterwurm, der gerade gebaut wurde. Er befindet sich in der Lufterprobung, die aus Geheimhaltungsgründen nicht am Firmenstandort Stuttgart stattfindet, sondern „irgendwo in Spanien“. Kleinere Flugdrachen sind bereits im Einsatz, weiteres Interesse aus der Industrie ist vorhanden. Die Anfragen beziehen sich bislang allerdings auf Projekte in vier- bis siebentausend Metern Höhe. Bis in die Stratosphäre will noch keines dieser Unternehmen.

Dass sich jetzt auch die Firma Google in ihrem sogenannten Loon-Projekt mit dem Thema Daten aus der Stratosphäre beschäftigt und dieses dadurch an Popularität gewinnt, ist für die Aktivitäten von Tao dienlich. Die Konkurrenz fürchtet man nicht. Die Taonauten, wie sie sich selbst nennen, haben ihre ersten Flugobjekte schon vor über 20 Jahren entworfen und seitdem in über 100 Plattformen weiterentwickelt. Man habe immer noch „einen technischen Vorsprung von mindestens vier Jahren“, ist sich Kröplin sicher. Finanziert werden die Arbeiten des Unternehmens durch Förderanträge des Bundes, private Kapitalgeber sowie Industriepartner und -kunden. Mit mehr Mitteln könnte Tao noch mehr Projekte starten. „Was wir uns wünschen, sind begeisterte Investoren, die unsere Ideen mittragen“, sagt deshalb Kröplin.

„Technik ist da, um dem Menschen zu nutzen“, ist sein Credo. Militärische Nutzungen schließt er damit aus. Gerade wird an einem Projekt für Kolumbien gearbeitet. Damit sollen Unterrichtsstunden und Fernsehsendungen für Kinder in weit abgelegenen Urwaldgebieten ermöglicht werden. „Das sind Projekte, die uns das Herz wärmen“, begeistert sich Kröplin.

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23.08.2016, 06:00 Uhr
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