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Mit Stofftier in die Klinik

Studenten nehmen als Teddy-Docs Kindern die Angst vor dem Arzt

Ein Stofftier hat einen gebrochenen Arm, einem anderen ist übel: Es hat sich an Gummibärchen überfressen. Teddy-Docs machen alle Lieblinge wieder gesund - und nehmen Kindern die Angst vor Arztbesuchen.

04.06.2014

Von CHRISTINE CORNELIUS, DPA

Heidelberg Schon seit Tagen tut Teddy Konrad sein linker Arm weh. Er sei gebrochen, erzählt die sechsjährige Sarah. Sie schaut traurig auf ihren Liebling. "Beim Abendbrot haben die Tiere mit ihm gespielt und sind dann auf seinen Arm gesprungen. Ich hab das Geschrei gehört", berichte sie. Ab heute ist Konrad auf dem Wege der Besserung.

Zusammen mit anderen Vorschulkindern ist Sarah mit ihm zum Teddybären-Krankenhaus gegangen, das Medizinstudenten in der Heidelberger Altstadt veranstalten. Es soll Kindern die Angst vor Arztbesuchen nehmen. Bis heute ist die Station aufgebaut. Die Veranstalter rechnen mit rund 700 Stofftieren. "Die Ärztin hat einen Verband angemacht. Sie hat gesagt, dass Konrad für ein paar Tage nicht mehr seine Freunde sehen darf, und dass er seinen Arm nicht bewegen darf", erzählt Sarah.

Gebrochene Arme gebe es in der Kuscheltier-Sprechstunde oft, sagt Mitorganisatorin Anna Badenhop. In Heidelberg gebe es das Teddybären-Krankenhaus regelmäßig seit 15 Jahren. Die Idee komme aus Skandinavien und habe sich inzwischen an vielen Unis fest etabliert.

Die Medizinstudenten haben für die Kinder Röntgenbilder vorbereitet, damit sie ihnen die unterschiedlichen Krankheiten genau erklären können. Ein Bild ist besonders beliebt: Es ist ein Magen zu erkennen, gefüllt mit Gummibärchen. Kein Wunder, dass dem Kuscheltier schlecht ist! "Da muss man ein bisschen mit Fantasie und optischer Täuschung arbeiten", erläutert Teddy-Arzt Timo Engbarth, der im Bären-OP arbeitet. Bei einer Operation verstecke er Gummibären und tue so, als kämen sie aus dem Magen des Stofftieres.

"Kinder lieben ja Rollenspiele", sagt Bettina Kraft, Leitende Psychologin am Heidelberger Universitätsklinikum. Auch ihre eigenen Krankheiten verarbeiteten Kinder im Spiel mit Kuscheltieren oder Puppen. "Die Teddy-Docs sind eine gute Möglichkeit, Kinder angstfrei an einen Arzt- oder Krankenhausbesuch heranzuführen." Vielen sei bei diesem Thema mulmig. "Da kann schon eine verunglückte Impfung ausreichen, die ein bisschen weh getan hat." Es helfe, wenn der Doktor auch das Kuscheltier verarzte. "Hier in der Klinik ist das Standard. Da wird nicht nur das Kind behandelt, sondern auch der Bär", erzählt die Psychologin.

Auch Mikas Teddybär geht es schlecht, er hat ein Loch im Kopf. "Er ist auf dem Trampolin zu hoch gesprungen. Dann ist er mit dem Kopf gegen einen Stock gestoßen", erzählt der Sechsjährige. "Er hatte Angst vorm Arzt, aber jetzt geht es ihm gut." Mika versteht seinen Bären. Auch er mag keine Arztbesuche. "Der macht immer so Sachen, die ich gar nicht kenne. Er piekst mich mit einer Nadel und dann tut das weh." Der Bär hat den Arztbesuch gut überstanden. Er trägt nun einen Verband und soll sich möglichst wenig bewegen.

De Heidelberger Medizinstudent Patrick Fuchs erforscht mit der sechsjährigen Sarah, warum es ihrem Teddy nicht gut geht - und das Mädchen lernt nebenbei, wie ein Stethoskop funktioniert. Foto: dpa

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Erstellt:
4. Juni 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juni 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2014, 12:00 Uhr

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