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Was man übers Erben wissen sollte

Strenge Vorgaben fürs Testament - Vorsicht bei Schulden im Nachlass

Zwei von drei Bundesbürgern ab 50 Jahren haben sich schon einmal Gedanken gemacht, wie ihr Erbe einmal verteilt werden soll. Häufig empfiehlt sich ein Testament. Dabei sind etliche Regeln zu beachten.

31.07.2013

Von DIETER KELLER

Berlin Die Zahl klingt gigantisch: Etwa 254 Mrd. EUR werden allein in diesem Jahr in Deutschland vererbt, schätzt die Postbank. 2020 sollen es schon 350 Mrd. EUR sein. Auch wenn dieses Geld sehr ungleich verteilt wird, können doch viele zumindest auf eine kleinere Erbschaft hoffen. Dann ist es gut, wenn der Verstorbene rechtzeitig für klare Verhältnisse gesorgt hat. Noch besser, wenn er auch mit allen darüber geredet hat. Denn zwar wünschen sich praktisch alle Erben, dass es nicht zum Streit kommt. Aber 15 Prozent, die schon geerbt haben, haben die Erfahrung gemacht, dass sie um ihr Erbe kämpfen mussten.

Das Recht im Erbfall ist so vielfältig und kompliziert wie das Zusammenleben von Familien. Daher lassen sich nur recht allgemeine Hinweise geben. Nehmen wir dafür ein einfaches Beispiel: Hilde und Erich sind beide 70. Sie haben vor 42 Jahren geheiratet und zwei Kinder: Tobias und Isolde. Sie besitzen ein Eigenheim, das 250 000 EUR wert ist, und 150 000 EUR Bankguthaben. Jetzt machen sie sich Gedanken übers Erbe.

Wer sollte ein Testament machen? Jeder, der von der gesetzlichen Erbfolge abweichen will. Die ist im bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt - und sieht häufig anders aus, als es sich viele vorstellen. Stirbt ein Ehepartner, so erbt der Überlebende nicht etwa automatisch alles. Laut BGB bekommt er zwar den Hausrat und das Familienauto. Vom eigentlichen Vermögen steht ihm aber nur die Hälfte zu, wenn die Eltern die allgemein übliche "Zugewinngemeinschaft" hatten und es Kinder gibt. Letztere teilen sich als Verwandte erster Ordnung den Rest des Erbes.

In unserem Beispiel werden 200 000 EUR vererbt, weil dem überlebenden Partner die Hälfte des Vermögens gehört. Er erbt 100 000 EUR und jedes der Kinder 50 000 EUR. Davon unabhängig sind Ansprüche auf Hinterbliebenenrente zum Beispiel der gesetzlichen Rentenversicherung: Sie bekommt nur der überlebende Ehepartner. Hatten die Eheleute Gütertrennung vereinbart, gelten eigene Regeln.

Kann ich selbst bestimmen, wer was erbt? Ja, mit einem Testament. Jeder ist im Prinzip völlig frei, wem er sein Vermögen vererbt. Es muss nicht zwingend an Verwandte oder den Ehepartner gehen. Beispielsweise können auch Stiftungen oder eine Kirche bedacht werden.

Wie muss ein Testament aussehen? Es gibt im Wesentlichen zwei Formen. Da ist zum ersten das eigenhändige Testament. Der Erblasser muss es persönlich vom ersten bis zum letzten Wort handschriftlich verfassen. Es reicht nicht, es mit dem PC auszuarbeiten und zu unterzeichnen. Es muss mit Vor- und Nachnamen selbst unterschrieben sein. Zudem sollte es Ort und Datum tragen. Zum zweiten kann ein Notar eingeschaltet werden. Entweder notiert er den Letzten Willen, oder er nimmt ihn schriftlich vom Erblasser entgegen. Der Notar berät beim Abfassen des Testaments. Daneben ist ein Erbvertrag möglich. Darin kann zu Lebzeiten etwa festgelegt werden, dass ein Kind im väterlichen Handwerksbetrieb mitarbeitet und dafür diesen erbt.

Wie kann gesichert werden, dass ein Testament nach dem Tod gefunden wird? Durch das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer. Hier werden seit 2012 zentral alle Testamente erfasst, die ein Notar oder ein Gericht verwahrt. Möglich ist auch, hier eigenhändige Testamente registrieren zu lassen. Dafür müssen sie zum Nachlassgericht in die "besondere amtliche Verwahrung" gebracht werden. Zwar sind sie auch gültig, wenn sie in einem Banksafe oder zu Hause verwahrt werden. Aber dann ist nicht garantiert, dass sie nach dem Tod gefunden und beim Nachlassgericht abgeliefert werden.

