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Wenig Kontakte, aber viele Vorbehalte

Studie der Universität Münster zeichnet negatives Islambild

Eine Untersuchung aus Münster rüttelt auf: Die Deutschen haben weit größere Vorbehalte gegenüber dem Islam als Franzosen oder Dänen. Auch gegenüber anderen Religionen gibt es Ressentiments.

03.12.2010

Von ELISABETH ZOLL

Man wundert sich: In Deutschland gab es keinen Karikaturenstreit wie in Dänemark, auch gewaltsame Revolten einer perspektivlosen, zugewanderten Jugend aus den Vorstädten der Metropolen kennt man nicht. Alles ruhig, alles gut? Mitnichten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Münster.

In kaum einem westeuropäischen Land sind die Vorbehalte vor allem gegenüber Muslimen so groß wie in der Bundesrepublik. "Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass in Deutschland, eben weil es weniger sichtbar gewordene Konflikte gibt, auch die öffentliche Debatte darüber noch nicht so intensiv geführt worden ist wie in anderen westeuropäischen Ländern", fasst der Religionssoziologe Detlef Pollack von der Universität Münster zusammen.

Sind die Westeuropäer in ihrer Angst vor fremden Kulturen - zwei Fünftel der Deutschen empfinden sie als Bedrohung - wie auch in ihrer Einschätzung über das Konfliktpotenzial von Religionen noch annähernd auf einer Wellenlänge, weichen die Positionen bei der Bewertung der kulturellen Vielfalt schon deutlich voneinander ab. Nur knapp die Hälfte der Deutschen empfindet die Vielfalt religiöser Gruppen als eine kulturelle Bereicherung für die Gesellschaft. In den Vergleichsländern sind immerhin 80 Prozent der Befragten wohlwollend gestimmt.

"Geradezu dramatisch", sagen die Verantwortlichen der Studie, sind die Unterschiede zwischen Deutschland und den westeuropäischen Ländern bei der persönlichen Haltung der Befragten zu den Mitgliedern unterschiedlicher religiöser Gruppen. In Ländern wie Frankreich, den Niederlanden und Dänemark, die durch öffentlich ausgetragene Konflikte mit der muslimischen Minderheit für Schlagzeilen sorgten, hat eine klare Mehrheit ein positives Bild von Muslimen. In Deutschland - West und Ost - ist es eine Minderheit, nämlich 34 beziehungsweise 26 Prozent. In den Niederlanden ist der Wert mit 64 Prozent fast doppelt so hoch.

Positiver ist die Einstellung der Deutschen gegenüber Hinduisten, Buddhisten und Juden - doch auch da bei weitem nicht so wohlwollend wie in den Nachbarländern.

Während Westeuropa sich relativ einig ist bei negativen Assoziationen gegenüber Muslimen - genannt werden Fundamentalismus, Gewaltbereitschaft und die Benachteilung von Frauen - , sind die Deutschen weit weniger bereit dieser Religion auch positive Werte zuzusprechen, etwa Toleranz oder die Achtung von Menschenrechten. Das heißt, das Bild der Deutschen vom Islam ist wesentlich negativer als in den Vergleichsländern.

Da wundert es dann schon nicht mehr, dass in Deutschland nur rund die Hälfte der Bevölkerung (49 Prozent in West- und 53 Prozent in Ostdeutschland) allen religiösen Gruppen die gleichen Rechte zubilligen wollen. Ein Wert, der in den Nachbarländern mit 72 bis 89 Prozent deutlich höher ist.

Auch beim Thema Moscheebau gibt es gravierende Unterschiede. Weniger als 30 Prozent der West- und knapp 20 Prozent der Ostdeutschen begrüßen den Bau von Moscheen. In Dänemark sind es mehr als 50 Prozent, in Frankreich und den Niederlanden etwa zwei Drittel und in Portugal sogar fast drei Viertel der Befragten.

Bei der Auswertung der Zahlen sind die Forscher nicht nur auf unterschiedlich geführte öffentliche Debatten gestoßen, sie haben auch herausgefunden, dass die Einstellung der Menschen zum Islam von ihrem tatsächlichen Kontakt zu Muslimen abhängig ist.

Je mehr Kontakt die Befragten zu Muslimen haben, desto wahrscheinlicher ist ein positives Bild von der Religion. Das bestätigt sich auch in den Nachbarländern. In Frankreich, wo es das positivste Islambild unter den Vergleichsländern gibt, haben die Befragten auch den meisten Kontakt zu Muslimen. Bei allen Vorbehalten in Deutschland gilt: Findet erst einmal ein persönlicher Kontakt statt, sagen drei Viertel der Westdeutschen und zwei Drittel der Ostdeutschen, sie hätten die Begegnung mit Muslimen als positiv empfunden.

Untersuchte die Einstellung der Deutschen zu nichtchrist- lichen Religionen: Detlef Pollack.

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Erstellt:
3. Dezember 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Dezember 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Dezember 2010, 12:00 Uhr

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