Grünen-Studie

Stuttgarter Tunnelbahnhof besteht den Stresstest nicht

"Stuttgart 21 wird beim Stresstest durchfallen." Das sagt ein Vorab-Test der Grünen für den umstrittenen Stuttgarter Tunnelbahnhof. Das Resultat: Der neue Bahnhof ist nicht so leistungsfähig wie versprochen.

21.03.2011

Von ALFRED WIEDEMANN

Stuttgart Mit dem Stresstest steht und fällt das Milliardenvorhaben Bahnhofsneubau Stuttgart 21: Im November 2010 verpflichtete sich die Bahn im Schlichtungsverfahren mit Heiner Geißler, dass sie den Nachweis für einen leistungsfähigen Tiefbahnhof liefern kann. Sie soll nachweisen muss, dass der Tiefbahnhof in Spitzenzeiten 30 Prozent mehr Betrieb erlaubt als der bestehende Kopfbahnhof - bei guter Betriebsqualität, also mit genug Zeit zum Umsteigen.

Gegner des Projekts hatten die von der Bahn vorgelegten Fahrpläne immer wieder angezweifelt. Tausende demonstrierten am Samstag in der Landeshauptstadt wieder gegen Stuttgart 21. Ein von den Grünen in Auftrag gegebener Vorab-Stresstest liefert den Kritikern jetzt neues Futter - eine Woche vor der Landtagswahl: Der achtgleisige Hauptbahnhof unter der Erde schafft höchstens 40 Züge in der Stunde, so die Fahrplanberechnungen des Tübinger Nahverkehrsberaters Martin Hilger. Das ist weit entfernt von der verlangten Kapazität von 49 Zügen, mit denen die 30 Prozent Plus im Vergleich zu heute 38 Zügen in der Spitze erreicht wären.

Weitere Ergebnisse der Studie, die der SÜDWEST PRESSE vorliegt: Nur wenn die Zulaufstrecken für zusätzliche Millionen Euro ausgebaut werden, könnte die Leistungsfähigkeit des neuen Tunnelbahnhofs auf 42 Züge verbessert werden. Und nur wenn das Konzept "Stuttgart 21 plus" verwirklicht wird, wie in der Schlichtung bereits diskutiert, seien 49 Züge maximal möglich. Dazu müsste aber der neue Bahnhof im Untergrund von acht auf zehn Gleise erweitert werden. Das wäre nicht nur teuer, dafür müsste auch neu geplant werden - mit erneuten Verzögerungen.

Höchstens 49 Züge in der Spitzenstunde von 7 bis 8 Uhr morgens - diese Zahl wurde im Stuttgarter Hauptbahnhof früher einmal schon erreicht, ganz ohne milliardenteure Investitionen. Der umstrittene Neubau könne nicht einmal mit dem bestehenden Kopfbahnhof konkurrieren, koste aber Milliarden, kritisieren die Grünen. "Das ist das absolute Totschlagsargument für den geplanten Tunnelbahnhof", sagt Winfried Hermann, Grünen-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Die Eindeutigkeit der Resultate hätten ihn selber überrascht. Die Konsequenz könne jetzt nur sein, "das Projekt endlich aufzugeben", sagt Hermann.

Die Deutsche Bahn hält die Zahlen dagegen für nicht nachvollziehbar. Das Unternehmen sei weder in die Studie einbezogen noch über sie informiert worden, sagte Bahnvorstand Volker Kefer der Nachrichtenagentur dpa. Das Stuttgarter Verkehrsministerium wies den "durchschaubaren Versuch" zurück, die Menschen kurz vor der Landtagswahl zu verunsichern.

Die Bahn werde den Vorab-Stresstest am Mittwoch erhalten, sagte Hermann. An den Ergebnissen werde sie nicht rütteln können. "Wir haben die Fahrpläne nach Bahnstandards durchrechnen lassen", nur durch Tricksereien könnte der bahneigene Stesstest noch zu besseren Ergebnissen kommen.

Die heftig umstrittene Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde mit den neuen Tunnelstrecken soll insgesamt 4,1 Milliarden Euro kosten, zum Projekt Stuttgart 21 gehört auch die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm. Die soll rund 2,9 Milliarden Euro kosten

Protestzug gegen den Tunnelbahnhof: Am Samstag gingen in Stuttgart wieder tausende Gegner von Stuttgart 21 auf die Straße. Eine Woche vor der Landtagswahl legten die Grünen außerdem eine Studie vor, nach der das Bahnhofsprojekt beim Stresstest durchfallen wird, der bei der Schlichtung vereinbart wurde. Foto: dapd

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Erstellt:
21. März 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. März 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. März 2011, 12:00 Uhr

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