Was ist das Berliner Testament? Ein gemeinschaftliches Testament von Ehepartnern, in dem sie sich gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Die Kinder erben das Vermögen erst beim Tod des länger lebenden Ehepartners. Sie können aber ihren Pflichtteil beim überlebenden Ehepartner geltend machen.

Kann man den Ehepartner oder Kinder ganz enterben? Mit Tobias haben sich Hilde und Erich schon vor Jahren so gründlich verkracht, dass sie ihn enterben wollen. Das ist im Prinzip möglich. Allerdings haben die nächsten Familienangehörigen und der Partner trotzdem Anspruch auf den so genannten Pflichtteil, wenn sie nach dem Gesetz erbberechtigt sind. Er ist halb so hoch wie der normale gesetzliche Anspruch. Tobias kann auf seinem Pflichtteil bestehen. Gibt es ein "Berliner Testament" und Tobias verlangt ihn erst nach dem Tod beider Eltern, erhält er 100 000 EUR vom gesamten Erbe in Höhe von 400 000 EUR. Dies muss in Geld gezahlt werden. Er würde also keinen Anteil am Häuschen bekommen.

Ist es möglich, auch den Pflichtteil zu vermeiden? Das geht nur bei Erbunwürdigkeit. Dazu müsste der Möchtegern-Erbe den Erblasser getötet oder dies zumindest versucht haben. Auch der Versuch, das Testament zu fälschen, kann ausreichen.

Hilft bei allem rund um das Erbe der gesunde Menschenverstand? Nein, im Gegenteil: Das kann gefährlich sein und dazu führen, dass ein Testament ganz ungültig ist. Denn es gilt immer das Gesetz, und das ist kompliziert. Daher sollte sich jeder frühzeitig mit dem Thema befassen und im Zweifelsfall einen Notar oder Rechtsanwalt fragen.

Info Im Internet gibt es weitere Hinweise unter http://www.bmj.de und http://www.testamentsregister.de.

Eingetragene Lebenspartner Für sie gelten die gleichen rechtlichen Regeln wie für Ehepaare. Sie kommen auch in den Genuss der gleichen Freibeträge und Steuersätze bei der Erbschaftsteuer. Unverheiratete Paare Sie laufen das größte Risiko. Gibt es kein Testament, dann erbt der Überlebende beim Tod des Partners nichts. Zudem muss er sich mit den gesetzlichen Erben herumstreiten, damit er seine Hälfte am gemeinsam erarbeiteten Vermögen behält. Daher ist ein handschriftliches oder notarielles Testament unerlässlich. Aber selbst wenn dies vorliegt, kommt der Überlebende nicht in den Genuss einer Hinterbliebenenrente, egal ob aus der gesetzlichen Rentenversicherung, einer Betriebs- oder einer Riester-Rente. Sie werden nur an Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner gezahlt. Ehepaare ohne Kinder Nicht in jedem Fall bekommt der überlebende Partner das ganze Erbe. Leben beispielsweise der Vater oder die Mutter des Verstorbenen noch, geht die eine Hälfte an sie und nur die andere an den Partner. Patchworkfamilien Uneheliche und adoptierte Kinder haben im Regelfall die gleichen Rechte wie eheliche Kinder. Kompliziert wird es, wenn Paare Nachwuchs aus früheren Ehen mitbringen. Die rechtlichen Folgen sollten mit einem Fachmann geklärt werden. Schulden Eine Erbschaft umfasst nicht nur die Vermögenswerte des Verstorbenen, sondern auch seine Schulden ? oder jeweils einen Teil davon, wenn es mehrere Erben gibt. Im Extremfall können die Schulden höher sein als das Vermögen. Dann muss der Erbe dafür voll einstehen. Dies lässt sich nur dadurch verhindern, dass er das Vermächtnis beim zuständigen Nachlassgericht oder bei einem Notar ausdrücklich ausschlägt. Dafür bleibt aber relativ wenig Zeit, nämlich nur sechs Wochen nach dem Todesfall und der Erkenntnis, dass man gesetzlicher Erbe ist oder aufgrund eines Testaments erbt. In dieser Zeit muss man selbst prüfen, ob es sinnvoll ist, das Erbe auszuschlagen. dik

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Erstellt:
31. Juli 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Juli 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2013, 12:00 Uhr

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