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Stadt will renommierte Sportklinik nicht aufgeben
Die renommierte Sportklinik in Bad Cannstatt ist in die Jahre gekommen. Größere Investitionen sind erforderlich. Foto: Ferdinando Iannone
Medizin

Stadt will renommierte Sportklinik nicht aufgeben

Der Ruf der Einrichtung ist tadellos, der Gewinn zuletzt aber auf 50 000 Euro geschrumpft. Mitte Dezember entscheidet der Aufsichtsrat über die Zukunft.

01.12.2017
  • UWE ROTH

Stuttgart. Die Geschäftsleitung der Stuttgarter Sportklinik steckt in der Klemme: Das Gebäude in der Nachbarschaft des Cannstatter Kurparks ist in die Jahre gekommen und müsste dringend modernisiert werden – insbesondere der Bettenbereich, in dem es zum Beispiel immer noch Etagenduschen gibt. Gleichzeitig zahlen die Kassen für orthopädische Leistungen weniger Geld. Folglich kann die Klinik die Investition nicht aus eigener Finanzkraft stemmen – auch dann nicht, wenn das Land einen Anteil von 50 Prozent trägt.

Das hat Volker Munk, der Aufsichtsratsvorsitzende, kürzlich festgestellt. Folglich kann die Klinik nicht aus eigenem Antrieb handeln, sondern ist auf einen Geldgeber angewiesen. Das kann nur die Stadt sein, die vor knapp zehn Jahren 49 Prozent der Anteile von der Sporthilfe Württemberg übernommen hat. Nun redet auch die Kommunalpolitik mit.

Im Stuttgarter Rathaus streiten seit 2012 die Gremien, wie die Sportklinik zukunftssicher gemacht werden könnte. Mal wurde ein Erweiterungsbau diskutiert, mal ein Neubau im Neckarpark – dort wo Leistungssport betrieben und die Wege zur Behandlung kurz wären. Aber bei einer Kostenschätzung von zuletzt 60 Millionen Euro sind die Baupläne verworfen worden. Die Option, die Sportklinik an das städtische Krankenhaus in Bad Cannstatt anzudocken, ist dagegen weiter im Gespräch. Inzwischen ist das Thema zur Chefsache geworden. Nur noch der Erste Bürgermeister Michael Föll gibt Auskunft. Der CDU-Politiker ist mehrfach in die Angelegenheit involviert. Er ist zuständig für die städtischen Kliniken und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Sportklinik. Zudem hat er als Finanzbürgermeister die Kosten im Blick.

„Die Sportklinik ist für die Stadt einer der besten Leuchttürme, die es gibt“, stellt Föll kategorisch fest. Daher unternehme die Stadt alles, damit sie fortgeführt werden könne. Der Ruf der Sportorthopäden und Chirurgen ist tadellos. Das zumindest bestätigt das Magazin Focus seinen Lesern. Erst im November war die Klinik unter den „Top 412 Krankenhäusern Deutschlands“. Die Leistungszahlen zeigen, dass ein guter Ruf die Gesetze der Wirtschaftlichkeit nicht außer Kraft setzt. Innerhalb von zehn Jahren ist die durchschnittliche Verweildauer von 4,5 auf 3,2 Tage gesunken. Dafür ist die Zahl der ambulanten Operationen stark angestiegen – von 536 (2007) auf 756 im vergangenen Jahr. Um Kosten zu sparen, ist die Zahl der Betten von 80 auf 75 abgebaut worden. Und weil immer mehr Behandlungen einen Krankenhausaufenthalt entbehrlich machen, haben die Krankenkassen reagiert. „In diesem Leistungsbereich sind die Fallpauschalen 2017 um einiges gekürzt worden. 2018 wird das erneut der Fall sein“, stellt der Finanzbürgermeister fest. Im September hat er dem Gemeinderat mitgeteilt, dass im Jahr 2016 als Gewinn nur rund 50 000 Euro übriggeblieben sind. Im Jahr zuvor waren es noch über 400 000 Euro.

Für einen Erweiterungsbau am Standort steht eine Summe zwischen 40 und 50 Millionen im Raum. Ob es darauf hinauslaufen könnte, will Föll nicht sagen. Er verweist auf die Aufsichtsratssitzung Mitte Dezember, in der alles Weitere besprochen und eventuell entschieden werden soll. Ein Umzug an die Cannstatter Klinik sei erst in sechs bis acht Jahren möglich. Sollte das beschlossen werden, würde die Sportklinik aber weiterhin eigenständig bleiben und über eine eigene Adresse verfügen. „Nur so behält die Sportklinik ihr Renommee“, sagt Föll.

Doch so lange könne nicht alles beim Alten bleiben. Die Klinik möchte mehr Privatpatienten gewinnen, doch mit dem derzeitigen Komfort könne man diese kaum locken. Daher besteht die Überlegung, zeitnah „eine Komfortstation mit 20 Betten“ zu bauen. Bis Jahresende soll die Entscheidung stehen.

Dann wären solche Kommentare, wie man sie im Internet findet, hinfällig: Zur Note „zufrieden“ schrieb ein Patient: „Gebäude und Ausstattung der Zimmer sind in die Jahre gekommen, Neubau wäre toll.“ Und ein weiterer sehr zufriedener Patient merkte an: „Die Stadt Stuttgart sollte sich schämen, dass eine solch hervorragende Klinik nicht stärker unterstützt wird, speziell bezüglich Um- oder Neubau.“

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01.12.2017, 06:00 Uhr
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