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Keine Panne

Straftäter bei Gauck-Empfang

Joachim Gauck besucht Chile: Beim Empfang sind Ex-Mitglieder der Colonia Dignidad geladen. Das Auswärtige Amt erklärt nun: Das war keine Panne.

03.08.2016
  • dpa

Die Juli-Reise von Bundespräsident Joachim Gauck nach Chile hat ein politisches Nachspiel. Ausgerechnet beim Empfang des deutschen Staatsoberhaupts in Santiago de Chile waren zwei Verantwortliche der ehemaligen deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad eingeladen. Das Bundespräsidialamt hat die Einladung am Tag danach bedauert. „Wir haben großen Wert auf eine sorgsame Auswahl der Gäste gelegt – vor allem im Hinblick auf die Geschichte der Colonia Dignidad.“

Nun teilte das Auswärtige Amt auf Anfrage des Fraktionsvize der Linksfraktion, Jan Korte, mit, die Einladung sei keine protokollarische Panne gewesen, sondern nach „einem Abwägungsprozess“ ergangen.

Bei den zwei Gästen handelte es sich um den wegen Kindesentführung und Kindesmissbrauchs verurteilten Reinhard Zeitler und den Ex- Chef der juristischen Abteilung der Sekte, Hans Schreiber. Die Colonia Dignidad und die chilenische Militärdiktatur unter Augusto Pinochet pflegten eine intensive Kooperation. Der pädophile Sektengründer Paul Schäfer, ein evangelischer Jugendpfleger, und die Schergen Pinochets waren Partner, nicht nur bei Mord und Folter, sondern auch beim Waffenhandel und bei der Herstellung von Giftgas. Politische Häftlinge wurden dort jahrelang gefoltert und als Zwangsarbeiter festgehalten, Kinder laut Zeugen kontinuierlich sexuell missbraucht.

Gauck hatte in Chile der Opfer der Diktatur wie der Opfer der Sekte gedacht. Er wollte sich aber nicht mit Hinterbliebenen treffen. Eine deutsche Verantwortung für die Verbrechen lehnte er ab, schloss sich aber Außenminister Frank-Walter Steinmeier an, der das unerträglich lange Schweigen der deutschen Diplomaten zu den Verbrechen thematisiert hatte und es seit April untersuchen lässt.

Was hat die Botschaft bewogen, die Herrn einzuladen? Mit „letzter Trennschärfe“ seien „die Grenzen zwischen Tätern und Opfern nicht zu ziehen“, erklärte das Außenamt jetzt. Frühere Bewohner der Colonia seien zur Täterschaft gezwungen worden und selbst Opfer gewesen.

Korte kann diese „Abwägung“ nicht nachvollziehen. Das Auswärtige Amt „verharmlost schwerste Straftaten“. Dies sei „ein Schlag ins Gesicht der Opfer“. Zeitler und Schreiber sind für die Nachfolgeorganisation der Colonia Dignidad „Villa Baviera“ tätig. Diese verweigere sich der Aufarbeitung der früheren Verbrechen, sagt Korte.

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03.08.2016, 06:00 Uhr
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