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Den Teufelskreis durchbrechen

Start der Aktionswoche zum Thema Armut und Krankheit

"Armut macht krank - Krankheit macht arm": Unter diesem Motto ist gestern die Aktionswoche der Liga der Wohlfahrtspflege gestartet. Ziel ist etwa, Medikamente und Arztbesuche für alle bezahlbar zu machen.

13.10.2015
  • EPD

Stuttgart Gesundheit ist für Hartz-IV-Empfänger und andere armutsgefährdete Menschen nach Ansicht der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg kaum noch zu bezahlen. Viele lebten in einem Teufelskreis: "Armut macht krank - Krankheit macht arm", das sei empirisch belegt. Doch auch Menschen mit wenig Geld hätten ein Recht auf gute medizinische Versorgung, betonte Liga-Vorstandsvorsitzende Eva-Maria Armbruster zum Auftakt der landesweiten Aktionswoche Armut gestern in Stuttgart.

"Wir fordern deshalb eine Politik, die der wachsenden sozialen und gesundheitlichen Ungleichheit entgegenwirkt", so Armbruster. Bei Menschen mit Armutsrisiko sei die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich geringer - bei Frauen um bis zu acht Jahre, bei Männern sogar bis zu elf Jahre. Bundesweit hätten trotz Versicherungspflicht rund 77 500 Menschen keine Krankenversicherung, machte Armbruster deutlich. Dazu zählten zum Beispiel ausländische Bürger, obdachlose Menschen oder Selbstständige mit einem kleinen Umsatz.

Auch der Hartz-IV-Regelsatz für Gesundheitspflege greife mit rund 17 Euro monatlich für einen Alleinstehenden viel zu kurz. Zuzahlungen zu Medikamenten und Heilmitteln von jeweils bis zu zehn Euro sowie hohe Kosten für nicht verschreibungspflichtige Medikamente seien da kaum zu schultern.

Menschen mit langwierigen und hartnäckigen Erkrankungen treffe dies besonders. Wie sehr, schilderte Sylvia Wizemann vom Erwerbslosenausschuss ver.di Stuttgart. Sie ist Diabetikerin. Allein für Insulin und Spritzen zahle sie mehr als 20 Euro zu. Hinzu kämen Cremes für die trockene Haut, auch die teureren Vollkornprodukte gingen ins Geld. Für andere Erkrankungen brauche sie ebenfalls Heilmittel und Hilfen.

Die Liga fordert mehr Aufmerksamkeit von Ärzten und Behörden. Wer krank sei, müsse ärztliche Hilfe und notwendige Heil- und Hilfsmittel bekommen, auch Zahnersatz und Brille. Es brauche mehr Ressourcen für eine gut ausgestattete Gesundheitsförderung vor Ort und eine gesicherte Finanzierung für niedrigschwellige Angebote. Bisher sei es nicht gelungen, einen Finanzierungsmix mit Kommunen, Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung für solche Anlaufstellen zu erzielen, beklagte Roland Saurer, Sprecher des Netzwerks der Basis- und Betroffeneninitiativen.

Jakob Reineke, Projektkoordinator von MedMobil Stuttgart, beobachtet in den medizinischen Sprechstunden einen deutlich steigenden Bedarf. Die Zahl der Menschen ohne Papiere, Unterkunft und Versicherung wachse. Die Betroffenen fänden wegen verschiedener Barrieren nicht ins Regelsystem. Manchmal fehle ihnen eine Versicherung oder Geld für Rezeptgebühren, manchmal scheiterten sie aber auch an hohen bürokratischen Anforderungen oder an ihrem eigenen Schamempfinden nach Negativerfahrungen. "Sie haben oftmals keine Lobby", beklagte Reineke.

Die Politik müsse Teilhabe und Selbstbestimmung kranker Menschen sowie die gesellschaftliche Solidarität fördern, machte Armbruster deutlich. Es werde zudem höchste Zeit, dass der erste Armutsbericht der Landesregierung endlich veröffentlicht werde. Er lasse seit Ende Juli auf sich warten.

Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) zufolge sollen die Gesundheitsämter künftig die politischen Entscheidungsträger vor Ort stärker als bisher in regionalen bevölkerungsmedizinischen und gesundheitsplanerischen Fragen unterstützen. Die Einrichtung kommunaler Gesundheitskonferenzen in den Stadt- und Landkreisen werde zur Pflichtaufgabe, sagte Altpeter.

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13.10.2015, 12:00 Uhr
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