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Zebrastreifen oft ziemlich gefährlich

Studie des ACE zeigt: Nicht nur Autofahrer, vor allem Radfahrer halten nur selten an

Eigentlich sollen Zebrastreifen dafür sorgen, dass Fußgänger sicher auf die andere Straßenseite gelangen. Jetzt zeigt eine Studie des ACE, dass die Fußgängerüberwege oft ziemlich gefährlich sind.

12.11.2013

Von ELKE HAUPTMANN

Stuttgart Ausgerechnet der Zebrastreifen ist laut einer Untersuchung des Auto Club Europa (ACE) ein gefährliches Pflaster. "Nirgendwo sonst in einem eng begrenzten öffentlichen Raum gebe es mehr Verkehrsverstöße als an dem mit weißen Streifen markierten Fußgängerüberweg", lautet das Fazit der ACE-Experten. Die Bereitschaft, an Zebrastreifen gewisse Regeln zu befolgen, schwinde - gleichgültig, ob es sich um Fußgänger, Autofahrer oder Radler handle.

Ehrenamtliche Inspektoren des Clubs hatten im vergangenen Sommer bundesweit das Verhalten von insgesamt 30 055 Kraftfahrern, 36 073 Fußgängern und 13 324 Radfahrern analysiert. 461 Zebrastreifen in rund 170 deutschen Städten und Gemeinden wurden beobachtet. Am wenigsten regelkonform verhalten sich demnach Radler an Zebrastreifen. Im Schnitt mehr als jeder Zweite von ihnen (56,77 Prozent) missachtet das Haltegebot am Zebrastreifen, wenn dort Fußgänger unterwegs sind. Das Urteil des ACE: "Radler sind die allergrößten Zebrastreifen-Muffel." Durchschnittlich 67,56 Prozent von ihnen steigen beim Queren der Straße nicht wie vorgeschrieben ab und schieben ihr Gefährt über auf den Zebrastreifen, sondern sie wechseln verbotenerweise fahrend die Straßenseite und rangeln mit Fußgängern um die schnellste Passage. Der ACE nennt sie "Rüpel-Radler".

Die gebe es auch in Stuttgart, räumt Reinhard Mohr vom ACE ein. In der Landeshauptstadt hatte der Club vier Zählungen (insgesamt 120 Autofahrer, 175 Fußgänger, 17 Radfahrer) vorgenommen - in nahezu allen Fällen seien Radler nicht abgestiegen. Würden sie erwischt, müssten sie 20 Euro Strafe zahlen, wenn sie dadurch einen sich nähernden Autofahrer zu einer Vollbremsung zwingen.

Das Gros der Autofahrer scheint zu wissen, dass Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang haben. Dennoch hat der ACE vielfach festgestellt, dass Passanten ignoriert werden. Bei den vier Zählungen in Stuttgart, so Mohr, hätten 17 Prozent der Autofahrer nicht angehalten. Damit liegt die Landeshauptstadt über dem Baden-Württemberg-Schnitt von 12,5 Prozent, aber voll im bundesweiten Ergebnis von 17,4 Prozent.

Besorgt zeigt sich der ACE auch darüber, dass auffällig viele Kinder am Zebrastreifen selbst einfache und eigentlich allgemein bekannte Regeln ignorierten: So querten im Schnitt mehr als 18 Prozent von ihnen die Straße, ohne auf den Verkehr zu achten. Kein Wunder: Erwachsene Fußgänger gehen laut ACE-Studie mit schlechtem Beispiel voran. Mehr als 13 Prozent der Erwachsenen liefen am Zebrastreifen über die Straße, ohne vorher nach links und rechts zu schauen. Häufig seien sie mit ihrem Smartphone beschäftigt, heißt es in dem ACE-Bericht.

"Wir müssen den Sinn und Zweck extra markierter Fußgängerüberwege wohl ganz neu kommunizieren", stellt der ACE fest und ruft Politik, Polizei und Verkehrsbehörden zu einer Offensive für mehr Sicherheit an Zebrastreifen auf. "Das Wissen über Vorschriften des Verkehrsrechts befindet sich offenbar in einem kümmerlichen Zustand; das muss sich ändern."

Im Jahr 2011 ereigneten sich nach Angaben des ACE bundesweit 4739 Unfälle mit Personenschaden ausschließlich an Zebrastreifen, das waren 311 (rund sieben Prozent) mehr als im Jahr davor. 71,2 Prozent der Unfälle seien von Autofahrern und Zweiradfahrern einschließlich Radfahrern verursacht worden, 28,8 Prozent gingen auf das Konto von Fußgängern.

Eine Radfahrerin fährt über einen Zebrastreifen. Eigentlich hätte sie dabei absteigen und ihr Rad schieben müssen. Foto: dpa

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Erstellt:
12. November 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. November 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. November 2013, 12:00 Uhr

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