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Sterbenden Mann in Bank ignoriert
Ein Kunde steigt einfach über die Beine des Bewusstlosen: Foto der Überwachungskamera im Vorraum der Essener Bankfiliale am 3. Oktober 2016. Foto: dpa
Prozess

Sterbenden Mann in Bank ignoriert

Ein 83-Jähriger liegt bewusstlos im Vorraum einer Essener Bankfiliale. Vier Kunden stören sich nicht an ihm und erledigen ihre Geschäfte an den Automaten. Drei von ihnen stehen heute vor Gericht.

18.09.2017
  • HELGE TOBEN, DPA

Essen. Eine Bankfiliale in Essen-Borbeck am 3. Oktober 2016. Im Vorraum bricht ein 83-jähriger Mann zusammen und liegt neben den Bankautomaten. Die Überwachungskamera filmt vier Bankkunden, die um ihn herumgehen oder über ihn hinwegsteigen. Erst der fünfte alarmiert den Arzt. Der Rentner stirbt eine Woche später. Drei der vier Kunden, die das Video zeigt, müssen sich von heute an wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht verantworten.

Die Empörung in Deutschland war groß. „Wie abgestumpft muss man sein, um hier nicht zu reagieren?“, schimpft jemand auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Jeder hat schließlich ein Handy!“ Ein anderer: „Es hätte euer Vater oder Opa sein können.“ Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) sagt, er sei „nachdenklich und betroffen zugleich“, Essens Bischof Franz-Josef Overbeck zeigt sich erschüttert.

In der Anklageschrift werden die entscheidenden Momente festgehalten: Demnach will der Rentner seine Bankgeschäfte an einem Überweisungsautomaten erledigen. Binnen weniger Minuten stürzt er zweimal rückwärts, er kommt dabei mit dem Kopf auf dem Fliesenboden auf. Nach seinem dritten Sturz bleibt er liegen.

Wenige Minuten später betreten nacheinander vier Kunden die Filiale. „Die Angeklagten sollen den auf dem Boden liegenden Mann nicht beachtet und sich nicht um ihn gekümmert haben“, wirft ihnen die Anklagebehörde vor.

Die drei Stürze des Rentners passieren zwischen 17:02 und 17:04 Uhr, teilt das Landgericht Essen mit. Die vier Kunden betreten den Vorraum zwischen 17:10 und 17:16 Uhr. Erst der fünfte Kunde setzt um 17:23 Uhr den Notruf ab.

Weitere 20 Minuten später trifft ein Rettungswagen ein und bringt den Bewusstlosen in eine Klinik. Das Bewusstsein erlangt er nicht wieder, er stirbt eine Woche später.

Ein Gutachten ergibt, dass der 83-jährige Mann auch gestorben wäre, wenn ein Arzt sich hätte früher um ihn kümmern können. Laut Obduktion hatte er eine Schädel-Hirn-Verletzung erlitten, die vom Sturz auf den Hinterkopf stammen könnte.

„Für Obdachlosen gehalten“

Für viele unverständlich bleiben die Reaktionen der Bankkunden. Zwei der Angeklagten sagten nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft aus, sie hätten den zusammengebrochenen Mann für einen Obdachlosen gehalten.

Allerdings wertet die Staatsanwaltschaft das als Schutzbehauptung. Denn der Mann hatte zum Beispiel weder Plastiktüten noch einen Schlafsack dabei. Dagegen spreche auch die Position, in der der Mann auf dem Fliesenboden gelegen hat.

Vor Gericht stehen von heute an ein 55-jähriger Mann aus Oberhausen sowie eine Frau (39) und ein Mann (21) aus Essen. Die Verhandlungsfähigkeit des vierten Angeklagten, eines 55 Jahre alten Mannes aus Essen, wird noch geprüft, das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt.

Sechs Zeugen sind zur Verhandlung vor dem Landgericht geladen. Neben vier Polizisten und dem Mann, der den Notruf wählte, wird auch die Tochter des gestorbenen Rentners erwartet. Nach Einschätzung des Gerichts könnte noch heute das Urteil fallen. Helge Toben, dpa

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18.09.2017, 06:00 Uhr
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