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Strahlen, die heilen
Die Strahlentherapie ist nach der Operation die wichtigste Maßnahme bei Krebs des zentralen Nervensystems wie etwa einem Hirntumor. Foto: Getty Images/Canopy
Von außen oder innen, gegen Krebs oder Arthrose: Die Radiotherapie wird immer gefragter

Strahlen, die heilen

Strahlung ist nicht greifbar, die Radiotherapie oft mit Angst behaftet, wie sich in unserer Telefonaktion zeigte. Entsprechend gefragt waren die Experten.

20.08.2016
  • IRIS HUMPENÖDER

Wegen meines Lymphoms wurde ich vor drei Jahren bereits bestrahlt, jetzt soll ich möglicherweise nochmals bestrahlt werden. Geht das überhaupt?

Eine zweite Radiotherapie ist durchaus möglich – unter bestimmten Bedingungen. Die hängen unter anderem davon ab, wie hoch die Dosis war und ob Sie die erste Behandlung gut vertragen haben. Außerdem sollte die letzte Bestrahlung etwa ein Jahr her sein.

Mir steht eine Bestrahlung nach Brustkrebs bevor. Was kann ich zur Hautpflege tun?

Vor der Bestrahlung werden Sie dazu umfassend von den Ärzten und geschulten Pflegekräften informiert. So viel vorweg: Sie sollten alle zusätzlichen Reizungen vermeiden, also beispielsweise auf Deo verzichten. Sie können die Brust aber mit klarem Wasser waschen.

Ich habe von einer Bekannten gehört, die nach der Bestrahlung braune Areale auf der Brust hatte.

Solche Hyperpigmentierungen kommen vor. Sie sind kosmetisch nicht angenehm, medizinisch aber harmlos. Sie tun nicht weh und können auch von selbst wieder abklingen.

Als Kind hatte ich Knochentuberkulose. Ich bin bestimmt hunderte Male geröntgt worden, habe bereits meinen 11. Röntgenpass voll. Strahle ich jetzt dann selbst?

Nein, da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Röntgenstrahlen treten durch das Gewebe hindurch und werden von ihm abgelenkt oder geschwächt, sie verbleiben aber nicht im Körper. Kontaktpersonen werden nicht geschädigt.

Ich habe Multiple Sklerose und war bereits mehrfach im MRT – inklusive Kontrastmittel. Jetzt habe ich gelesen, das könnte sich im Körper ablagern.

Studien weisen darauf hin, dass sich das Element Gadolinium aus Kontrastmitteln in einigen Geweben ablagern könnte. Bei MS ist es aber notwendig, Kontrastmittel zu geben, nur so lassen sich aktive Entzündungen feststellen. Dazu gibt es keine Alternative. Sie können aber nachfragen, welche Art Kontrastmittel verwendet wird. Es gibt das so genannte lineare und das makrozyklische. Letzteres ist etwas stabiler und bindet Gadolinium besser.

Ich habe eine Daumensattelgelenkentzündung. Der Facharzt hat mir zwölf Röntgenbestrahlungen verordnet. Mein Hausarzt meint, das sei eine seltsame Behandlung.

Die Schmerzbestrahlung bei degenerativen Gelenkerkrankungen gibt es schon seit hundert Jahren, die Strahlungsdosis ist dabei mittlerweile sehr gering. Die Schmerzen werden in etwa 70 Prozent der Fälle tatsächlich gelindert. In der Regel wird sechsmal bestrahlt und dann geschaut, ob eine Besserung eintritt. Wenn nicht, kann nachgelegt werden. So können etwa auch der so genannte Tennisellenbogen und der Fersensporn behandelt werden.

Ich habe Lungenmetastasen. Durch eine Immuntherapie sind sie alle kleiner geworden, bis auf eine. Die soll jetzt mit dem Cyberknife herausgeschnitten werden. Was halten Sie davon?

