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Debatte

Streit um Fahrpreise geht weiter

Die Regionalpolitiker im Verkehrsausschuss blicken mit gemischten Gefühlen auf die Tarifreform. Über den weiteren Ausbau des ÖPNV-Angebots besteht hingegen Einigkeit.

08.11.2019

Von JÜRGEN SCHMIDT UND MELISSA SEITZ

Durch den Bau der neuen S-Bahn-Station Mittnachtstraße im Stuttgarter Norden wird das Bahnnetz erweitert. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Bleiben nach der Tarifreform und der Nullrunde 2019 auch 2020 die Fahrpreise im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) stabil? So recht kann das derzeit niemand sagen, im Verkehrsausschuss der Stuttgarter Regionalversammlung war das Thema höchst umstritten. Die Regionalräte sind in dieser Frage nicht entscheidend, weil die Kreistage in Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und Waiblingen und der Stuttgarter Gemeinderat entscheiden müssen, ob sie ihren Zuschuss an den VVS erhöhen. Die Diskussion im Ausschuss lieferte aber einen Vorgeschmack auf mögliche Debatten in den kommunalen Gremien.

Rainer Ganske (CDU) sieht eine Nullrunde eher skeptisch. Er befürchtet, dass sie zu Lasten kommunaler Investitionen in den Ausbau des ÖPNV und die Verbesserung seiner Qualität gehen können. „Man kann jeden Euro nur einmal ausgeben“, mahnte er und bekam Unterstützung von Freien Wählern und der FDP.

Das richtige Signal senden

Eine Nullrunde zu Lasten der Investitionen wollen auch deren Befürworter nicht, betonte Stuttgarts OB Fritz Kuhn. Der Grünen-Politiker hält den Verzicht auf eine Fahrpreiserhöhung für das richtige Signal „um die Botschaft der Reform“ der Tarife zu verstärken. Doch das Geld zum Ausgleich der ausgesetzten Preiserhöhung müsse zusätzlich eingesetzt werden, forderte Kuhn. Stuttgart müsste rund 2,8 Millionen Euro zusätzlich an den VVS überweisen, die vier Landkreise zusammen 3,5 Millionen Euro.

Ab 2021 würde sich die Mehrbelastung auf fünf Landkreise verteilen, wenn Göppingen Vollmitglied im VVS wird. Der Verkehrsausschuss beschloss eine entsprechende Satzungsänderung zur Integration des Landkreises, die im Dezember noch von der Regionalversammlung gebilligt werden muss, um den Weg auch formal frei zu machen.

Uneins sind sich die die Regionalpolitiker nicht nur in der Fahrpreisfrage, sondern auch, ob die Tarifreform als Erfolg oder als Flop zu werten sei. Während VVS-Geschäftsführer Horst Stammler den Fahrgastzuwachs von 3,6 Prozent zwischen April und August als positiv bewertete und von den Grünen Unterstützung erhielt, hätte sich Ganske mehr erhofft. Auch Bernhard Maier (Freie Wähler) monierte, dass Aufwand und Ertrag der Tarifreform in keinem zufriedenstellenden Verhältnis stünden.

Zu den Investitionen in den heimischen Nahverkehr zählen aus Sicht der Grünen nicht nur die rollende Hardware auf Straßen und Schienen, sondern auch die Software in Form einer leistungsfähigen App für den Nahverkehr. Denn die Polygo-Card des VVS hält der Fraktions-Vize Philipp Buchholz für nicht mehr zeitgemäß und zu wenig funktional, obgleich inzwischen rund eine halbe Million Karten im Umlauf sind. Die Karte müsse in eine Smartphone-App überführt werden, die das Suchen, Buchen und Zahlen der Mobilitätsangebote in der Region ermögliche.

Ein Stück reale Zukunft präsentierte gestern das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm. „Es gibt 80 S-Bahn-Stationen in der Region“, sagt Regionaldirektorin Nicola Schelling bei einer Baustellenführung im Stuttgarter Norden. Dort entsteht eine neue Haltestelle namens Mittnachtstraße. Nach der Fertigstellung von S21 werden dort die aus dem Norden und Osten kommenden S-Bahn-Linien zusammengeführt. Wer umsteigen will, kann dies künftig an der Station Mittnachtstraße machen: „Das entspannt die Situation am Hauptbahnhof“, sagt Schelling.

Die Haltestelle ist 260 Meter lang, der Bahnsteig 10 Meter breit. Sie liegt in einem acht Meter tiefen Trogbauwerk zwischen Rosensteinstraße und Zugschienen. Pendler, die mit der S-Bahn in Richtung Stuttgart fahren, erhalten schon mal einen ersten Eindruck von der neuen Station. Ein riesiges Plakat, das direkt über der Baustelle hängt, zeigt, wie die Haltestelle aussehen soll. Darauf zu sehen ist auch, dass der Erdhügel auf der einen Seite noch abgetragen wird. Auf dieser Fläche entsteht dann das neue Rosensteinquartier. „Die Station ist eine Bereicherung für das neue Wohnviertel“, sagt Bernhard Bauer, Vorsitzender des Vereins Bahnprojekt Stuttgart-Ulm. 7000 Wohneinheiten soll es in dem neuen Quartier geben. „Die Bewohner haben dann kurze Wege zum ÖPNV“, so Bauer weiter.

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Erstellt:
8. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. November 2019, 06:00 Uhr

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