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Aktion

Start ohne Schuss

Ein Staffellauf für eine Welt ohne Waffen: Friedensaktivisten laufen von Oberndorf bis Berlin. Auftakt war am Stammsitz der Rüstungsfirma Heckler & Koch.

22.05.2018

Von PETRA WALHEIM

Punkt 12 Uhr startete der Staffellauf für den Frieden in Oberndorf. Er führt in 13 Tagen nach Berlin. Foto: Steffen Schmidt/dpa

Oberndorf. Die zwei älteren Damen sind mit ihren Walking-Stöcken gekommen. Nein, sie werden beim Staffellauf für den Frieden nicht dabei sein. Sie seien aus Interesse da, sagt die eine. Die Namen möchten sie nicht nennen und mit der Presse „eher nicht“ sprechen. Sie leben in Oberndorf (Kreis Rottweil) und sind deshalb zurückhaltend. Aber sie sind da. Immerhin. Damit haben sie gewagt, was sich die meisten Oberndorfer nicht getraut haben. Sie sind zur Kundgebung vor den Toren des Waffenherstellers Heckler & Koch gekommen, dem größten Arbeitgeber am Ort.

Dort haben sich gestern mehr als 200 Friedensaktivisten, Rüstungsgegner und friedliebende Menschen getroffen, um gegen Rüstungsexporte und Waffenhandel zu demonstrieren. Die Redner appellierten an die Waffenhersteller, nicht länger Rüstungsgüter herzustellen, die in der ganzen Welt unsägliches Leid und Tod verursachten. Sie forderten die Umstellung auf zivile Güter, damit nicht länger 526 000 Menschen pro Jahr durch Waffen getötet würden. „Dafür ist die Rüstungsindustrie verantwortlich.“

Ebenso wie für 40 Prozent der Korruptionsfälle weltweit. Wie das Korruptions-System funktioniert, hatte am Sonntagabend die preisgekrönte Dokumentation „Shadow World“ gezeigt. Andrew Feinstein, der in Südafrika gelebt hatte, hatte dort einen Korruptions-Skandal aufgedeckt und ein Buch geschrieben. Es ist die Vorlage für den Film. Feinstein war aus London nach Oberndorf gereist, um seinen Film erstmals in Deutschland zu zeigen. Sein Appell und der der anderen Redner geht auch an die Politik. „Unsere Verantwortung ist, der Politik klarzumachen, dass die Rüstungsgeschäfte nicht in unserem Namen und nicht mit unseren Steuergeldern geschehen dürfen.“ Dafür soll der Staffellauf „Frieden geht“ ein Zeichen setzen. „Mit jedem Schritt, den Ihr auf diesem Friedensmarsch geht, werdet Ihr den Frieden näher bringen“, sagte Feinstein.

Punkt 12 Uhr wurden um die hundert aufgeblasene Butterbrot-Tüten mit einem Knall zum Platzen gebracht. „Einen Startschuss gibt es bei uns nicht“, sagte Max Weber vom Organisationsteam. Gleichzeitig stiegen blaue Luftballons und weiße Ballons in Taubenform in die Luft. Geplant war, zum Start 100 Tauben fliegen zu lassen. Dagegen hatten Tierschützer protestiert und eine Gegendemo angedroht.

Um die 40 Teilnehmer machten sich gestern auf die erste von insgesamt 83 Etappen des Friedenslaufs. Er führt in 13 Tagen nach Berlin, wo am 2. Juni eine Großkundgebung geplant ist. Bundesweit haben sich bislang 1000 Teilnehmer angemeldet. Unter ihnen war gestern Willi Koch aus Denkingen bei Spaichingen (Kreis Tuttlingen), der als Wegzeiger mit dem Rad voraus fuhr. Er ist mit seiner Frau Beate nach Oberndorf gekommen. Beide sind seit ihren Studentenzeiten in der Friedensbewegung aktiv. Jetzt sind sie im Ruhestand und haben die Zeit, zunächst bis Frankfurt mit dabei zu sein.

Willi Koch ist noch ganz ergriffen vom ökumenischen Gottesdienst, der vor der Kundgebung in der Klosterkirche stattgefunden hat. „Der hat meine letzten Bedenken weggewischt“, sagt er. Im Gottesdienst hatten die Priester „um den pfingstlich klaren Geist“ gebeten. „Nur so kommen wir zum Frieden.“

Frieden, das war das Anliegen aller, die gestern nach Oberndorf gekommen sind. „Mit dem Lauf tragen wir unseren Widerstand gegen die Rüstungsexporte symbolisch auf die Straße. Wir bewegen uns und wollen damit auch andere Menschen in Bewegung bringen“, sagt Richard Bösch, Geschäftsführer und Friedensreferent des Diözesanverbands Rottenburg-Stuttgart von Pax Christi, einer internationalen ökumenischen Friedensbewegung der katholischen Kirche. Die evangelischen und katholischen Kirchen in Baden und Württemberg sind unter den insgesamt 18 Trägerorganisationen, die den Staffellauf veranstalten. Vertreter der Stadtverwaltung waren nicht dabei.

„Es hätte nicht besser laufen können“, sagte nach dem Startknall Max Weber. „Das hier hat alle unsere Erwartungen übertroffen.“

grafik swp Foto: grafik swp

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Erstellt:
22. Mai 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Mai 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2018, 06:00 Uhr

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