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Erinnerung an seine Verhaftung in der Stiftskirche

Stolperstein für Pfarrer Richard Gölz

Am Mittwoch wurde erstmals in der Tübinger Innenstadt ein Stolperstein verlegt. Er erinnert in der Stiftskirche an die Verhaftung des Wankheimer protestantischen Pfarrers und Kirchenmusikers Richard Gölz.

03.11.2012

Tübingen. Seine Verhaftung musste die Gemeindeglieder aufrütteln, erfolgte sie doch in der Stiftskirche während eines vorweihnachtlichen Gottesdienstes. An jenem Samstagmorgen, ein Tag vor Heiligabend, brachte die Gestapo Richard Gölz in das berüchtigte Polizeigefängnis nach Welzheim. Im Gestapo-Verhör bekannte er sich ausdrücklich dazu, Juden versteckt zu haben.

Der 1887 in Stuttgart geborene Theologe wäre in Tübingen selbst dann kein Unbekannter, wenn er sich nicht im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagiert hätte. Gölz war 1920, nach zehn Jahren als Gemeindepfarrer, im als Musiklehrer Tübinger Stift angestellt worden. Nach Kräften förderte er den reformatorischen Kirchengesang, wovon auch sein 1934 veröffentlichtes Chorgesangbuch kündet.

Von 1935 bis 1945 arbeitete Richard Gölz als Pfarrer in Wankheim. Er gehörte der Bekennenden Kirche an, verweigerte den Eid auf Hitler und beteiligte sich an der württembergischen Pfarrhauskette, die untergetauchten Juden Zuflucht gewährte. Dass auch das Wankheimer Pfarrhaus zeitweise Asyl bot, wurde denunziert und führte zu der Festnahme. Gölz überlebte den Gefängnisaufenthalt und wurde am 19. April 1945 befreit. Der 1949 zur russischen Orthodoxie übergetretene Pfarrer zog 1958 in die USA, wo er 1975 starb. Posthum wurden er und seine Frau 1992 in Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Damit wird an das Schicksal von Personen erinnert, die von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und/oder ermordet oder in den Freitod getrieben wurden. Der Tübinger Gemeinderat hat sich dagegen ausgesprochen, in der Innenstadt Stolpersteine zu verlegen. Der an Gölz erinnernde Stolperstein wurde indes im Eingangsbereich der Stiftskirche in den Fußboden eingebaut. Auf Bürgersteigen der Tübinger Südstadt hat Demnig vorigen November 26 Stolpersteine verlegt, die an deportierte Juden erinnern. jol

Stolperstein erinnert in der Stiftskirche an die Verhaftung von Pfarrer Richard Gölz. Bild: Sommer

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Erstellt:
3. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. November 2012, 12:00 Uhr

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