Mobilität

Spritpreise schwanken schneller

Im Schnitt wechseln die Kosten für Superbenzin und Diesel sieben Mal am Tag, hat der ADAC ermittelt. Wann die beste Uhrzeit zum Tanken ist und warum die Preise so hoch sind.

11.06.2021

Von CAROLINE STRANG

Tanken ist deutlich teurer geworden, der Preis schwankt durchschnittlich sieben Mal am Tag. Foto: Sven Hoppe/dpa

Ulm. An den Anzeigetafeln der Tankstellen ist eine Berg- und Talfahrt zu beobachten – wobei die Spitzen dieser Berge in diesem Frühjahr durchgängig weitaus höher liegen als noch vor einem Jahr. Die Spritpreise, so zeigt die jährliche Untersuchung des ADAC, schwanken im Tagesverlauf schneller. So gibt es an den Tanksäulen inzwischen durchschnittlich sieben Preisänderungen an einem Tag, im Vorjahr waren es noch sechs. „Die Verlaufskurve der Kraftstoffpreise ist damit noch kleinteiliger und – auf den ersten Blick – unübersichtlicher geworden“, schreiben die Experten des Autoclubs.

Trotzdem haben sie Anhaltspunkte gefunden, wie Verbraucher beim Tanken sparen können. Es geht um die Wahl der besten Uhrzeit, der Wochentag hingegen spielt kaum eine Rolle. Die Daten beziehen sämtliche Preisbewegungen der rund 14 000 Tankstellen in Deutschland im Mai mit ein.

Die Auswertung zeige, dass einem längeren Zeitraum in der Nacht mit weitgehend konstanten Preisen im Laufe des Tages mehrere Spitzen folgen. „Dabei ist kurz nach sieben Uhr morgens das höchste Preisniveau des Tages feststellbar, danach bröckeln die Preise ab, unterbrochen von mehreren zwischenzeitlichen Anhebungen“, so die Experten. Dann ist E10 typischerweise vier und Diesel 3 Cent teurer als im Tagesdurchschnitt.

Die weiteren Spitzen treten gegen 10 Uhr, 13 Uhr, 16 Uhr, kurz vor 18 Uhr, vor 20 Uhr sowie ab 22 Uhr auf. Die beste Uhrzeit zum Tanken ist laut ADAC zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr, in diesem Zeiträumen sind die durchschnittlichen Spritpreise am niedrigsten. Die Preisänderungen treten zwar häufiger auf, fallen durchschnittlich aber nicht mehr so groß aus wie vor einem Jahr. So hat der ADAC im Mai bei Super E10 Unterschiede von gut 7 Cent pro Liter zwischen dem Tageshoch am Morgen und dem Tief am Abend festgestellt. Vor einem Jahr lag der Abstand noch bei rund 11 Cent. Bei Diesel sank der Unterschied von damals rund 10 auf aktuell gut 6 Cent.

Grundsätzlich ist Autofahren in diesem Jahr deutlich teurer geworden. Der durchschnittliche Preise für einen Liter Superbenzin in Deutschland lag im April bei 1,52 Euro. Zum Vergleich: Im April 2020 waren es 1,22 Euro – eine Steigerung um 30 Cent. Wie das Statistische Bundesamt zusammenfasst, erhöhten sich die Preise für Superbenzin im April 2021 um 24,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, die Preise für Diesel verteuerten sich um 19,5 Prozent und die Preise für Autogas kletterten im gleichen Zeitraum um 14,2 Prozent nach oben. Bei 1,52 Euro setzt sich der Preis für einen Liter Superbenzin übrigens aus gerundet 39 Cent Produktbeschaffungskosten, 65 Cent Energiesteuer, 24 Cent Mehrwertsteuer und 23 Prozent Deckungsbeitrag, der unter anderem Kosten für Transport, Verwaltung und Vertrieb beinhaltet.

Die Gründe für die Verteuerung sind vielfältig. Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer Mineralölwirtschaftsverband, rechnet vor: „Seit Beginn des Jahres ist der Benzinpreis im Bundesdurchschnitt um 17 Cent je Liter gestiegen. Rund 7 Cent davon gehen aufs Konto des neuen CO2-Preisaufschlags, weitere 3 Cent auf die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer auf den alten Satz, der Rest entfällt auf den höheren Ölpreis.“ Dieser habe bei der Nordsee-Sorte Brent von rund 50 auf mehr als 70 Dollar je Barrel zugelegt. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so stark, sei die Entwicklung beim Diesel: Hier stieg der Durchschnittspreis seit Jahresbeginn um 14 Cent je Liter.“ Im Rahmen der CO2-Bepreisung werden klimaschädliche fossile Brennstoffe seit dem 1. Januar 2021 mit einem Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 belegt.

Diese Gründe nennt auch Steffen Bock, Geschäftsführer von clever-tanken.de. Er weist auch darauf hin: „Da wir letztes Jahr coronabedingt niedrige Preise gewohnt waren, ist die Verteuerung gegenüber dem Vergleichsmonat im Vorjahr eklatant.“

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Erstellt:
11. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2021, 06:00 Uhr

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