Beim Cyberknife handelt es sich um einen sehr teuren robotergestützten Linearbeschleuniger zur Radiochirurgie, von denen es in Deutschland etwa ein Dutzend gibt. Die bildkontrollierte Robotersteuerung des Systems bewegt das Cyberknife langsam an die vorberechneten Positionen, von denen aus der Tumor jeweils für wenige Sekunden bestrahlt wird. Da die Technologie relativ jung ist, liegen noch nicht für alle Einsatzmöglichkeiten Studien vor. Vor allem ist nicht geklärt, wie hoch der Vorteil gegenüber herkömmlicher Bestrahlung ist. In Ihrem Fall ist der Einsatz aber sicher nicht falsch.

Meine Prostata soll beidseitig bestrahlt werden, obwohl die linke Seite ohne Befund ist.

Das ist richtig, denn kleine Krebsherde lassen sich bildlich nicht darstellen, weshalb man immer die komplette Prostata bestrahlt.

Wie werden bei der Prostata-Bestrahlung benachbarte Gebiete geschützt?

Blase und Enddarm liegen wenige Zentimeter von der Prostata weg. Die Strahlendosis ist aber nur im zu bestrahlenden Gebiet hoch und geht daneben sofort steil herunter, so dass sie dort in der Regel keine Schäden anrichtet.

Nach meiner Prostatabestrahlung muss ich nachts oft raus. Kann man dagegen etwas machen?

Es kann sein, dass durch die Bestrahlung der Blasenschließmuskel gereizt wurde. Sprechen Sie mit Ihrem Strahlentherapeuten darüber, er kann Ihnen ein Medikament verschreiben, das den Schließmuskel kräftigt.

Bei mir wurden Eierstöcke und Gebärmutter operiert, ich habe Krebs. Jetzt sind drei Brachytherapien geplant. Ich habe große Angst davor.

Die müssen Sie nicht haben. Die Brachytherapie ist eine Bestrahlung von innen, die sehr gut verträglich ist. Sie bekommen einen Tubus in die Scheide, durch den das Bestrahlungsgerät eingeführt wird. Spätfolgen sind sehr selten, unter der Bestrahlung kann es mal zu Durchfall oder häufigerem Wasserlassen kommen. Selten wird die Scheide durch die Bestrahlung trockener und enger. Man kann sie dann aufdehnen und mit Gel behandeln. Die Nebenwirkungen sind also sehr gering, dafür steigen Ihre Chancen, dass der Tumor nicht wiederkommt.

Mein Kind hat einen Herzfehler und wird regelmäßig kathetert. Müssen wir uns über das Strahlungsrisiko Sorgen machen?

Nein. In Deutschland verwenden wir beim Röntgen Kinderfilter, die den Anteil der weichen Strahlungskomponente, die Gewebszellen verändern könnte, minimieren.

Nach der Bestrahlung sind meine Blutwerte okay. Meine Hausärztin meint, ich müsse nicht mehr zum Strahlentherapeuten.

Die Krebsnachsorge ist sehr wichtig und sie sollte immer individuell geplant werden. Deshalb haben wir so genannte Tumorboards eingerichtet, wo verschiedene Spezialisten die Fälle besprechen und die Behandlung genau planen, auch die Nachsorge. Mit Blutwerten allein ist es nicht getan. Sie sollten sich auch durch die Nachsorge führen lassen.

Ich hatte vor zehn Jahren, mit 25, Hodenkrebs. Damals wurde ich auch bestrahlt. Nun habe ich gehört, wer bestrahlt wurde, solle Transatlantikflüge vermeiden. Stimmt das?

Das ist Unsinn. Dann dürften Sie ja irgendwann nicht mehr atmen, denn auch die Luft enthält eine gewisse hochenergetische Strahlung. Die nimmt zwar in der Höhe, in der Langstreckenflugzeuge unterwegs sind, deutlich zu, aber Sie sitzen ja nicht 365 Tage im Jahr im Flieger.

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20.08.2016, 06:00 Uhr
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