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Wohlklang im Chaos

Stadthallen-Simulation: Reutlinger Delegation im Akustiklabor

Im Akustiklabor der Uni Stuttgart konnte sich gestern eine Delegation aus Reutlingen mit OB Barbara Bosch an der Spitze einen ersten Eindruck vom Wohlklang der neuen Stadthalle verschaffen. Und dabei auch einen virtuellen Blick in den imposanten Großen Saal werfen.

03.12.2010
  • uschi kurz

Stuttgart / Reutlingen. Entwickelt wurde das akustisch-visuelle Modell von Bauphysik- und Akustikstudenten der Fakultät für Architektur- und Stadtplanung Stuttgart in Kooperation mit dem Institut für Technische Akustik Aachen.

Neben OB Bosch, Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, Stadthallenprojektleiter Klaus Kessler und einem halben Dutzend Stadträte nahm auch der künftige Stadthallen-Manager Volker Schmidtke die Gelegenheit wahr, die Simulation im IT Casino mitzuerleben. Cornelius Grube, der Intendant der Württembergischen Philharmonie, hatte wegen eines wichtigen Termins abgesagt, was die OB sichtlich nicht goutierte.

Bevor die Gäste in den Klang des Großen Saales und – mit Hilfe einer 3-D-Brille auch in die Raumatmosphäre eintauchen durften, erläuterte Hanns Malte Meyer vom Architekturbüro Max Dudler noch einmal kurz die Akustik der neuen Reutlinger Stadthalle. Wie berichtet wurde der Große Saal nach dem Vorbild des Wiener Musikvereinssaals entwickelt und verfügt durch die klassische Schuhschachtelform über hervorragende Voraussetzungen. Für eine gute Akustik und eine optimale Nachhallzeit, so Meyer, brauche es eine größtmögliche Diffusität (Zerstreuung), die über unterschiedlich strukturierte Oberflächen erlangt würde. Früher habe man das mit Kassettendecken, Putten, Stuck und Schnörkeln erreicht, heute wähle man geeignete Materialien, Decken- und Wandelemente, die unregelmäßig („Wie ein Strichcode“) angeordnet, „das Chaos produzieren, das der Wohlklang benötigt“.

Obwohl der Große Saal als Konzertsaal ausgelegt sei, ergänzte Reiner Gehret vom Berliner Schalltechnischen Büro (BeSB), das die Akustik konzipiert hat, werde die Halle doch enorm variabel. Eben eine „Halle für Alle“. Den Konzertsaal von Luzern werde man zwar nicht einholen, „weil uns dafür einfach die Mittel fehlen“, so Gehret, aber in die Nähe der großen Konzerhallen komme man schon. Wichtig sei gewesen, meinte auch Prof. Hanno Ertel, der das bislang beispiellose Projekt an der Stuttgarter Uni geleitet hatte, dass man bei der Planung den Schwerpunkt auf die Musik gelegt habe: „Runterskaten geht immer, aber umgekehrt geht das nicht.“

Zur klanglichen Feinabstimmung kann nun auch die Simulation seiner Studenten beitragen. Man habe alle Parameter des Architekturbüros verwendet und den Saal nachgebildet, betonte Ertel: „So klingt der Saal im Wesentlichen.“ Dann führte er die Gäste in einen kleinen mit schwarzem Tuch ausgekleideten Raum.

Um den Klangteppich möglichst realistisch zu simulieren, erklärte der für das Akustiklabor verantwortliche Mitarbeiter Benjamin Spaeth, wurde ein Orchesterstück (in diesem Fall war es Mozarts Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“) in einem schalltoten Raum aufgenommen. Mit Hilfe des in Aachen entwickelten Akustik-Computerprogramms und der Stuttgarter Raumsimulation wurde das Musikstück dann so aufbearbeitet, dass der Hörer an jedem beliebigen Ort des Saales, der mit Hilfe der 3-D-Brille dreidimensinsional erlebt wird, Platz nehmen kann. Und so eben auch die unterschiedliche Akustik wahrnimmt. „Auf die ganz billigen Plätze gehen wir nicht“, meinte Spaeth, der den virtuellen Rundgang vom Parkett über die Empore steuerte, um zuletzt die Position des Dirigenten einzunehmen.

„Jedes Modell ist ein Modell“, schränkte Ertel am Ende der Führung ein. In Wirklichkeit, versprach er, werde Raum und Klang der neuen Halle noch viel schöner. Die „Konzertbesucher“ aus Reutlingen vernahmen es mit Begeisterung.

Stadthallen-Simulation: Reutlinger Delegation im Akustiklabor
Barbara Bosch konnte mit dem verkabelten Helm den virtuellen Gang durch den Konzertsaal steuern. Prof. Hanno Ertel (rechts im Bild) und Benjamin Spaeth von der Uni Stuttgart erläuterten den Reutlinger Gästen das akustisch-visuelle Modell (stehend von links: Stadthallen-Projektleiter Klaus Kessler und die Stadträte Helmut Treutlein, Jürgen Straub und Thomas Ziegler).Bild: Kurz

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03.12.2010, 12:00 Uhr
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