Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Tourismus

Ständig unter Druck, Ausbeutung, Schmerzen

Spaniens Zimmermädchen gehen für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße

24.08.2019

Von DPA

Schluss mit Ausbeutung: die Zimmermädchen (von links) Amalia, Maria und Vicky sowie Vickys Tocher (vorne). Foto: Emilio Rappold/dpa

Alicante. Die 52-jährige Amalia beteuert, sie übertreibe nicht. „Wir werden schlechter behandelt als Tiere“, sagt sie. „Mit uns kann man praktisch alles machen.“ Mit „wir“ meint Amalia die 200 000 Zimmermädchen in spanischen Hotels und anderen Touristenunterkünften. Jetzt protestieren sie.

In mehreren Städten wollen die „Camareras de piso“ am Sonntagabend auf die Straßen gehen, um auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen. Auf den Balearen-Inseln Ibiza und Formentera wollen sie gar – mitten in der Hochsaison – 48 Stunden lang, das gesamte Wochenende über, die Arbeit niederlegen.

Die Demos und Streiks werden von den Regionalverbänden der 2016 gegründeten Interessenvertretung „Las Kellys“ organisiert. „Las Kellys“ wird von den Anfangssilben des Spanischen „Las que limpian“ (Die, die sauber machen) abgeleitet. „Die Gewerkschaften haben uns kaum geholfen. Wir haben gemerkt, das wir uns selber helfen mussten“, sagt Maria Fresneda (60), die Sprecherin der Gruppe in Alicante.

Jede „Camarera“ muss 20 bis 30 Zimmer pro Tag schaffen, manchmal auch mehr, berichten die „Kellys“. Im Schnitt habe sie pro Zimmer nur 15 bis 20 Minuten Zeit.

Da die Frauen auch für die Reinigung anderer Bereiche des Hotels zuständig sind, reicht das weder vorne noch hinten. Die Folgen sind unbezahlte Überstunden und ein stressiges Rennen gegen die Uhr, dem oft Toiletten- oder Essenspausen zum Opfer fallen.

„Ganz schlimm ist es, wenn es an einem Tag besonders viele Check-out-Zimmer gibt. Nicht selten brauchst du dann eine oder eineinhalb Stunden für eine einzige Komplettreinigung“, sagt Vicky (40). Man finde auf den Zimmern Erbrochenes, Sand vom Strand, zerbrochene Flaschen, schmutzige Windeln auf den Betten und „vieles mehr“.

Rücken- und Gelenkprobleme

Geschätzt 99 Prozent der Putzkräfte sind Frauen. Sie müssen Möbel rücken, Matratzen heben und die schweren Wäschewagen von Zimmer zu Zimmer schieben. Dazu sind sie aggressiven Reinigungsmitteln ausgesetzt, die Allergien auslösen können.

Die Mehrheit der Zimmermädchen bekommt irgendwann Rücken- und Gelenkprobleme. Amalia erzählt von Eingriffen an der Halswirbelsäule. „Bin für immer und ewig kaputt.“ Maria sagt: „Im Sport ist Doping verboten. Bei uns ist es aber Alltag, und allen ist es offenbar egal. Ohne Medikamente gegen Schmerzen, Übermüdung und Depressionen hält man die unmenschliche Arbeit, die wir machen, nicht aus.“

Neben einer verbindlichen Regelung der Arbeitsbelastung fordern die „Kellys“ das Recht auf Vorruhestand, die Anerkennung von mehr Gesundheitsproblemen als Berufskrankheit und das Ende der Auslagerung an Fremdunternehmen. Die Tourismus-Ministerin der sozialistischen Regierung, Reyes Maroto, stellte jüngst Verbesserungen in Aussicht. Aber von Versprechungen haben die „Kellys“ genug. Carreño: „Wir streiken!“. dpa

Zum Artikel

Erstellt:
24. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. August 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+