Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Bayerisches Kabinett: Münchner Konzertsaal soll am Ostbahnhof entstehen

"Steilflug nach oben"

Der neue Münchner Konzertsaal entsteht nicht im Stadtzentrum, sondern am Ostbahnhof. Damit setzt das bayerische Kabinett einen vorläufigen Schlussstrich unter eine fast 15 Jahre währende Debatte.

09.12.2015
  • GEORG ENTSCHEIT, DPA

München. Weltwelt sind in den vergangenen Jahren für ein wachsendes Klassikpublikum neue, attraktive Konzertsäle entstanden. Selbst im kleinen Blaibach im tiefsten Bayerischen Wald wurde für den verhältnismäßig geringen Betrag von zwei Millionen Euro ein Konzerthaus gebaut, das akustisch wie architektonisch Maßstäbe setzt. Sogar die Hamburger Elbphilharmonie scheint doch irgendwann mal fertig zu werden. Und München? Mit drei Spitzenorchestern, alle geleitet von Megastars - Kirill Petrenko, Waleri Gergijew, Mariss Jansons -, ist die Metropole eine der wichtigsten Musikstädte weltweit. Doch mit dem zu kleinen Herkulessaal in der Residenz und der Philharmonie im Gasteig-Kulturzentrum, die wegen ihrer Akustik immer wieder scharf kritisiert wird, fehlte bislang ein Saal von Weltniveau. Das soll sich ändern: Gestern beschloss das bayerische Kabinett, in der Landeshauptstadt einen neuen Konzertsaal zu bauen und setzte damit einen vorläufigen Schlusspunkt unter ein fast 15 Jahre dauerndes Gezerre.

Entstehen soll der Saal, ganz unmünchnerisch, auf einer unspektakulären Industriebrache am Ostbahnhof, bislang als "Kultfabrik" eine Partylocation fürs Jungvolk. Das frühere Areal der Pfanni-Fabrik soll zu einem attraktiven Stadtteil mit Wohnungen, Hotels, Ateliers und Gastronomie entwickelt werden. Von einem "Kreativviertel" spricht Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle. "Es wird ein Steigflug möglich sein, und zwar nach oben."

Nachdem die Debatte jahrelang sehr grundsätzlich geführt worden war, war es zuletzt - nachdem ein zunächst favorisierter Umbau des Gasteigs nicht durchzusetzen war - vor allem um die Standortfrage gegangen. Zahlreiche Vorschläge wurden vorgestellt und verworfen. Kurz vor Toresschluss hatte noch Stararchitekt Stephan Braunfels vorgeschlagen, das aus der Nazizeit stammende Gebäude des heutigen Landwirtschaftsministeriums an der Ludwigstraße abzureißen und an seiner Stelle ein luftig-ufoartiges Konzertsaal-Etwas zu bauen, das an einen abgeschnittenen Tornado erinnert.

Doch das Kabinett ließ sich nicht mehr beirren und votierte für das "Werksviertel". Eine "Erbpachtlösung" soll es geben, sagte Spaenle nach der Kabinettssitzung. Über einen Zeitraum von 50 Jahren werde das 30 Millionen Euro kosten, Bauherr ist die Staatsregierung.

Das Gelände ist frei, schon erschlossen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Ein Grund für die Entscheidung sei "die zeitliche Verfügbarkeit mit einer möglichen Inbetriebnahme bis Ende 2021", teilte die Staatskanzlei mit. Denn die Zeit drängt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Ministerpräsident Horst Seehofer sehr gerne noch im Laufe seiner bis 2018 dauernden Amtszeit den Grundstein legen würde. Außerdem könnte der neue Saal als Ausweichquartier für die Münchner Philharmoniker dienen, die von 2020 an die Philharmonie im Gasteig wegen dringender Sanierungsarbeiten räumen müssen.

Zuletzt war nur noch ein weiterer Standort im Rennen: die alte Paketposthalle westlich des Hauptbahnhofs. Eine Investorengruppe wollte in die riesige denkmalgeschützte Stahlbetonkuppel gleich eine ganze "Musikstadt" implantieren. Dieser Vorschlag wäre zwar spektakulärer als ein Konzertsaal im Werksviertel, aber wohl auch deutlich teurer gewesen. Außerdem müsste vorher die Post mit ihrem Briefverteilzentrum ausziehen. Allein die Erschließung des Geländes hätte mehr als 100 Millionen Euro kosten können.

Die künftigen Hauptnutzer des neuen Saals, das renommierte Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, fand sich am Ende nur noch in der Zuschauerrolle. Eigentlich hatten die Musiker, deren Chefdirigent Mariss Jansons die Konzertsaal-Debatte maßgeblich mit angestoßen hatte, das mitten im Stadtzentrum gelegene Areal des Finanzgartens präferiert. Doch hier legten sich Umweltschützer quer, die um den alten Baumbestand fürchteten.

Doch traurig ist man nicht, dass jetzt nicht in der Altstadt, sondern an der Peripherie gebaut wird. Jansons freute sich gestern: "Ein großes Geschenk für die Münchner, die Bayern, die gesamte Musikwelt und nicht zuletzt für das Symphonieorchester und den Chor des Bayerischen Rundfunks."

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

09.12.2015, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg Meistersinger der Propaganda
Kulturgeschichte Himmel und Hölle

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Kommentar zur US-Missbrauchsstudie Blick in Abgründe
Leitartikel zum Verhältnis Europas zur Türkei Am längeren Hebel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular