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Sturmgewehr per Teleshopping
Demnächst Tag und Nacht zu kaufen: Ein Gewehr von Smith & Wesson. Foto: Laif
US-Firma Gun TV bietet Waffen im Fernsehen

Sturmgewehr per Teleshopping

Wer in den USA Waffen oder Munition kaufen möchte, wird das demnächst bequem vom Sofa aus tun können: Der Teleshoppingsender Gun TV geht an den Start. Das Unternehmen verspricht eine große Auswahl.

11.12.2015
  • PETER DETHIER

Washington. So leicht war es selbst in den USA noch nie, in den Besitz einer Schusswaffe zu kommen. In wenigen Wochen werden Amerikaner mit dem Handy oder per Mausklick alles von Pistolen über halbautomatische Waffen bis hin zu Sturmgewehren kaufen können. Möglich macht es der neue Sender Gun TV, dessen Verkaufssendungen bereits kurz nach der Jahreswende ausgestrahlt werden sollen. Anhänger strikterer Waffenkontrollgesetze sind empört.

Die Idee stammt von Valerie Castle, der Mitbegründerin von Gun TV, und ihrem Ehemann Doug Bornstein. Beide verfügen über langjährige Erfahrung im Teleshopping und wollten sich nun selbstständig machen.

Auffallend ist die Tatsache, dass Gun TV ausgerechnet dem Social Responsibility Network angegliedert ist, also einer Station, die nach eigenen Worten darum bemüht ist, sich in "sozialer Verantwortung" zu üben. Ein Sprecher sagte, dass man exakt dieses Ziel verfolge, "nämlich auf verantwortungsvolle Weise sicherzustellen, dass Schusswaffen nur in die Hände der richtigen Bürger gelangen."

Wer sind die "richtigen Bürger"? Laut Castle sind "die klare Mehrheit der 85 Millionen Amerikaner mit Jagdscheinen sowie andere Besitzer von mehr als 270 Millionen Waffen verantwortungsvolle Menschen. Genau das ist unsere Zielgruppe."

Geplant sei keineswegs, nur Geld zu verdienen, versichert Castle. Von Händlern, die online Waffen anbieten, unterscheide sich Gun TV nämlich ganz deutlich. "Wir wollen nicht nur verkaufen, sondern Kunden aufklären, informieren und weiterbilden."

Vorgesehen ist nämlich, dass Gun TV vorläufig nur nachts sechs Stunden lang auf Sendung geht und später zu einem 24-Stunden-Format übergeht. Auf "live Shopping Programme" werden abwechselnd "Informationssendungen" folgen, die sich mit persönlicher Sicherheit, Selbstverteidigungsmethoden und der sicheren Verwendung von Schusswaffen befassen.

Auch werden Hersteller, Händler, die Waffenlobby National Rifle Association (NRA) und andere Sponsoren bis zu einstündige Werbeblocks kaufen können. Zwischen den Sendungen, die auf den Direktverkauf an die Zuschauer abzielen, werden Bestellungen auf der Website von Gun TV möglich sein.

Bescheiden tritt die neu gegründete Fernsehstation keineswegs auf. Versprochen wird schließlich neben qualitativ hochwertigen und originellen Informationssendungen "eine breite Palette an Waffen und anderen Weltklasseprodukten". Dazu zählen neben den Schusswaffen selbst Munition und jede Menge Zubehör. So wird Gun TV auch Messer, Tarnkleidung, kugelsichere Westen und jenes taktisches Zubehör anbieten, mit dem die beiden Todesschützen von San Bernardino ausgerüstet waren.

Aufräumen wollen Castle und Bornstein mit der "Fehlannahme", dass man nachts einfach Waffen bestelle und diese dann frei Haus geliefert bekomme. Wenn das Network einen Auftrag entgegennimmt, leitet es ihn direkt an den Großhändler Sports South aus Louisiana weiter, einen der größten Waffenhändler in den USA. Sports South schickt die Waffen dann an ein von dem Kunden benanntes Waffen- oder Sportgeschäft weiter. Das darf dem Käufer die Waffe nur dann aushändigen, wenn er die gesetzlich vorgeschriebene Hintergrundprüfung bestanden hat.

Alles andere als begeistert sind Anhänger schärferer Waffenkontrollgesetze. Stellvertretend für viele ihrer Kollegen kritisiert Laura Cutilletta, eine Anwältin des Anti-Waffenverbandes "Law Center to Prevent Gun Violence", dass Gun TV so kurz nach dem Terroranschlag in San Bernardino auf Sendung gehen soll. Es war die 355. Massenschießerei in den USA in diesem Jahr.

Bedenklich findet Cutilletta zudem, dass Bestellungen mitten in der Nacht aufgegeben werden sollen. "Der Kauf einer Schusswaffe ist eine sehr ernste Entscheidung", sagte sie. "Sie sollte nicht dann getroffen werden, wenn Menschen um drei Uhr morgens vor dem Fernseher sitzen und plötzlich glauben, sie müssten sich mit Kanonen und Munition eindecken."

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11.12.2015, 08:30 Uhr
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