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Stress im Schweinestall
Besonders Ferkelzüchter leiden unter der angespannten Situation der Landwirtschaft. Für ein Ferkel bekommen sie derzeit weniger als 35 Euro. Foto: Martin Kalb
Schwierige Lage für Landwirte im Südwesten: Viele müssen aufgeben

Stress im Schweinestall

Die Schweinehalter in Baden-Württemberg bangen um ihre Existenz, viele mussten ihre Betriebe aufgeben. Verbraucher sollen auf Regionalität setzen - das könnte die Lage entspannen, sagen die Bauern.

12.12.2015
  • BIANCA FRIESS

Stuttgart. Vor dem Stuttgarter Schlachthof steht ein großes, rosafarbenes Schwein. Es wirkt wie ein überdimensioniertes Sparschwein. Viel Geld zum Sparen haben die Schweinehalter in Baden-Württemberg derzeit allerdings nicht: "Das Konto ist leer", sagt Hans-Benno Wichert, Präsident des Schweinezuchtverbands bei der Pressekonferenz des Landesbauernverbands im Schlachthof.

Die Situation der Schweinehalter in Baden-Württemberg sei dramatisch: "So schlimm war es noch nie", sagt Wichert. In den vergangenen fünf Jahren mussten rund 1100 Schweinehalter ihren Betrieb aufgeben - damit hat der Südwesten etwa 30 Prozent der Schweinehalter verloren. Im November 2015 standen nur noch 1,8 Mio. Schweine in den Ställen, das sind 100 000 Tiere weniger als im Jahr zuvor.

Schuld an der Situation ist das niedrige Preisniveau. Seit einem Preissturz im Sommer 2014 konnten sich die Schweinepreise nicht mehr erholen. Derzeit liegt der Preis für ein Kilogramm Schlachtgewicht bei 1,25 EUR. Besonders hart trifft es die Schweinezüchter. Für ein Ferkel bekommen die Landwirte derzeit weniger als 35 EUR. Früher sei Baden-Württemberg ein "Ferkelhalterland" gewesen, sagt Wichert. Inzwischen mussten viele Züchter ihren Betrieb aufgeben.

"Wenn sich jetzt nichts verändert, ist der Weg vorgezeichnet", warnt Wichert. Er fordert eine Rückendeckung aus der Gesellschaft. Verbraucher sollen nachfragen, woher ihr Fleisch kommt und auf Regionalität setzen. Auch von der Politik wünsche er sich Signale, sagt der Schweinehalter. Er kritisiert zum Beispiel die überhöhten Dokumentationspflichten, die die Bauern zusätzlich belasten.

Aber auch die Kollegen aus Acker- und Obstbau haben zur Zeit zu kämpfen. Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes, spricht von einer "wirtschaftlich sehr schwierigen Lage" in der gesamten Landwirtschaft. Das Einkommen eines Bauern in Baden-Württemberg betrug im Wirtschaftsjahr 2014/2015 rund 25 000 EUR. Das entspricht einem Rückgang um mehr als 22 Prozent. Einzig im Weinbau konnten die Landwirte ihr Einkommen pro Mitarbeiter um fast 19 Prozent steigern. Die Bauern in Baden-Württemberg verdienen außerdem rund 20 Prozent weniger als der Durchschnittsverdienst der Landwirte in ganz Deutschland. Jedes Jahr geben etwa 1,7 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe im Südwesten auf, berichtet Rukwied.

Als Ursache für die negative Entwicklung nennt Rukwied unter anderem das Russland-Embargo. Früher sei Russland ein wichtiges Exportland für die Landwirtschaft gewesen. Inzwischen hätten sich die Agrarexporte nach Russland halbiert. Milch, Fleisch und Obst mussten also in Europa verkauft werden - daraufhin seien die Preise massiv eingebrochen. Außerdem hätten zum Beispiel die USA und Neuseeland ihre Milchproduktion ausgedehnt. Das habe den Preisdruck auf dem Weltmarkt erhöht, berichtet Rukwied.

Auch die Umstellung auf Bio-Produktion sei nicht der Königsweg, sagt Schweinehalter Wichert. Edeka zahlt zwar im Südwesten für Bio-Schweinefleisch beispielsweise dreimal so viel wie für konventionell erzeugte Fleisch, also 3,75 EUR pro Kilogramm. Denn die Produktion sei wesentlich teurer - das rechne sich nicht. Außerdem sei die Nachfrage nach wie vor noch zu gering: Weniger als ein Prozent des gekauften Fleisches seien Bio-Produkte. "Da ist nicht genügend Anreiz da", sagt Wichert.

Dem stimmt auch Rukwied zu: Man dürfe die Relationen nicht außer Acht lassen, der Großteil der gekauften Produkte werde immer noch konventionell erzeugt.

Für das kommende Jahr prognostiziert Rukwied keine Besserung. "Wir gehen davon aus, dass die Unternehmensergebnisse weiter sinken werden", sagt er. Dazu werde auch die schlechte Getreideernte 2015 beitragen, zudem ist das Preisniveau weiter gesunken.

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12.12.2015, 08:30 Uhr
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