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„Tut uns aufrichtig leid“

Studierende warten derzeit sechs Wochen auf Studienunterlagen

Am Montag beginnt das Semester, doch fast 1300 neue Studierende der Tübinger Uni haben noch keine Studien-Unterlagen. Für die „missliche Lage“ hat sich der neue Leiter der Studierendenabteilung jetzt im Internet entschuldigt.

06.10.2015
  • Ulrich Janßen

Tübingen. Dass sich die Verwaltung der Tübinger Universität auf ihrer Homepage in aller Form entschuldigt, kommt nicht oft vor. Doch Thomas Bonenberger, der seit dem 1. Oktober die Studierendenabteilung leitet, sah keine Alternative zu der ungewöhnlichen Erklärung. „Es gibt nichts zu beschönigen“, erklärte er im Netz.

Normalerweise erhalten die Studierenden etwa zwei Tage nach der Einschreibung die Daten für den Zugang zum Computersystem und weitere zwei Tage später ihren Studierendenausweis. In diesem Semester aber warten viele Studierende schon seit etwa sechs Wochen auf ihre Unterlagen.

Etliche hatten sich deshalb bei der Universität und auch beim SCHWÄBISCHEN TAGBLATT beschwert. Die Verzögerung ist nämlich alles andere als eine Formalie. Ohne die Unterlagen und vor allem ohne den Studierenden-Ausweis (heute eine Chip-Karte) können Studierende in der Mensa kein Essen kaufen und in der Uni-Bibliothek keine Bücher ausleihen. Sie haben keinen Zugang zu ihrem studentischen Internet-Account, können sich gegenüber Versicherungen nicht als Studierende ausweisen und bekommen auch keine Studentenrabatte.

Kein Ausweis, kein Ticket, kein Essen

Vor allem aber erhalten sie kein Semesterticket für die Busse. „Dies“, ärgert sich Promotionsstudent Dominic Schmid, „verursacht zusätzliche Kosten“. So müsse er jetzt für jede Fahrt zur Morgenstelle einen Fahrschein kaufen. Für Schmid ist der Rückstand unerklärlich: „Als ob es dieses Jahr so viel mehr Studenten und Immatrikulationen wie im Jahr des Doppelabiturs hatte.“

Wie es zu den langen Wartezeiten kommen konnte, das ist auch für Bonenberger „eine gute und spannende Frage“, auf die er noch keine befriedigende Antwort gefunden habe. „Die Gründe dafür werden wir analysieren“, kündigte er im Internet an.

Gegenüber dem TAGBLATT verwies Bonenberger immerhin auf „ungeplante Personalengpässe“ in seiner Abteilung. Es habe Fluktuationen gegeben, die Wiederbesetzung von Stellen sei unerwartet schwierig gewesen, und die neuen Leute hätten sich erst in die Materie und das Computersystem einarbeiten müssen. „Das ist nicht so leicht.“

Derzeit arbeiten in der Studierendenabteilung neun Personen, die noch von einigen studentischen Hilfskräften unterstützt werden. Bonenberger rechnet damit, dass dieses Team im Wintersemester knapp 5300 Immatrikulationen bearbeiten muss, von denen erst 4000 erledigt sind.

Der neue Chef, der zuvor die Einführung der SAP-Software in der universitären Finanzverwaltung begleitet hatte, betonte, dass die Studierenden-Abteilung streng nach Eingang des Immatrikulationsantrags vorgehe. So wurden am Dienstag alle Anträge bearbeitet, die bis zum 2. September eingegangen waren. Am kommenden Montag sollen diejenigen versorgt sein, die sich bis 14. September eingeschrieben haben. Und am 21. Oktober will Bonenberger mit seinen Leuten den gesamten Berg abgearbeitet haben. Um das zu erreichen, werde man sich „mit voller Kraft“ den Immatrikulationen widmen und andere Tätigkeiten zurückstellen.

Entschädigung gibt‘s leider auch nicht

Hoffnungen auf eine Entschädigung sollten sich die betroffenen Studierenden besser nicht machen. „Ich würde den Studierenden sehr gern etwas zurückgeben“, meinte Bonenberger. Doch scheitere eine Auszahlung schon an verwaltungstechnischen Schwierigkeiten. „Wir können zwar die Semestergebühr kassieren, dürfen aber nichts auszahlen.“ Ein Umstand, den Bonenberger bedauerte: „Das tut uns aufrichtig leid.“

Kein Verständnis hatte der ehemalige Studienfachberater für Vermutungen von Studierenden, dass in der Abteilung der Schlendrian ausgebrochen sei. „Die Leute hier“, versicherte er entschieden, „arbeiten eigentlich alle recht zügig.“ Ebenso entschieden dementierte die Universität, dass der Wechsel in der Leitung mit dem Immatrikulationsstau zu tun habe. Der bisherige Chef der Studierendenabteilung sei keineswegs strafversetzt worden, sondern wechsle als stellvertretender Leiter in ein anderes Dezernat – eine lang geplante Beförderung.

Studierende warten derzeit sechs Wochen auf Studienunterlagen
Im Jahr 2012 sortierte Valentina Leotta, Sekretärin in der Studierendenabteilung der Tübinger Uni, riesige Mengen von Immatrikulationsbewerbungen. Damals gab es kaum Beschwerden über Verzögerungen. Und damals drängten, anders als in diesem Semester, zwei Abiturs-Jahrgänge in die Unis. Archivbild: Sommer

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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