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Sprit ist wieder billig geworden – Grund: Förderländer drosseln Mengen nicht
Wenn der Ölpreis in Bewegung gerät, merken das die Autofahrer meist schnell beim Tanken. Foto: dpa
Ölpreis auf Talfahrt

Sprit ist wieder billig geworden – Grund: Förderländer drosseln Mengen nicht

Der Ölpreis sackt wieder ab. Das freut die Autofahrer, weil auch der Sprit billiger geworden ist. Experten rechnen mit bald wieder steigenden Preisen.

05.08.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. 1,99 Dollar für die Gallone – wer derzeit Urlaub in den USA macht, bekommt das Benzin für den Mietwagen so günstig wie lange nicht. Umgerechnet sind das pro Liter etwa 45 Euro-Cent. Aber auch in Deutschland ist es derzeit an der Zapfsäule wieder preiswert. Den Liter Diesel gibt es nicht selten für weniger als 1 EUR , bei Super ist es mancherorts nicht einmal 1,20 EUR .

Der Ölpreis ist nach einem deutlichen Anstieg von 28 auf 52 Dollar pro Barrel (ein Fass mit 156 Litern) zwischen Januar und Mitte Juni – ein Plus von fast 90 Prozent – wieder auf Talfahrt. Seit Mitte Juni ging es um rund 20 Prozent auf aktuell 40 Dollar nach unten. Die Experten haben dies nicht erwartet. Sie hatten mit einem dauerhaften Einpendeln der Preise über 50 Dollar gerechnet. Doch auf einmal ist wieder von einem Überangebot auf dem Ölmarkt die Rede, und das drückt den Preis wieder nach unten.

In den USA wie in Europa kommt die Verbilligung des Sprits gerade richtig zur Ferienzeit. Jenseits des Atlantiks sagen Experten, dass die Amerikaner im Urlaub jetzt ein Stück weiter wegfahren als ursprünglich geplant. Die Benzinlager in den USA sind nach Angaben der nationalen Energie-Informationsbehörde voller als in früheren Jahren.

Generell gilt eine wieder deutlich höhere Ölproduktion als Hauptgrund für den Rückgang der Preise. Eine möglicherweise gesunkene Nachfrage fällt aus Sicht der Experten derzeit nicht so stark ins Gewicht. Saudi-Arabien fördert nach Angaben von Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, derzeit pro Tag 10,5 Mio. Barrel, fast so viel wie auf dem Rekordniveau von Juni 2015. Asiatischen Abnehmern macht das Land dabei sogar Preiszugeständnisse.

Saudi-Arabien setze seinen Kampf um Marktanteile fort, sagt Weinberg. Vor allem im Ringen mit dem verfeindeten Iran. Nach der Einigung im Atomstreit darf der Iran wieder Öl fördern, mittlerweile sind es Experten zufolge pro Tag 3,5 Mio. Barrel. Dazu ist Gabun neues Mitglied der Opec, der Organisation Erdöl exportierender Staaten. Auch dies bläht das Überangebot zusätzlich auf.

Im Juli haben die Opec-Staaten ihre Produktion auf insgesamt 33,4 Mio. Barrel pro Tag erhöht – das ist ein neuer Rekord. Am Mittwoch lag der Preis für den Korb des Opec-Öls – zusammengesetzt aus Notierungen der 14 Mitgliedsstaaten – bei 38,29 Dollar; das war fast 1 Dollar weniger als ein Tag zuvor. Auch Opec-Nicht-Mitglied Russland hat im Juli im Vergleich zum Vormonat mehr Öl aus dem Boden geholt, täglich 10,8 Mio. Barrel.

Schließlich wird auch in Kanada und Nigeria wieder mehr gefördert. In Kanada hatten verheerende Wahlbrände im Frühjahr und Frühsommer für einen Produktionseinbruch gesorgt, in Nigeria wiederholte Terroranschläge. Und selbst in Libyen wird wieder mehr Öl ans Tageslicht geholt. Weinberg verweist zudem darauf, dass in den USA wieder verstärkt nach Öl gebohrt wird.

Laut Internationaler Energie-Agentur (IEA) lag die Öl-Förderung weltweit im Juni pro Tag bei 96 Mio. Barrel, der Bedarf aber mit gut 95 Mio. Barrel darunter. Erst zum Jahresende sollen sich Angebot und Nachfrage wieder ausgleichen, nächstes Jahr sollen dann täglich mehr als 97 Mio. Barrel nachgefragt werden und damit die Nachfrage wieder das Angebot übersteigen, rechnet die IEA vor. Dies müsste zu höheren Preisen führen.

Dann mischen wie immer auch Spekulanten mit. Seit Jahresanfang hatten Hedgefonds auf steigende Ölpreise gewettet, jetzt haben sie dem Vernehmen nach ihre Strategie geändert und setzen auf sinkende Notierungen. Das verstärkt den Druck auf die Preise.

Angesichts der Ölschwemme tun sich Volkswirte mit konkreten Prognosen schwer, zumal auch unklar ist, wie sich die Weltkonjunktur entwickelt und wie schnell vor allem China und die Schwellenländer die Rückkehr zu höherem Wachstum schaffen. Die Experten der US-Investmentbank Morgan Stanley nennen für die nächsten Monate eine Spanne zwischen 30 und 50 Dollar pro Fass. Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen erwartet zum Jahresende 43 Dollar.

Im Durchschnitt sehen Experten Ende des Jahres wieder Preise von über 50 Dollar. Holger Bahr von der Dekabank ist zuversichtlicher. In fünf Monaten könnte das Fass schon mehr als 50 Dollar kosten. Bis Mitte des kommenden Jahres rechnet Bahr sogar mit Preisen von mehr als 55 Dollar. Freilich: In diesen Zeiten sind alle Prognosen mit großer Vorsicht zu genießen.

Opec-Kartell

1960 gegründet Die Organisation erdölexportierender Länder (kurz Opec für den englischen Begriff „Organization of the Petroleum Exporting Countries“) wurde 1960 in Bagdad (Irak) gegründet. Seit 1965 hat das Kartell seinen Sitz in Wien. Die ursprünglichen Mitglieder waren Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela. Später kamen weitere sieben Staaten dazu: Katar, Indonesien, Libyen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien, Nigeria , Angola und Ecuador. Die Opec-Mitglieder fördern rund 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion und verfügen über drei Viertel der weltweiten Erdölreserven.⇥eb

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05.08.2016, 06:00 Uhr
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