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Paketbote kommt mit dem E-Bike

Stuttgarter Grüne machen sich für Modellprojekt stark

Künftig sollen Lieferdienste ihre Waren per E-Bike in der Stuttgarter City verteilen. Die Fraktion der Grünen macht sich für ein Modellprojekt mit Lastenrädern in der Landeshauptstadt stark.

07.02.2014

Von ELKE HAUPTMANN

Stuttgart Die Belieferung einer wachsenden Zahl an Ladengeschäften in der Innenstadt und zunehmender Versandhandel führt nach Einschätzung der Grünen dazu, dass immer mehr Kleintransporter die Straßen verstopfen. Dabei ließen sich Staus, Lärm- und Schadstoffemissionen verringern, wenn man auf das Arbeitspferd des 21. Jahrhunderts setzen würde: das Lastenrad.

Dank des Elektroantriebs gibt es selbst in Stuttgart mit seiner schwierigen Topografie dafür großes Potenzial: Das Fahrrad ist flexibler als alle anderen Verkehrsmittel und für Lasten von 80 bis 250 Kilogramm das ideale Transportmittel, heißt es in der vor einem Jahr vorgelegten Studie "Innenstadtlogistik mit Zukunft" der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Demnach sind 25 Prozent der Sendungen geeignet für den Fahrradtransport auf relativ kurzer Strecke. Oft ist es kleinteilige Ware, die zu den vielen Internet-Bestellungen von Privatkunden dazukommt: eilige Dokumente, Arzneimittel, Ersatzteile. Hinzu kommt, dass Boutiquen, Schuhgeschäfte und andere Einzelhändler praktisch keine Lagerflächen mehr haben und deshalb beinahe täglich zur Ergänzung des Sortiments von Lieferanten angefahren werden.

Es verwundert die Grünen daher nicht, dass bereits zwei große Kurier-Express-Paket-Dienstleister Interesse am Einsatz von Lastenrädern signalisiert haben. Die Crux: Es fehlt die zugehörige Infrastruktur - Zwischenlager an zentralen Stellen in der Innenstadt zum Beispiel aber auch Ladestationen. Zum anderen müsste die Verwaltung die Rahmenbedingungen schaffen: Fahrradfahren ist in Fußgängerzonen wie der Königstraße nicht erlaubt, auch das Abstellen von Fahrzeugen, die als mobile Verteilerstationen dienen, ist untersagt.

Einsätze in Großstädten wie Paris. London und Kopenhagen zeigen, dass Transporträder mit Elektromotor das Zeug dazu haben, zu einem der großen Trends der nächsten Jahre zu werden. Auch in Deutschland rollen seit fast zwei Jahren 40 Elektro-Lastenräder durch acht Städte. "Ich ersetze ein Auto" heißt das Pilotprojekt des Instituts für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Untersucht wird dabei, wie sich Elektro-Lastenräder in den städtischen Kurierdienstalltag integrieren lassen. "Wir gehen davon aus, dass in urbanen Teilräumen bis zu 85 Prozent der Autokurierfahrten ersetzt werden könnten", schätzt Projektleiter Johannes Gruber. Er stellt ein wachsendes Interesse von Firmen am Lastenrad-Einsatz fest. Ihre Motive sind dabei ganz unterschiedlich: Einsparpotenziale, Umweltbewusstsein, Imagepflege. Es gibt wohl nur eine wirkliche Voraussetzung: Die Firmen und Mitarbeiter müssen es wollen.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) wertet sein Projekt "Ich fahr Lastenrad" als vollen Erfolg. Im Frühjahr soll ein Internet-Informationsportal online gehen, das sich vor allem an Kommunen und Unternehmen richtet. Arne Behrensen vom VCD berichtet, dass es in Deutschland bereits Schornsteinfeger, Gärtner und Raumausstatter gebe, die mit dem Lastenrad unterwegs seien. Warum nicht auch mobile Alten- und Pflegedienste? Für Firmen sind die Anschaffungskosten von bis zu 5000 Euro für ein Lastenrad durchaus interessant - ein Auto wäre um ein Vielfaches teurer.

Geht es nach den Grünen im Stuttgarter Rathaus, soll die Landeshauptstadt nun ein Modellprojekt unter Federführung der Stadt und mit Beteiligung von Akteuren der IHK und dem VCD initiieren. "Gerade vor der bevorstehenden Eröffnung großer Einkaufszentren in der Innenstadt bestehen gute Rahmenbedingungen, innovative Lieferkonzepte mit Lastenrädern von Anfang an umzusetzen", betont Fraktionschef Peter Pätzold in einem Antrag an die Verwaltung. Sie solle im Ausschuss berichten, wie sie den Vorschlag umzusetzen gedenke. Anregungen kann man sich andernorts holen: Im Januar startete die Stadt München mit der dortigen Industrie- und Handelskammer einen Pilotversuch. Sie unterstützt Unternehmen finanziell bei der Anschaffung von Lastenrädern.

Wie sich Elektro-Lastenräder in den städtischen Kurieralltag integrieren lassen wurde zwei Jahre lang untersucht. Foto: DLR

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Erstellt:
7. Februar 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Februar 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Februar 2014, 12:00 Uhr

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