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Integration per Partnerschaft

Stadt sieht sich nach Schwesterstadt in der Türkei um

Auf die Suche nach einer Partnerstadt in der Türkei hat sich Rottenburg begeben. Am Dienstag hieß der Sozialausschuss des Gemeinderats das Projekt einstimmig gut und beauftragte das Kulturamt, daran weiterzuarbeiten.

15.07.2010

Von willibald ruscheinski

Rottenburg. Derzeit leben über 1200 Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft in der Großen Kreisstadt, das sind rund 3 Prozent ihrer Einwohnerschaft. Hinzu kommen mittlerweile Hunderte von Bürgern, die zwar einen deutschen Pass besitzen, aber türkischer Herkunft sind. Gemessen an ihrem hohen Bevölkerungsanteil sei diese Gruppe im öffentlichen Leben Rottenburgs eher schwach vertreten, sagte Oberbürgermeister Stephan Neher am Dienstag im Sozialausschuss.

Aus den mittlerweile drei Integrationsforen heraus, die sich um mehr Teilhabe und Teilnahme von Migranten bemühen, sei deshalb die Idee entstanden, nach den bisherigen vier internationalen Partnerschaften Rottenburgs auch feste Bande mit einer Kommune in der Türkei zu knüpfen. Solch eine „Begegnung auf Augenhöhe“ solle in der Stadt selbst und bei ihren Bürgern mehr Verständnis für das Herkunftsland der größten Migrantengruppe wecken.

Umgekehrt, so Neher, böte dieses „gemeinsame Thema“ auch den Rottenburger Türken eine ausgezeichnete Chance, ihre kulturellen Kompetenzen einzubringen – zum Beispiel in ein türkisch-deutsches Partnerschaftskomitee, das diese Verschwisterung vorbereiten und begleiten müsste.

So weit ist es noch nicht. Aber das Kulturamt hat recherchiert und festgestellt, dass deutschlandweit rund 50 solcher Partnerschaften existieren. Die älteste in Baden-Württemberg unterhält seit 1967 Böblingen, das Bergama verbunden ist, dem antiken Pergamon. Schaut man sich die geografische Lage der türkischen Schwesterstädte an, trifft man auf ein wenig überraschendes Muster: „Wie eine Perlenschnur“, so Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert, reihen sie sich meist an der – touristisch attraktiven – Süd- und Westküste auf.

Den Rottenburger Absichten entspräche es allerdings eher, nach einer Partnerstadt in den Herkunftsgebieten der meisten hiesigen Türken zu suchen, also im Inneren Anatoliens oder an der Schwarzmeerrküste. Weitere Kriterien seien, zwecks Erreichbarkeit, die Nähe zu eiunem Flughafen, das Vorhandensein von weiterführenden Schulen und womöglich sogar Hochschulern sowie ein vergleichbares kulturelles und Vereinsleben. Sogar an eine „eventuelle christliche Vergangenheit“ mit der Möglichkeit eines „religiösen Austausches“ wurde gedacht.

Inzwischen hat sich die Stadt nicht nur Tipps vom Türkisch-Deutschern Freundschaftsverein und vom Türkischen Kultur- und Sportverein geben lassen. Die Gymnasiastin Ayse Gül, derzeit Praktikanten im Kulturamt, hat bereits Kontakt zu acht Städten aufgenommen, die von sich aus auf der Suche nach einer deutschen Kommune sind.

Darunter finden sich die drei Kleinstädte Dalaman (an der südwestlichen Mittelmeerküste), Ermenek (Provinz Karman, Südanatolien) und Kaman (Provinz Kirsehir, Zentralanatolien);

die Mittelstädte Serdivan (im Nordwesten unweit Istanbuls) und Sirnak (Provinzhauptstadt im Osten Anatoliens)

sowie drei Verwaltungsbezirke mit über einer halben Million Einwohner, die je Teil einer Millionenstadt sind: Kartal (Istanbul), Keciören (Ankara) und Sahinbey (Gaziantep).

Fünf dieser acht Kommunen haben bereits auf die Rottenburger Avancen reagiert und durchweg Interesse an Kontakten bekundet. Angefragt wurden außerdem die drei Schwarzmeer-Städte Trabzon, Rize und Samsun, die allerdings noch nicht geantwortet haben. Darüber hinaus regte Reinhold Baur (CDU) an, die türkischen Partner von Gols in Erwägung zu ziehen: Die österreichische Schwestergemeinde von Ergenzingen ist mit der Ägäis-Insel Bozcaada (früher: Tenedos) verbandelt, die fast vis-à-vis von Troia vor der Westküste liegt.

„Bestechend“ nannte Karl Schneiderhan (CDU) das Projekt einer deutsch-türkischen Städtepartnerschaft, und darin widersprach ihm im Ausschuss niemand. Ziele und eigene Interessen müssten freilich noch „präziser definiert“ werden. Sicherzustellen gelte es auch, fand Fraktionskollege Baur, „dass die Verbindung von einer soliden Basis in der Stadt getragen wird. Das Schlimmste wäre, einen Vertrag zu unterzeichnen, der sich hinterher als Totgeburt herausstellt. Denn man fährt da nicht mal eben mit dem Bus hin. Wir werden sehr weite Wege gehen müssen.“

Ermenek wäre trotz antiker Vergangenheit eher keine Edelpartnerstadt mit touristischen Touch. Das frühere Germanicopolis liegt im Süden Anatoliens und hat etwa 15 000 Einwohner. Bild: Panoramio

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Erstellt:
15. Juli 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Juli 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2010, 12:00 Uhr

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