Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Stunde der Tunnel-Gegner
Die Kosten für den Rosenstein-Tunnel liegen mittlerweile 80 Millionen Euro über dem Anfangswert. Foto: Ferdinando Iannone
Baufirma fordert 18 Millionen Euro nach – Stadt beschwichtigt

Stunde der Tunnel-Gegner

Eine Baufirma fordert 18 Millionen Euro Nachschlag von der Stadt. Gegner des Rosensteintunnels sehen sich bestätigt, das Projekt sei eine Fehlplanung.

12.08.2016
  • UWE ROTH

Stuttgart. Tiefbauamtsleiter Wolfgang Schanz nennt es eine Sommerlochgeschichte. Die Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-PluS hatte sich in einer Pressemitteilung über die Nachkalkulation von der Firma Wolff und Müller öffentlich geärgert. Statt der vereinbarten 41 will der in Stuttgart ansässige Baukonzern 59 Millionen Euro für seine Straßen- und Tunnelarbeiten am sogenannten Leuze-Knoten.

Für die linke Gemeinderatsfraktion, die 2012 den Bebauungsplan zum Rosensteintunnel gemeinsam mit den Grünen abgelehnt hatte, ist die wiederholt drohende Kostensteigerung Anlass, alte Argumente gegen das Projekt neu aufzulegen. „Angesichts von Feinstaub- und Stickoxydbelastungen ist jeder Cent für diesen Tunnel eine kontraproduktive Fehlinvestition“, gibt sich Fraktionschef Thomas Adler überzeugt und fordert den Rückbau des Leuze-Knotens.

Kollege Hannes Rockenbauch setzt eins drauf: „Es scheint das Merkmal von Tunnelprojekten zu sein, dass sie zur Geldgrube für die öffentliche Hand und zur Goldgrube für Konzerne werden.“ Die Kommunalpolitiker sehen es als einen weiteren Beweis „mangelhafter Transparenz“ seitens der Verwaltung, dass sie von den Geldforderungen aus der Zeitung erfahren mussten.

Die Auseinandersetzung ähnelt der um Stuttgart 21, nur dass nicht die Deutsche Bahn im Visier ist, sondern das Rathaus. Erneut geht der Streit darum, ob Stuttgart die durch seine Kessellage bedingten Verkehrsprobleme mit dem Bau von Tunneln in den Griff bekommen kann. Und die Gegner stellen die Frage nach der Ehrlichkeit bei den Kosten angesichts des schwierigen Bauuntergrunds und Grundwassermanagements, das auch den Projektbetreibern von Stuttgart 21 zu schaffen macht und zu einem der Kostentreiber geworden ist.

Im Mai vergangenen Jahres hatte die Stadtverwaltung für erste Irritationen gesorgt: Nur wenige Wochen nach dem Tunnelanstich hatte sie zögerlich Mehrkosten von 40 Millionen Euro zugegeben – ohne diese erst zu begründen. Als Erklärung schob sie nach: gestiegene Baupreise, geologische Unwägbarkeiten und die Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg.

Beim Grundsatzbeschluss des Projekts im Jahr 2009 hatte die Stadt mit 193,5 Millionen Euro gerechnet, vier Jahre später – also noch während der Planungsphase – mit 231 Millionen. Seit Juni 2015 lautet die offizielle Zahl 274,6 Millionen Euro. Das sind über 80 Millionen Euro mehr als ursprünglich kalkuliert. Der Betrag soll bis zur Inbetriebnahme des Tunnels in vier Jahren gehalten werden, versichert der Tiefbauamtsleiter.

Wolfgang Schanz ist der Überzeugung, dass die Nachforderung des Bauunternehmens keinen Anlass bietet, das Projekt generell infrage zu stellen. Er sagt, Nachforderungen seien nicht unüblich. Wegen der schwierigen Baustellenlage sei „ein Teil sicher berechtigt“. Die komplette Summe von 18 Millionen Euro stellt er indes durchaus infrage. Er sieht sie eher im einstelligen Bereich. Mit der Baufirma führe die Verwaltung „gute, wenn auch nicht einfache Gespräche“.

Der Tiefbauamtsleiter verneint die Frage, ob die Stadt auf eine juristische Auseinandersetzung zusteuere. Ende Juli hatte der Technikausschuss des Gemeinderats beschlossen, zusätzliche 2,8 Millionen Euro für Beratungsleistungen von Ingenieuren und Juristen auszugeben. Sie sollen Gegenargumente zu den geforderten Nachschlägen liefern. Auch diesen Schritt hält Schanz für nicht ungewöhnlich. Schließlich handele es sich bei diesem Projekt „um eine ganz andere Dimension“.

Doch so ohne weiteres scheint die Pressemitteilung „einer kleinen Fraktion im Gemeinderat“ (Schanz) nicht im Sommerloch zu verschwinden. Denn das Klimaschutzbündnis Stuttgart, der Verkehrsclub Deutschland und eine Bürgerinitiative, die sich seit Planungsbeginn gegen das Projekt stemmt, haben die Argumente aufgegriffen und verstärkt. So will eine Sprecherin der Schutzgemeinschaft „Krailenshalde“ Gesamtkosten von 300 Millionen nicht länger ausschließen. Da das Land als Zuschussgeber seinen Beitrag bei 112 Millionen Euro gedeckelt habe, müsse die Stadt für jeden zusätzlichen Euro aufkommen.

Zwischen dem Leuze-Tunnel und der Pragstraße drängeln und stauen sich entlang des Wilhelma-Zoos auf der Bundesstraße 10 täglich 200 000 Fahrzeuge, vor allem Lkws. Projektbefürworter sehen die Lösung darin, den Verkehr unter die Erde zu bringen. Gegner halten dagegen, dass der vierspurig zu befahrende Rosensteintunnel weiteren Verkehr in die Stadt holt und am Ende nichts gewonnen ist. Die Bürgerinitiative spricht von zusätzlich 23 000 Autos täglich.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular