Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Zölle

Strafzölle schmerzen deutsche Firmen

Der Handelskonflikt zwischen den USA und der Europäischen Union spitzt sich zu. Betroffen von den Abgaben sind viele Branchen: von Baumaschinen-Herstellern bis zu Winzern.

19.10.2019

Von THOMAS VEITINGER UND PHILIPP HRUSCHKA

Die Strafzölle der USA treffen auch die europäischen Baumaschinenhersteller. Foto: dpa

Ulm. Als Tobias Schmitt vor einigen Wochen die Nachricht im Internet las, dachte er nur: „Jetzt hat es uns auch erwischt.“ Auf einer Liste der US-Regierung tauchten seine Produkte auf. Seit Freitag 6.01 Uhr muss das Unternehmen Adler Werkzeuge aus Waghäusel bei Karlsruhe für Äxte, Beile und Hacken 25 Prozent mehr Steuern abführen. „Das trifft uns hart“, klagt der Geschäftsführer. „Wir liefern seit drei Jahren in die USA. Der Markt hat sich äußerst positiv entwickelt.“ Warum er für Airbus-Subventionen büßen müsse, versteht der Firmenchef nicht.

Die Strafzölle der USA auf EU-Produkte im Umfang von 7,5 Mrd. Dollar (6,8 Mrd. EUR) sind eine von der Welthandelsorganisation (WTO) gebilligte Reaktion auf europäische Staatsbeihilfen für die heimische Flugzeugindustrie. Der Streit um die Flugzeugimporte hatte 2004 begonnen, als die US-Regierung Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien vorwarf, Airbus illegal zu subventionieren. Die EU hatte bis zuletzt gehofft, die Zölle abwenden zu können, wie dies bislang bei Abgaben auf Autos gelungen war. Vergeblich.

Unter den betroffenen Produkten (siehe Info) sind Baumaschinen mit einem Exportwert von 230 Mio. EUR, optische Teile wie Kameralinsen – und eben Werkzeuge. „Die USA sind mit 8,5 Prozent Anteil an den Ausfuhren der deutschen Werkzeugindustrie der wichtigste Exportmarkt“, sagt Stefan Horst, Geschäftsführer Fachverband Werkzeugindustrie.

„Warum Zangen, aber nicht Schraubendreher, warum Äxte, aber nicht Hämmer davon betroffen sind, verstehen wir nicht“, sagt Horst. „Vielleicht sind die selektiven Strafzölle eine Reaktion auf den Erfolg der deutschen Hersteller auf dem US-Markt.“ Die betroffenen Produkte könnten problemlos woanders beschafft werden. Dietrich Birk, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württemberg, hält etwa die Baumaschinen-Bestrafung für einen möglichen Schutz des US-Herstellers Caterpillar. Die Liebherr, Bosch und Carl Zeiss konnten auf Anfrage dieser Zeitung eine Auswirkung auf ihr Unternehmen gestern nicht beziffern. Sprecher André Schwarz vom Außenhandelsverband vermutet, dass einen Keil zwischen die EU-Mitgliedsstaaten getrieben werden soll. Verhänge die EU ihrerseits Strafzölle, werde sich das „spürbar auf einige Branchen auswirken“.

Der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Weinexporteure, Christian Schwörer, spricht von erheblichen Auswirkungen“ der Strafzölle auf die deutschen Winzer. Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für deutschen Wein. 17 Prozent der gesamten Exportmenge und 23 Prozent des Gesamtwertes werden dorthin ausgeführt. Besonders die Regionen Mosel und Rheinhessen seien massiv betroffen.

Die durch die Zölle verursachten Mehrkosten werde man nicht immer an die Endkunden weitergeben können. Auch deshalb erwartet Schwörer einen erheblichen Rückgang der Geschäftstätigkeit. US-Importeure seien bereits auf der Suche nach Alternativen. Als für einzelne Winzer existenzbedrohend schätzt Schwörer die Lage zunächst nicht ein. Bei Betrieben, die sich auf das Exportgeschäft spezialisiert haben, sei dies nicht auszuschließen. Das Bundeswirtschaftsministerium stimmt sich derzeit mit der Europäischen Kommission ab, „um eine Lösung im Verhandlungswege zu erzielen.“ In wenigen Monaten könnte auch die EU durch eine WTO-Entscheidung ebenfalls zu Strafzöllen ermächtigt werden.

Schmitt von Adler Werkzeuge will die 25prozentigen zusätzlichen Zölle zusammen mit seinem US-Partner schultern: „Hoffentlich geht das nicht viele Jahre lang.“

Zum Artikel

Erstellt:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+