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Streit um verschmutztes Gewässer
Idyll mit Schönheitsfehlern: der Finsterroter See im Landkreis Heilbronn. Foto: Volker Hoschek
Badeverbot

Streit um verschmutztes Gewässer

Weil eine Kläranlage angeblich immer wieder den Finsterroter See belastet, gibt es mächtig Ärger im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.

13.09.2017
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. Ein überfüllter Sitzungssaal und mehr als 3000 Unterschriften zeugen von der Brisanz eines ungewöhnlichen Rechtsstreits. Die Besitzer des Finsterroter Badesees in Wüstenrot (Kreis Heilbronn) haben die Gemeinde verklagt, weil das Wasser so verschmutzt ist, dass Schwimmen und Planschen nicht mehr erlaubt sind. „Alles ist im Detail strittig“, fasste Richter Oliver Kontusch die Positionen der Parteien zusammen. Eine gütliche Einigung kam nicht zustande. Ob ein Gutachter eine Lösung finden kann, soll am 20. November verkündet werden.

„Der Finsterroter See ist ein besonderes Kleinod“, warb die Gemeinde Wüstenrot früher um schwimmende Urlauber. Die guten Zeiten sind längst vorbei. Seit 2013 ist die Wasserqualität „mangelhaft“.

Schuld ist nach Ansicht der privaten Besitzerinnen eine suboptimale Kläranlage, die 900 Meter oberhalb des Sees liegt. Bei Starkregen werde viel Phosphat und ungeklärtes Mischwasser eingeleitet, behaupten sie. Bei einer Probe im September 2014 stellte das Gesundheitsamt Heilbronn bei Kolibakterien einen zehnfach überhöhten Wert fest.

Das idyllische Areal, ein landschaftliches Schmuckstück im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, ist für Erholung und Kurzurlaub kontinuierlich ausgebaut worden. Dazu gehören ein Abenteuerspielplatz, ein gemauerter Grill, ein Blockhaus mit moderner Küche, behindertengerechte Toiletten, Tretboote, Barfußpfad. Doch während der Freizeitwert stieg, verfestigte sich das Badeverbot, ohne dass die Schwestern offiziell informiert worden seien, wie sie monieren. Ohne ihr Wissen habe die Gemeinde Schilder aufgestellt. Bürgermeister Timo Wolf habe ihren See im April 2017 als EU-Badestelle abgemeldet. Das Gesundheitsamt war damals davon ausgegangen, dass der See wohl zu flach sei, um sich selber reinigen zu können. Nun soll geprüft werden, ob das Abwasser in Gräben und Rohren um und durch den See geleitet werden kann.

Die Besitzerinnen kritisieren, dass „seit drei Jahren jegliche Kommunikation verweigert“ werde. Wolf meint, es sei „schwierig, einfach schnell zu handeln“. Der Rathaus-Anwalt Hans Büchner sagt zu den finanziellen Folgen der verlangten Schutzmaßnahmen: „Ein Kindergarten muss schließen, damit im Finsterroter See gebadet werden kann.“

Dabei schmückt sich die Kommune mit ihren rund 6800 Einwohnern weiter mit dem malerischen See. Über die von Wolf verantwortete Homepage ist ein Flyer verlinkt, in dem der Eindruck erweckt wird, dass Schwimmer ungestört ihre Bahnen ziehen könnten. Ein amtliches Badeverbot ist jedenfalls nicht erwähnt. Verwirrend ist auch der Hinweis auf Sportstätten: „Baden im Finsterroter See“, heißt es dort. Daneben ist „ein generelles Badeverbot“ nur für die Saison 2016 vermerkt.

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13.09.2017, 06:00 Uhr
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