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Rückkehr der „Landshut“

Stadt sieht Bund in der Pflicht

Die bekannteste Lufthansa-Maschine kommt ins Dornier-Museum in Friedrichshafen. Zu Konzept und Finanzierung gibt es Fragen.

09.09.2017
  • ALFRED WIEDEMANN

Friedrichshafen. Hier Begeisterung, da Skepsis über die Rückkehr der „Landshut“ nach Deutschland, der im Terror-Herbst 1977 entführten Lufthansa-Maschine. Im brasilianischen Fortaleza zerlegen Lufthansa-Techniker die seit Jahren stillgelegte Boeing 737. Per Großflugzeug Antonov sollen die Teile an den Bodensee gebracht werden. Wann, ist offen.

Ende Juli kam die Entscheidung des Außenministers Sigmar Gabriel (SPD) für Friedrichshafen und das Dornier-Museum als Standort der „Landshut“. Museumsleiter David Dornier jubelte. Die neue Attraktion werde viele Besucher in die Stadt und an den Bodensee locken.

In Flensburg herrscht dagegen Enttäuschung. Ein Flugzeugbegeisterter mit dem nötigen Kleingeld hatte angeboten, dort für die „Landshut“ ein eigenes Museum zu bauen. Die Festlegung auf Friedrichshafen – ohne Ausstellungskonzept, ohne gesicherte Finanzierung? Das Unverständnis im Norden ist groß.

Und am Bodensee fragen Friedrichshafener, was die „Landshut“ mit der Stadt der genialen Konstrukteure Claude Dornier und Ferdinand von Zeppelin verbindet. Und ob die Stadt und ihre Zeppelin-Stiftung zur Kasse gebeten werden.

Mitte August kam Gabriel an den Bodensee. „Eine Boeing 737 braucht Platz“, sagte der Minister, im Bonner Haus der Geschichte hätte man nur kleine Teile zeigen können, in Friedrichshafen sei Platz für eine angemessene Präsentation. Der Bund engagiere sich finanziell, beruhigte Gabriel, bezahle die „nicht ganz preiswerte Rückholung“. Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist auch beteiligt, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) unterstütze die Rekonstruktion der Maschine und die museale Präsention, sagte ein Sprecher. Die Entscheidung des Außenministeriums für Friedrichshafen trage man mit.

Die weitere Finanzierung müsse so aussehen, dass die Stadt Friedrichshafen nicht in eine Zwangslage komme, sagte Gabriel. Und Museumsleiter Dornier versicherte, dass er fürs Projekt kein Geld der Zeppelin-Stiftung haben wolle.

Auch ein Gespräch mit Oberbürgermeister und Ratsfraktionen wurde angeboten. Das begrüßt Dieter Stauber, Chef der SPD-Fraktion im Gemeinderat. Es sei wichtig, dass offene Fragen zur Finanzierung, der dauerhaften Stationierung und dem Ausstellungskonzept noch vor Eintreffen der „Landshut“ beantwortet sind – zumindest in Grundzügen.

Die Stadt habe mehrere Museen mit Erweiterungsbedarf. Deshalb sei seine Fraktion in der Frage eines weiteren Engagements für die „Landshut“ „kritisch-zurückhaltend“. „Wenn Friedrichshafen Verantwortung und Kosten für die museale Darstellung der Erfindungen von Zeppelin, Maybach und Dornier übernimmt oder übernehmen sollte, müssen wir nicht auch noch die ,nationale Aufgabe' der Präsentation der Landshut finanzieren“, sagt Stauber. Stattdessen seien der Bund oder weitere Geldgeber gefragt.

Auch für die Grünen im Gemeinderat ist die „Landshut“ eine Angelegenheit des Bundes. „Nicht nur die Überführung, sondern auch die laufenden Unterhaltskosten sollten entsprechend von der Bundesregierung und dem Dornier-Museum getragen werden und nicht von der Stadt“, sagt die Fraktionsvorsitzende Mathilde Gombert.

20 000 Euro hat das Wrack der 1985 von der Lufthansa verkauften und 2002 in Brasilien ausgemusterten Boeing anscheinend gekostet, etwa zwei Millionen Euro soll die Rückholung kosten.

Offen sind die Kosten von Restaurierung und Präsentation der Maschine. Spenden werden bereits gesammelt. Zur Ausstellungskonzeption und deren Finanzierung liefen Gespräche mit mehreren Gremien, sagte Philipp Lindner, Pressesprecher des Dornier-Museums. „Das ist ein großes Projekt mit vielen Beteiligten“, das brauche Zeit. „Da gibt es viel Klärungsbedarf, aber alles ist auf einem guten Weg.“ Die Demontage der „Landshut“ laufe, der Termin für den Rücktransport sei noch offen. Vor dem 18. Oktober, vor dem 40. Jahrestag der Befreiung der Geiseln, treffe sie aber sicher aus Brasilien in Friedrichshafen ein, so Lindner.

Eine Präsentation der Maschine noch im Oktober hält die Kulturbeauftragte der Bundesregierung aber für „unrealistisch“. Das historische Objekt müsse angemessen gesichert und in den historischen Kontext der Auseinandersetzung mit dem RAF-Terrorismus eingeordnet werden, sagte der BKM-Sprecher. Entwicklung und gestalterische Umsetzung eines wissenschaftlich tragfähigen Museumskonzepts benötigten „eine gewisse Zeit“. Nicht vorgesehen sei, dass sich Auswärtiges Amt und Kulturbehörde „über den Abschluss der investiven Maßnahmen hinaus“ beteiligen werden.

Fünf Tage Angst und Ungewissheit

Der „Deutsche Herbst“ 1977: Am 13. Oktober kapern vier Palästinenser die Lufthansa-Maschine „Landshut“, die mit 91 Menschen an Bord von Mallorca unterwegs nach Frankfurt war. Die Entführer unterstützten die „Rote Arme Fraktion“, RAF-Terroristen hatten zum Freipressen inhaftierter Gesinnungsgenossen den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer entführt. Mehr als 9000 Kilometer Irrflug der „Landshut“ enden in Mogadischu.

Auf dem Flughafen in Somalia stürmt die GSG 9 des Bundesgrenzschutzes, die Maschine. Die Geiseln werden befreit, drei Terroristen erschossen. In Stuttgart-Stammheim nehmen sich daraufhin die RAF-Häftlinge Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe das Leben.

Am Tag danach wird Schleyers Leiche mit Schüssen im Kopf im Kofferraum eines Autos im französischen Mülhausen gefunden. ⇥dpa

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09.09.2017, 06:00 Uhr
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