Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Stuttgart

Stuttgarter Richter arbeiten Windreich-Insolvenz auf

Hohe Schulden trieben Windreich 2013 in die Insolvenz, sechs Jahre später wird der Fall nun vor Gericht noch einmal in allen Details aufgearbeitet. Firmengründer Balz sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

18.08.2019

Von dpa/lsw

Der damalige Vorstandsvorsitzende der Windreich AG, Willi Balz, spricht auf einer Pressekonferenz in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte

Stuttgart. Fast sechs Jahre nach der Insolvenz des Windpark-Projektentwicklers Windreich kommt der Fall nun in Stuttgart vor Gericht. Im Mittelpunkt des Verfahrens, das am Mittwoch vor dem Landgericht beginnt und bis weit ins kommende Jahr dauern wird, steht Firmengründer Willi Balz als Hauptangeklagter. Dem 59-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft in ihrer mehr als 500 Seiten dicken Anklageschrift neben Insolvenzverschleppung auch Betrug, unrichtige Darstellung, Gläubigerbegünstigung, Insiderhandel, Unterschlagung, vorsätzlichen Bankrott und Untreue vor.

Mit Balz sitzen sieben weitere frühere Windreich-Verantwortliche auf der Anklagebank, darunter der einstige baden-württembergische FDP-Wirtschaftsminister Walter Döring, dem Insolvenzdelikte vorgeworfen werden. Balz und Döring weisen die Anschuldigungen zurück, Balz sieht sich als Opfer einer Kampagne von Gegnern der Energiewende.

Windreich plante und entwickelte Windparks, beschaffte Genehmigungen und organisierte den Bau, um die Projekte dann an Investoren zu verkaufen. Für die Risiken standen Balz und sein Unternehmen aus dem schwäbischen Dorf Wolfschlugen ein - mit Hunderten Millionen Euro von Geldgebern und knapp 200 Millionen aus dem eigenen Vermögen. Über Jahre häufte Windreich mehr und mehr Schulden an. Schließlich klopfte 2013 erst die Staatsanwaltschaft an, dann kam die Insolvenz.

Balz sieht im Niedergang seiner Firma eine Verschwörung von Gegnern der Energiewende. „Die Durchsuchung der Staatsanwaltschaft am 5. März 2013 war die Insolvenzursache. Davor war Windreich nicht insolvent“, sagte er im Vorfeld des Prozesses. Als Beweis führt er an, dass er zwei Tage zuvor noch die Zinsen für die Windreich-Anleihen in Höhe von fünf Millionen Euro bezahlt habe. Seine Firma habe damals kurz vor dem Abschluss eines großen Geschäfts gestanden, das dadurch vereitelt worden sei. „Hätte man uns im März nicht durchsucht, hätten wir im April 200 Millionen Euro eingenommen“, sagte er. „Ich kann da nicht an Zufall glauben.“

Anfang 2017 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Das Landgericht Stuttgart hat zunächst 48 Verhandlungstage bis Ende April 2020 festgelegt. Die Zeit werden die Richter der 16. Großen Wirtschaftsstrafkammer, die Staatsanwälte, die acht Angeklagten und ihre insgesamt 19 Verteidiger wohl brauchen. Das Verfahren füllt schon jetzt 234 Aktenordner.

Zum Artikel

Erstellt:
18. August 2019, 10:36 Uhr
Aktualisiert:
18. August 2019, 09:40 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. August 2019, 09:40 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+