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Wohnraum

Stadtteil der kurzen Wege

Das Olga-Quartier mit 220 Wohnungen ist fast fertiggestellt und bezogen. Vieles wurde hier anders gemacht als bei bisherigen Bauprojekten.

30.01.2020

Von BARBARA WOLLNY

Rüdiger Arendt, Sprecher der Initiative „Olgäle2012“, ist stolz auf das neue Quartier und hat es von Anfang an mitgeplant. Er selbst wohnt auf dem Areal. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Die zwölf Jahre Arbeit haben sich gelohnt. Im Unterschied zu anderen Projekten haben wir uns nicht gegen, sondern für etwas engagiert. Da bringt man sich viel eher ein“, sagt Rüdiger Arendt, Sprecher der Projektgruppe „Olgäle2012“. Im vorigen Sommer ist der 69-Jährige mit seiner Frau in die neue Wohnung auf dem Olga-Areal eingezogen und glücklich in der neuen Umgebung. „In unserem Haus wohnen auch 15 Kinder. Das tut uns älteren Menschen gut.“ Außerdem gefällt es ihm, dass er dauernd Leuten begegnet, die er von der Gruppenarbeit kennt und die jetzt auch ihre Wohnungen bezogen haben. „Es ist ein bisschen wie ein Dorf in der Stadt hier.“

Auf dem Gelände im Stuttgarter Westen ist seit 2016 ein komplett neues Quartier mit insgesamt 220 Wohnungen entstanden, davon sind 50 Prozent gefördert. Die 32 000 Quadratmeter große Fläche zwischen Breitscheid- und Lindenspürstraße war frei geworden, nachdem das Kinderkrankenhaus „Olgäle“ an seinen neuen Standort beim Katharinenhospital umgezogen war. Ein Lebensmittelladen, eine Kindertages- stätte, ein Nachbarschaftszentrum sowie verschiedene andere Betriebe wie Apotheke und Cafés komplettieren das Ensemble. Das Areal ist wie ein Stadtteil der kurzen Wege.

Von außen wirkt die neue Bebauung mit den hohen Fassaden nicht sonderlich originell. Betritt man aber die Freiflächen und Innenhöfe innerhalb des Grundstücks, fügt sich die aufgelockerte Bebauung mit vielen unterschiedlichen Hausformen zu einem abwechslungsreichen Viertel zusammen, das mit seinen kleinräumigen Dimensionen überzeugt – auch wenn die Bewohner noch sehnlich auf die Fertigstellung der Außenanlagen warten.

„Wir sehen hier eine neue Dimension, wie man Stadt erleben kann“, zeigt sich Bernhard Mellert (Grüne), Bezirksvorsteher in Stuttgart-West, unumwunden begeistert und wünscht sich eindeutig mehr solcher Projekte für sein Viertel. „Das starke bürgerschaftliche Engagement der Initiativen, die mitgewirkt haben, stärkt insgesamt unsere Stadtgemeinschaft.“ Die überwiegend aus Bewohnern des Stuttgarter Westens bestehende Bürgerinitiative „Olgäle2012“ koordinierte auch die sieben Baugemeinschaften, die neben den Wohnbaugesellschaften auf dem Gelände bauten.

Sie wurden anfangs jedoch von der Stadt nicht als Bauherren akzeptiert. Erst 2012 mit einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats zur Vergabe von Grundstücken an Baugemeinschaften und dem Prinzip der Konzeptvergabe änderte sich das. Bis dahin wurden Grundstücke an den Investor verkauft, der den höchsten Preis bezahlte. Bei der Konzeptvergabe entscheidet die Qualität der Planungen. Damit erhielten auch Baugemeinschaften die Chance, Grundstücke zu erwerben.

„Unsere wichtigsten Ziele haben wir erreicht: die Schaffung günstigen Wohnraums und eine soziale Durchmischung der Bewohner“, zeigt sich Arendt zufrieden. Alle Häuser seien als Mehrgenerationenhäuser konzipiert und der Durchschnittspreis von 4200 Euro pro Quadratmeter liege weit unter den sonst üblichen 7000 bis 8000 Euro, die für Neubauten im Westen verlangt werden. Er erklärt, dass Baugemeinschaften billiger bauen würden, weil jeder einzelne Schritt auf Wirtschaftlichkeit geprüft würde und zudem die Grundsteuer nur einmal anfalle.

Frischer Wind unter Bauträgern

„Die Kollegenschaft sieht das Projekt mehrheitlich positiv. Hier wurde nach einem städtebaulichen Wettbewerb ein Konzept der kurzen Wege verwirklicht. Da will man im innerstädtischen Bauen hin“, zeigt sich auch Thomas Herrmann von der Stuttgarter Architektenkammer angetan von dem neuen Quartier.

Die privat organisierten Baugemeinschaften brächten frischen Wind in die Arbeit der klassischen Bauträger. „Man spürt die Vielzahl der Akteure an den unterschiedlichen Bauformen im Areal und die positive Kraft der Konzeptvergabe“, so Architekt Herrmann, der gleichzeitig meint, dass es immer Luft nach oben gebe: „Von der Internationalen Bauausstellung erhoffen wir uns noch weitergehende Entwürfe für innovatives urbanes Bauen.“

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Erstellt:
30. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2020, 06:00 Uhr

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