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Stromfresser - nein danke!
Darum ging es beim Rechtsstreit zwischen Dyson und BSH: Hinweisschild, das die Energieeffizienzklasse eines Elektrogerätes ausweist. Foto: dpa
Neue Kennzeichnungen sollen den Energieverbrauch von Elektrogeräten realistischer darstellen

Stromfresser - nein danke!

Die bisherigen EU-Label sollen Verbrauchern eigentlich Orientierung beim Kauf von Elektrogeräten bieten. Aber wie gut sie wirklich helfen, Strom und damit auch Geld zu sparen, ist umstritten.

02.12.2015
  • CHRISTINE SCHULTZE, DPA

München. Stromfresser - nein danke! Energieeffizienz ist vielen Verbrauchern heute bei der Anschaffung von Kühlschränken, Waschmaschinen & Co. wichtig. Beim Neukauf achten sie auf die farbigen Aufkleber mit Angaben zum Stromverbrauch - und greifen für vermeintlich sparsame Geräte auch tiefer ins Portemonnaie. Doch halten die Geräte wirklich, was auf den Labels versprochen wird? Experten sehen einigen Verbesserungsbedarf. Zwischen zwei großen Staubsauger-Herstellern ist über das Thema ein neuer Streit entbrannt. Hier die wichtigsten Aspekte des Themas.

Worum geht es in dem Streit zwischen BSH und Dyson? Dyson wirft BSH vor, bei einem bestimmten Staubsauger-Modell falsche Angaben zum Stromverbrauch zu machen, was BSH strikt zurückweist. Dyson, selbst Hersteller beutelloser Staubsauger, fühlt sich durch die geltende EU-Prüfrichtlinie diskriminiert: Die betroffenen BSH-Geräte würden nur bei leerem Beutel getestet, doch steige der Stromverbrauch mit dem Füllstand des Beutels. Die Effizienzklasse "A" sei nicht gerechtfertigt, der Verbraucher werde in die Irre geführt. BSH dagegen sieht sich mit den EU-Vorgaben im Einklang - und ist selbst in Großbritannien vor Gericht gezogen.

Was hat das Berliner Landgericht entschieden? Dyson hatte vor dem Landgericht Berlin eine Einstweilige Verfügung gegen BSH beantragt und wollte erreichen, dass der Konkurrent seine Geräte nicht mehr in der bisherigen Form vermarkten darf. Die Richter wiesen den Eilantrag ab, weil die Sache nicht dringlich sei. Eine Berufung ist möglich, ob ein Hauptverfahren folgt, noch unklar.

Welche Effizienzklassen gibt es überhaupt und was sagen sie aus? Die Effizienzklassen werden auf Etiketten mit Buchstaben angegeben: A steht für die sparsamsten Geräte, G für die größten Stromfresser. Weil die Geräte mit dem technischen Fortschritt aber immer effizienter wurden, ist ein großer Teil mittlerweile in den obersten Klassen angesiedelt. Zur besseren Unterscheidung sollen deshalb Kategorien bis hin zur Bestnote A+++ dienen. Auf den Aufklebern informieren die Hersteller auch beispielsweise darüber, wie viel Wasser eine Waschmaschine verbraucht oder wie gut der Geschirrspüler trocknet.

Wie ist der Diskussionsstand auf EU-Ebene? Die Schwächen sind erkannt, deshalb bemüht sich die EU um eine Reform der Energiekennzeichnung. Vergangene Woche hatten sich die Minister auf Grundzüge geeinigt. Eine Idee dabei: Die besten ein oder zwei Energieeffizienz-Klassen sollen frei gelassen werden, um Raum für technische Verbesserungen zu lassen. Bis die Neuerungen greifen, wird es aber noch dauern. Erst müssen sich die Staaten mit dem EU-Parlament einigen und Details ausgetüftelt werden.

Was halten Verbraucherschützer vom EU-Label und was fordern sie? Kennzeichnungen ja - aber besser und transparenter, heißt es beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Die Reformanstrengungen der EU seien zu begrüßen, doch dauere der Prozess zu lange, sagt Johanna Kardel. Auch sollten Testverfahren praxisnäher gestaltet werden. Ähnlich argumentiert Holger Brackemann von der Stiftung Warentest: Seit Jahren prüfe man Staubsauger mit leerem und gefülltem Beutel, mit Normstaub und klar definierten Füllmengen. Dabei kämen sehr wohl vergleichbare Ergebnisse heraus.

Sind praxisferne Tests auch bei anderen Geräten ein Problem? Ja, sagt Brackemann. Bei Fernsehern etwa wird der Stromverbrauch anhand der relativ dunklen Bildeinstellung ab Werk gemessen. Wird das Gerät zu Hause heller gestellt, steige der Stromverbrauch deutlich. Und bei Kühl- und Gefrierschränken werde nicht getestet, wie viel Strom beim Einlagern von warmen Lebensmitteln verbraucht wird: "Das entspricht nicht der Lebenswirklichkeit." Deshalb sollte das ganze System verbessert werden. "Wir brauchen beides: Ein übersichtliches Label ohne die ganzen Plus-Klassen und realitätsnähere Testbedingungen."

Das Thema hat auch die deutsche Politik auf den Plan gerufen - warum? Durch den VW-Skandal hat das Thema an Aktualität gewonnen: Grünen-Abgeordnete Renate Künast wollte von der Bundesregierung wissen, ob sich Elektrogeräte im Testbetrieb anders verhalten als bei normaler Nutzung. Die Antwort des Wirtschaftsministeriums: Man könne nicht ausschließen, dass es bei den Hersteller-Angaben zum Energieverbrauch "in Einzelfällen auch zu Manipulationen kommt".

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02.12.2015, 08:33 Uhr
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