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Kommentar

Sprachlos in München

Böse sind vor allem die anderen. Das ist das ernüchternde Fazit der 54. MSC, auf der die Teilnehmer vor allem über- statt miteinander sprachen und – gerne ohne direkte Namensnennung – vor jenen Staaten warnten, deren Vertreter mitunter mit ihnen in der gleichen Runde saßen.

19.02.2018
  • CHRISTOPH FAISST

Diese Sprachlosigkeit hat viel damit zu tun, dass den internationalen Akteuren ein gemeinsamer Konsens verlorengegangen ist. Es gibt keine Basis mehr, nach deren Regeln sich Konflikte anders lösen lassen als durch militärische Stärke und die damit verbundene Abschreckung. Das Papier internationaler Verträge ist so geduldig und die Uno so schwach, dass sich jeder auf das Recht der Selbstverteidigung berufen kann, ohne die Ordnung des internationalen Zusammenlebens zu verletzen – weite Interpretationen inklusive.

Europa hat den Schuss gehört, rüstet – wie von den USA vehement gefordert – auf, um sich anhören zu müssen, damit in Konkurrenz zur Nato treten zu wollen. Die lachenden Dritten dieses innerwestlichen Zanks um Haushalts-Prozente sind all jene, die zielstrebig ihre strategischen Pläne verfolgen wie das handfest auftretende Russland oder das auf den sanften Druck der Auslandsinvestition setzende China.

Die Erwartung, das Ende der Systemkonkurrenz des kalten Krieges bringe eine Friedensdividende, hat sich nicht erfüllt. Die einst erhoffte multipolare Welt ist Wirklichkeit geworden, doch sie hat ein neues, im Vergleich zum Kalten Krieg, brüchiges Gleichgewicht des Schreckens hervorgebracht. Staatliche Existenz ist eine Frage der Geschwindigkeit geworden. München hat gezeigt: Das Rennen ist eröffnet.

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19.02.2018, 06:00 Uhr
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