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Im Zeichen der Neonröhre

"Spot an!": Die Ulmer Kunsthalle Weishaupt leuchtet

Der Lichtkunst von Dan Flavin, François Morellet und anderen widmet sich die Kunsthalle Weishaupt in einer großen, farbenfrohen Ausstellung: "Spot an!". Fast alles stammt aus der eigenen Sammlung.

02.10.2015
  • JÜRGEN KANOLD

Ulm Diese Ausstellung beginnt am Morgen mit einem Knopfdruck, und abends wird einfach der Stecker rausgezogen. Ohne Strom jedenfalls geht gar nichts: "Spot an!" heißt die Devise in der Ulmer Kunsthalle Weishaupt, die Lichtkunst von Flavin, Morellet, Nannucci und anderen zeigt. Es leuchtet modern.

Mit großer Energie hat das Museum des Sammlerehepaars Siegfried und Jutta Weishaupt in den weißen Riesenräumen eine starke Schau im Zeichen der Neonröhre aufgebaut. Sie ist besonders eine Attraktion in der düsteren, dunklen Jahreszeit - wenn keine Sonnenstrahlen das Haus durchfluten. Ja, man müsste mal über Nacht-Öffnungszeiten nachdenken.

Die Vereinten Nationen haben 2015 zum "Internationalen Jahr des Lichts" erklärt, und in Ulm ist ja auch noch Albert Einstein geboren, der den Physik-Nobelpreis 1921 für den Photoelektrischen Effekt, für seine Lichtquantenhypothese erhielt, die er 1905 unter dem Titel "Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt" veröffentlicht hatte. Das muss, dass kann der Normalmensch nicht verstehen. Aber was ein Künstler wie der Italiener Maurizio Nannucci (1939 geboren) aus Lichtquellen und mit Neonröhren formt, ist pop-artistisch klar und im wahrsten Sinne einleuchtend: "Use The Future" steht da, in sehr schmal hochgezogenem, rotem Schriftzug.

Nannucci, der von der Konkreten Poesie herkommt und ironisch verspielt die Werbebranche aufmischt, gehört zu den Hauptakteuren dieser Ulmer Ausstellung. Besonders kunstvoll zeigt sich seine filigrane Neon-Installation "Love" aus dem Jahre 2011. Und der farbenfroh buchstabierten Aufforderung "Never Move Far From Color" möchte sich auch kein Besucher entziehen.

Aus der Minimal Art schaltet sich gewissermaßen Dan Flavin ein, der amerikanische "Ur-Vater der Lichtkunst", wie Kathrin Weishaupt-Theopold sagt. Stolz kann die Direktorin der Kunsthalle auf mehrere Arbeiten verweisen, alle aus der eigenen, reichen Sammlung. Flavins Leuchtstoffröhren-Objekte nutzen den Raum als Resonanzkörper, verwandeln ihn, das Werk färbt ab auf die Umgebung: grün, gelb, rot, blau.

Brigitte Kowanz (geboren 1957) verwendet vor allem rein weißes Licht und sendet verrätselte Botschaften aus, etwa "Rund um die Uhr" und mit dem "Morsealphabet". Kurz, lang: Die Wienerin setzt mit ihren Neon-Zeichen im Glaskasten eine unendliche Spiegelung in Gang. Ihr blutrot lackierter und mit Leuchten verkritzelter Wand-Klecks "Light up!" ist wilder, expressiver codiert.

Schon seit Dezember hängt im "Schaufenster" der Kunsthalle François Morellets Großinstallation "Ulm Ultimate Cathedral" aus 52 Neonröhren: die Silhouette zum Jubiläum 125 Jahre Münsterturm-Vollendung. Jetzt zeigt die Kunsthalle noch viele andere Arbeiten des Franzosen. Ziemlich originell bis witzig erscheint Morellets (geboren 1926) geometrische Moderne, die Leuchtmittel auch mit Acryl auf Leinwand verbindet. Und da hängen Neonröhren "fadenscheinig" lose von der Decke, da addieren sich Neonröhren -Konstruktionen zu einem speziellen "Sous-Prematisme". Da entwickelt sich in geradezu rot-blauer Heizungskörper-Optik wunderschöner Serialismus ("Rouge Pair - Bleu Impair").

Eine sinnliche Ausstellung ist das, und eine einprägsame. Wer intensiv auf diese Lichtkunst blickt, der hat draußen, vor der Kunsthalle, noch eine Weile bei geschlossenen Augen viel davon: Auch die Netzhaut ist beeindruckt.

"Spot an!": Die Ulmer Kunsthalle Weishaupt leuchtet
Sammler Siegfried Weishaupt vor Dan Flavins Leuchtstoffröhren-Installation "Untitled (To Pat and Bob Rohm)" von 1969. Foto: Matthias Kessler

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02.10.2015, 12:00 Uhr
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