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Telefonaktion

Stechen, scannen, spritzen, pumpen

Die Diabetes-Therapie macht technische Fortschritte. Das Ziel aber bleibt, den Blutzuckerwert optimal einzustellen. Das geht nur, wenn Patienten mitmachen.

18.01.2019

Von IRIS HUMPENÖDER

Bei Diabetikern mit einer Insulinpumpe wird der Körper über einen Katheter im Unterhautfettgewebe mit Insulin versorgt. Foto: dpa-Zentralbild

Ulm. Gefragte Experten: Die Diabetologen Prof. Andreas Fritsche (Uniklinik Tübingen) und Privatdozent Christian Denzer (Uniklinik Ulm) sowie der Diabetesberater Andreas Vosseler (Tübingen) betonten vor allem: Das Wichtigste bei Diabetes ist, dass der Blutzucker und weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck und zu hohes Cholesterin optimal eingestellt sind.

Bekomme ich auch als 86-Jähriger mit Typ1-Diabetes noch eine Insulinpumpe? Und wenn ja, wie?

Ob die Pumpe Sinn macht, hängt nicht vom Alter, sondern eher davon ab, wie gut man mit technischen Geräten zurechtkommt und ob die Blutzuckerwerte schwanken. Wenn Sie eine gute Einstellung mit einem konstant guten Langzeitzuckerwert haben und seit vielen Jahren gut mit den Pens zurechtkommen, haben sie gesundheitlich nicht unbedingt Vorteile durch die Pumpe.

Wie sieht so eine Insulinpumpe aus?

Etwa halb so groß wie ein Handy, mit einer Kartusche für Insulin. Das reicht je nach Bedarf etwa eine Woche. Das Insulin wird über einen dünnen Infusionsschlauch verabreicht, der mit einer Nadel im Unterhautfettgewebe befestigt ist. Die Pumpe bedeutet mehr technischen Aufwand. Sie müssen öfter ihre Blutzuckerwerte kontrollieren und die Insulinmenge anpassen.

Was ist der Vorteil von Sensoren zur Gewebezuckermessung und bezahlt sie die Kasse?

Für Typ 1-Diabetespatienten ja, bei Typ 2-Diabetes nur, wenn Sie mehrmals am Tag Insulin spritzen. Der Sensor misst kontinuierlich und sagt den Trend des Zuckerspiegels voraus. Sie können ein vollständiges Zucker-Profil über 24 Stunden bekommen. Ein weiterer Vorteil ist ein Alarmsignal, das bei sehr hohen und niedrigen Werten warnt.

Ich habe Diabetes und bei meinem Enkel zum Spaß nach dem Essen seinen Blutzucker gemessen. Der war bei 178 mg/dl. Ist er krank?

So ein Wert kann nach dem Essen durchaus vorkommen. Ein Alarmzeichen wäre es erst, wenn spontan gemessene Blutzuckerwerte 200 mg/dl überschreiten oder der Nüchternblutzucker über 100 und insbesondere höher als 126 mg/dl liegt. Wenn weitere wichtige Symptome wie Gewichtsabnahme, großer Durst und häufiges Wasserlassen bestehen, sollte unbedingt rasch ein Arzt aufgesucht werden.

Was muss ich als Diabetikerin bei meiner Ernährung beachten?

Am besten fragen Sie Ihren Arzt oder die Kasse nach einer Ernährungsberatung. Prinzipiell gilt es, vor allem Nahrungsmittel zu meiden, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen. Hierzu gehören zum Beispiel Limonaden und Fruchtsäfte. Insgesamt sollte man ausgewogen essen und Normalgewicht anstreben.

Wie hoch darf denn der Blutzucker sein?

Bei Gesunden sollte er morgens nüchtern gemessen zweistellig sein. Bei Diabetespatienten gelten individuelle Zielwerte. Wenn Sie sich Sorgen machen, lassen Sie vom Hausarzt Ihren Langzeitzucker messen. Der Normalwert für diesen so genannten HbA1c-Wert liegt bei Menschen ohne Diabetes etwa zwischen 4 und 6 Prozent, je nach Labor.

Vor meiner Hüft-OP musste ich das Metformin absetzen. Soll ich es jetzt noch nehmen?

Metformin ist ein seit langem bewährtes und wichtiges Mittel, um den Blutzucker zu senken. Es wurde ursprünglich aus der Geißraute gewonnen und senkt auch das Herzinfarktrisiko von Diabetikern. Sie sollten es also weiter nehmen.

Ich bekomme von Metformin Durchfall. Was tun?

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Metformin-Alternativen. In den vergangenen Jahren sind sehr viele Anti-Diabetika auf den Markt gekommen, die Metformin ersetzen können.

Ich habe seit fast 50 Jahren Diabetes Typ1 und einen HbA1c-Wert von 7 Prozent. Manchmal merke ich aber nicht, wenn mein Blutzuckerspiegel unter 50 mg/dl fällt. Einmal bin ich schon ohne Vorwarnung bewusstlos gewesen.

Die Unterzuckerung kann lebensgefährlich sein. Sie sollten deshalb einen höheren Langzeitzuckerwert anstreben.

Meine Tochter wird in der Schule gehänselt, weil sie ihren Blutzucker messen muss. „Du spritzt Drogen“, hat ihr schon mal ein Mitschüler gesagt. Jetzt traut sie sich nicht mehr zu messen.

Reden Sie mit den Lehrern und fragen Sie den Diabetologen nach einer Fachkraft, die in die Schule kommen kann und den Kindern die Krankheit und den Umgang damit erklärt. Unsere Erfahrung zeigt, dass danach eine Welle der Hilfsbereitschaft anrollt.

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Erstellt:
18. Januar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Januar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 06:00 Uhr

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