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Kulturpolitik

Streit um das Jüdische Museum

Das Berliner Haus ist ein Publikumsmagnet und steht vor schwierigen Entscheidungen.

25.06.2019

Von DPA

Der von Daniel Libeskind entworfene Bau gilt seit seiner Eröffnung 2001 als deutsch-jüdischer Meilenstein. Foto: Alberto Fanego/dpa

Berlin. Wieviel Judentum sollte in einem jüdischen Museum stecken, welche Rolle dabei Israel als Staat der Juden spielen? Die Museumsempfehlung eines Artikels über die antiisraelische Kampagne BDS ist vorläufiger Schlusspunkt. Peter Schäfer, ein weltweit anerkannter Judaist, trat zurück, „um weiteren Schaden“ abzuwenden, wie es hieß. Weniger als ein Jahr vor der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im größten jüdischen Museum Europas mit bisher mehr als elf Millionen Besuchern steht das Haus aus dem Bereich von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vor heiklen Entscheidungen.

Vorerst soll eine Vertrauensperson das Museum leiten, beschloss der Stiftungsrat. Dies betreffe insbesondere konzeptionelle Fragen.

Zwar hatte Direktor Schäfer die umstrittene Leseempfehlung des Artikels nicht selbst über Twitter abgesetzt. Bis zuletzt musste er viele Vorwürfe an das Museum abwehren – und brachte sich dabei selber in die Kritik.

Unzulässige Einmischung

Dabei war die Eröffnung im Bau des Architekten Daniel Libeskind 2001 als deutsch-jüdischer Meilenstein gefeiert worden. Damals gab es Einvernehmen über die Ausrichtung des Museums mit seiner Schau zu 2000 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland. Dieser Konsens wird nun zunehmend infrage gestellt. So forderte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im vergangenen Jahr auf, die Ausstellung „Welcome to Jerusalem“ abzusetzen. Das Museum stelle dort einseitig die palästinensische Sicht auf die Stadt dar. Grütters wies Netanjahus Ansinnen als unzulässige Einmischung zurück. Kritik gab es auch, nachdem Schäfer den iranischen Kulturattaché im Museum zum Besuch empfangen hatte, also einen Vertreter jenes Landes, das die Auslöschung Israels zur Staatsräson erklärt hat.

„Das Maß ist voll. Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein“, erklärte der Zentralrat der Juden, nachdem das Museum einen Artikel der „taz“ getwittert hatte. Darin kritisieren israelische und jüdische Wissenschaftler den Bundestagsbeschluss, die BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) gegen Israel als antisemitisch einzustufen.

Grütters hat indes klargestellt, dass das Museum keine Richtungsänderung brauche. Seine Autonomie sei ein hohes Gut, das Museum müsse vor Unterstellungen und Vereinnahmung geschützt werden – von welcher Seite auch immer. dpa

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Erstellt:
25. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 06:00 Uhr

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